Finale in der Volksmusik-Ausstellung über Wastl Fanderl

von Redaktion

Letzter Öffnungstag in Schloss Hartmannsberg mit einigen Überraschungen – Als Wanderausstellung am 7. Juni in Bergen zu sehen

Rosenheim – Über 900 Besucher haben sich bereits in den vergangenen sieben sonntäglichen Öffnungstagen und am Pfingstmontag bei freiem Eintritt die Ausstellung der Kreisvolksmusikpflege Rosenheim über „Wastl Fanderl (1915 bis 1991) – ein Leben für die Volksmusik“ angeschaut. Dazu kommen noch gut 150 Teilnehmer an Sonderführungen und dem „Singen am See“ unter der Woche. Gerade in den vergangenen heißen Tagen war die Kühle in den Mauern von Schloss Hartmannsberg ein geschätzter Zufluchtsort – und die vier Ausstellungsräume mit den jeweils besonderen inhaltlichen Schwerpunkten und Entwicklungen in der Volksmusikpflege in den vergangenen gut 100 Jahren – weit über das Wirken von Wastl Fanderl hinaus – waren sehr gut besucht.

Manche Besucher
kamen gleich mehrfach

Manche Interessenten kamen auch mehrmals, da die Vielfalt der Darstellungen und die umfangreichen Texte und Exponate zum mehrmaligen Verweilen einladen. Alle Ausstellungstafeln und Vitrinen dürfen auch fotografiert werden – und es liegen Liederhefte, Noten und umfangreiche Volksmusikbücher aus der Arbeit des ehemaligen Volksmusikarchivs des Bezirks Oberbayern zur kostenlosen Mitnahme, zum Weiterlesen und zur Vertiefung des Themas bereit.

Für den letzten Öffnungstag wurden die zur Mitnahme vorgesehenen Materialien nochmals ergänzt. Es wird empfohlen eine Tasche mitzubringen, denn die bisher bereitgelegten Papiertüten sind schon ausgegangen.

Im ersten Raum werden die Grundlagen der neuen Volksmusikpflege vor und nach dem Ersten Weltkrieg aufgezeigt, die für das Wirken von Fanderl wichtig waren: Die ältere Generation mit Kiem Pauli (1882 bis 1960) und Kurt Huber (1893 bis 1943), der 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde – im gleichen Jahr, als Fanderls erstes Liederbuch erschienen ist, das er wohl schon vor dem Kriegsbeginn 1939 fertiggestellt hatte.

Es geht auch um die in Wien ab 1899 erschienene Zeitschrift „Das deutsche Volkslied“, in der der Begriff des „echten“ Volksliedes eine tragende Rolle spielte. Dazu kommen die Zeitgenossen von Fanderl, etwa die Geschwister Schiefer aus Laufen, Hauptlehrer Kammerer aus Burghausen, der Roider Jackl aus der Holledau, Tobi Reiser in Salzburg und Annette Thoma in Riedering – und der 1924 beginnende Rundfunk als „Deutsche Stunde in Bayern“.

In den weiteren Räumen wird zum einen die Volksmusik in den 1930er-Jahren angesprochen, der Kulturbetrieb im Dritten Reich und Fanderl im Zweiten Weltkrieg – aber auch die weitgehend bewusst unabhängigen kleinen Singstunden und die Urlaubs-Singwochen, die der junge Fanderl, von Beruf Bader und Friseur, beispielsweise in Bergen und im Chiemgau veranstaltete. Dazu kam die für Oberbayern neue „alpenländische Dreistimmigkeit“ mit den ersten, über den Rundfunk bekannten Gruppen wie die „Aschauer Sängerinnen“ und die „Riederinger Sänger“.

Wesentlich für die Nachkriegszeit waren das Interesse von Rundfunk und Fernsehen an der Volksmusik, die gedruckte Verbreitung der Lieder durch Tageszeitungen und die von Fanderl ab 1958 zusammen mit Annette Thoma herausgegebene „Sänger- und Musikantenzeitung“. Deutschlandweit und auch in der DDR machte ab den 1960er-Jahren im Fernsehen die ARD-Reihe „Baierisches Bilder- und Notenbüchl, aufgeschlagen von Wastl Fanderl“ seine Sicht der Volksmusikpflege bekannt.

Ein neues Lebensgefühl
angestoßen

Was bleibt, was hat Fanderl angestoßen? Es entstand ein neues Lebensgefühl mit der Volksmusik! Ab 1973 konnte er als Volksmusikpfleger des Bezirks Oberbayern neue Akzente setzen, beispielsweise mit dem Singen in Schulen und Kindergärten – aber auch mit der Sammlung überlieferter Lieder, Melodien und Tänze, die auf seine Anregung hin im „Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern“ mündete.

Und es ist beachtlich, dass Fanderl in den 1980er-Jahren zu Beispiel die Volkslieder wieder in der regional üblichen Zweistimmigkeit favorisierte, die den Menschen ein einfaches und geselliges Singen ermöglichte. All das und viel mehr ist am kommenden Sonntag zu erleben, zu besichtigen und praktisch zu erfahren.

Schon um 11 Uhr öffnet die Ausstellung und lädt zu einem offenen Gesprächskreis über das ab 1932 in Oberbayern neu eingeführte dreistimmige Gruppensingen ein. Um 14 Uhr gibt es letztmalig eine Führung mit den Ausstellungsmachern – mit Blick „hinter die Kulissen“.

Um 15.30 Uhr heißt es dann „Das Schifflein schwingt sich dani vom Land“: Bis 18 Uhr können die Besucher Erinnerungen austauschen, etwa über die Singwochen, über das neue Lebensgefühl mit dem „Fanderl-Strick“ erzählen und aus den Fanderl-Liederbögen miteinander singen – bis es dann mit einem der bekanntesten Fanderl-Lieder heißt „Kimmt sche hoamli de Nacht, is mei Tagwerk vollbracht“.

Die Ausstellung wird abgebaut und als Wanderausstellung mit regionalem Bezug in Bergen/Chiemgau neu aufgebaut. Eröffnung ist am Sonntag, 7. Juni, um 11 Uhr in der Tourist-Info in der Ortsmitte.

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