Flintsbach – Wenn in Flintsbach wieder Theater gespielt wird, ist das mehr als nur der Beginn einer neuen Saison. Es ist jener Moment, in dem der Theaterstadl zu dem wird, wofür er da ist: ein Ort für Stimmen, Tempo, Gelächter, Gesang und jene leise Spannung, die nur entsteht, wenn ein Ensemble einen Stoff gefunden hat, der trägt. In diesem Jahr eröffnet das Volkstheater Flintsbach seine Spielzeit am Samstag, 13. Juni, mit Johann Nestroys Posse „Einen Jux will er sich machen“ – und setzt damit auf einen Klassiker, der auf den ersten Blick leicht wirkt, unter seiner glänzenden Oberfläche aber erstaunlich genaue Fragen stellt.
Abläufe
und Übergänge
Noch wird geprobt, gefeilt, zusammengesetzt. Auf der Bühne müssen Abläufe sitzen, Übergänge tragen, Pointen ihren richtigen Moment finden. Doch schon jetzt ist zu spüren, dass sich diese Inszenierung nicht auf bloßen Schwung verlassen will. Regie führt erneut Martin Obermair, der in Flintsbach in den vergangenen Jahren gezeigt hat, wie man klassische Stoffe so auf die Bühne bringt, dass sie weder ehrfürchtig erstarren noch künstlich verjüngt werden.
Nicht nebeneinander,
sondern miteinander
Seine Inszenierungen setzen auf Rhythmus, auf Genauigkeit und auf ein Ensemble, das nicht nebeneinander spielt, sondern miteinander. Produktionen wie „Die Teufelsbraut“ haben gezeigt, wie gut das in Flintsbach funktionieren kann.
Auch auf der Bühne vertraut das Volkstheater auf eingespielte Kräfte. Toni Obermair, Martin Obermair, Florian Wilhelm und Matthias Obermair stehen in den Hauptrollen – Darsteller also, die dem Publikum vertraut sind und seit Jahren für einen Stil stehen, der leicht wirkt, weil er präzise gearbeitet ist. Gerade das gehört zu den Qualitäten dieses Hauses: dass hier nicht der Effekt gesucht wird, sondern das richtige Maß. Dazu kommen musikalische Einlagen, die der Aufführung eine eigene Farbe geben und Nestroys Sprachwitz nicht überdecken, sondern begleiten.
Im Mittelpunkt steht der Handlungsdiener Weinberl, der aus seinem engen Alltag ausbrechen will. Einmal nicht gehorchen, einmal hinaus, einmal etwas erleben – aus diesem Wunsch heraus zieht er gemeinsam mit dem Gehilfen Christoph in die Stadt und gerät dort in eine Kette von Missverständnissen, Zufällen, Maskeraden und peinlich-komischen Begegnungen. Das ist, wie bei Nestroy fast immer, sehr lustig und sehr genau gebaut. Aber der Reiz des Stücks liegt nicht nur im Witz. „Einen Jux will er sich machen“ erzählt auch davon, wie schnell ein kleiner Traum von Freiheit ins Wanken gerät, sobald er Wirklichkeit werden könnte. Hinter der Komödie steckt eine feine Unruhe: die Frage, wie viel Aufbruch ein Mensch eigentlich aushält.
Noch immer
nicht alt
Vielleicht ist gerade das der Grund, warum dieses Stück auch fast zwei Jahrhunderte nach seiner Uraufführung noch immer nicht alt wirkt.
Dass Nestroy im Flintsbacher Theaterstadl gut aufgehoben ist, liegt nicht zuletzt an diesem Ort selbst. Das Volkstheater hat nie daraus bestanden, Klassiker ehrfürchtig vorzuführen. Es lebt davon, sie so zu spielen, dass sie wieder Gegenwart bekommen.
Der Stadl, die Nähe zwischen Bühne und Publikum, die sichtbare Sorgfalt, mit der hier Theater entsteht, geben einem Stück wie diesem genau den richtigen Rahmen. Nestroys Sprachwitz braucht keine große Geste; er lebt von Timing, von Tempo und von Figuren, die ernsthaft in ihre eigenen Verwicklungen geraten. Gerade deshalb passt er an ein Haus, das seine Stoffe nicht ausstellt, sondern spielt.
Hinzu kommt ein Flintsbacher Wiedererkennungseffekt: Mit Nestroy hat das Volkstheater hier bereits Erfahrung. Schon 1993 stand „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ auf dem Spielplan. Nun kehrt mit „Einen Jux will er sich machen“ erneut ein Stück des Wiener Dramatikers nach Flintsbach zurück. Dass solche Wiederbegegnungen lohnen, liegt an einer Qualität, die Nestroy bis heute auszeichnet: Sein Witz ist nie nur Effekt, sondern trägt stets auch einen ernsteren Unterton in sich.
Die öffentliche Generalprobe ist für Freitag, 12. Juni, angesetzt, die Premiere folgt am Samstag, 13. Juni. Danach wird bis Mitte August an zahlreichen Abenden gespielt; den Schlusspunkt setzt am Sonntag, 16. August, um 14 Uhr eine Nachmittagsvorstellung. Der Kartenvorverkauf hat online bereits unter www.volkstheater-flintsbach.de begonnen. Die Theaterkasse ist ab sofort Montag bis Freitag von 11 bis 13 Uhr besetzt und in dieser Zeit auch telefonisch unter 08034/8333 erreichbar.