Eine künstlerische Irrfahrt

von Redaktion

Peter Riek stellt seine „Old Man Odyssey“ in der Städtischen Galerie Traunstein aus

Traunstein – Das Vorhaben klingt spannend: Der Heilbronner Künstler Peter Riek bricht zu einer 24-tägigen Fahrradtour und Selbsterforschungsreise auf. Diese führt ihn von der Insel Lindau im Bodensee über den Arlberg- und Reschenpass sowie Bari bis zur griechischen Insel Ithaka im Ionischen Meer. Ithaka? Da war doch was? Klar, die Heimat von Odysseus, dem Helden aus Homers Epos „Odyssee“. Entsprechend hat der 65-Jährige seine Reise auch als „Old Man Odyssey – Eine Fahrradirrfahrt in 24 Tagen, Straßenzeichnungen und Postkartengesängen“ überschrieben. In der Satteltasche seines Fahrrads hatte er das Werk des antiken Dichters mit dabei.

Kreidezeichnungen
auf Asphalt

Die Ergebnisse dieses Abenteuers sind noch bis 14. Juni in faszinierend transformierter Form in einer aktuellen Ausstellung in der Städtischen Galerie im Kunstforum Klosterkirche zu sehen. Transformiert deshalb, weil die Ausgangswerke – vergängliche Kreidezeichnungen auf Asphalt – gleich in mehrfacher Hinsicht einen Veränderungsprozess durchlaufen haben.

Die Grundidee der Reise war, jeden Tag eine Straßenzeichnung entlang der Route anzufertigen, die Riek auf Fotos festgehalten hat, und eine Postkarte an seine Heimatadresse zu schicken. Darauf formulierte der Künstler prägende „Monologe und Befindlichkeiten“ der Reise. Im heimischen Atelier wurden die Fotos zum Ausgangspunkt für rechteckige Siebdrucke auf Leinwand.

Bereits seit 1986, nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und seinem Zweitstudium der Geografie, bildeten Zeichnungen generell und solche mit Tafelkreide auf Asphalt einen zentralen künstlerischen Ausgangspunkt für Riek. Sie sind vergängliche Notizen und eine direkte seismografische Reaktion, mit denen er sich dem jeweiligen Ort zeichenhaft und temporär einschreibt. Sie sind ebenso flüchtiger Ausdruck der momentanen Gestimmtheit.

Mithilfe der Fotografie und daraus abgeleiteten Sieb- und Digitaldrucken auf Leinwand werden bei Riek aus flüchtigen Straßenzeichnungen und Momenteindrücken symbolhaft abstrahierte Chiffren, die den Raum für überpersönliche Interpretationen öffnen.

In der Ausstellung in Traunstein sind gefäßartige, konstruktiv-tektonische oder organisch-amorphe Formen wie Bäume, Blätter, Äste, Knochen, Quallen, ein Fuß, innere Organe, eine Axt oder Wolken zu erkennen. Durch die Kombination der einheitlich großen Drucke in Schwarz-Weiß mit deutlich größer dimensionierten Messerschnitten aus Leinwand, die ein neues Formenvokabular eröffnen, potenziert Riek die Wirkung und den Interpretationsspielraum noch einmal deutlich.

Zusammenhängende
Rauminstallation

Zum eindringlichen Erlebnis für den Betrachter werden die 24 Kunstwerke nun durch die Inszenierung als zusammenhängende Rauminstallation.

Nur umrisshaft und wie Ahnungen, vorbeiziehende Gedanken oder Traumbilder lassen sich schemenhafte Stilisierungen wie ein Topf oder ein Pferd oder auch klare Formen wie Fisch und Esel, Kleid und Umhängetasche, Boot und Fahne, Knochen oder Blume ausmachen.

Gerade in dieser so bodenständigen wie filigranen Reduktion, Konzentration und Fokussierung des Formenkanons auf das Wesentliche bietet Riek dem Betrachter kraftvoll die Gelegenheit, selbst auf eine Abenteuer- und Entdeckungsreise zu gehen. Die persönlichen Erlebnisse und Impulse von Rieks Odyssee werden damit zum überpersönlichen Ausdruck des Lebenswegs als Reise und existenzielle Erfahrung. Die Erlebnisse mit Besuchern der Ausstellung zeugen von überraschenden Wirkungen.

Wer nur den schnellen Kunstgenuss, starke Eindrücke und klare Botschaften erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. Wer sich dagegen auf den Zauber der Poesie einlässt, etwas Zeit mitbringt und den symbolhaften Botschaften so die Chance auf Entfaltung im eigenen Inneren gibt, der wird fasziniert sein von Neuentdeckungen. Unbedingt sehenswert sind auch die Gedankenimpulse, die Riek auf seinen Postkarten festgehalten hat und der daneben aufgehängte Bilderkasten mit Digitaldrucken auf Tapete.

Bis 14. Juni

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