Eingebungen und zweite Chancen

von Redaktion

Maximilian Brückner präsentiert in Mikes Kino in Prien den Film „Ein Münchner im Himmel“

Prien – „Und so wartet die bayerische Staatsregierung noch immer auf die göttlichen Eingebungen.“ Dieser Satz hat genau wie das launige „luhja, sog I“ einen ernormen Wiedererkennungsfaktor. Und doch schafft es Regisseur David Dietl, die fünfminütige Geschichte von Ludwig Thoma von 1911 in die Neuzeit zu versetzen und unterhaltsam, mit Augenzwinkern und charmanten Seitenhieben versehen 134 Minuten lang neu zu interpretieren.

David ist der Sohn von Helmut Dietl, jenem Regisseur, der dem München der 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahre mit unvergessenen TV-Serien ein Denkmal gesetzt hat. Und doch trägt der Film „Ein Münchner im Himmel. Der Tod ist erst der Anfang“ eine ganz eigene Handschrift. Und hat auch eine wichtige Botschaft: Es geht um die zweite Chance im Leben.

Bekannte Schauspieler
mit von der Partie

Der Bayer auf Stippvisite im Himmel (mit schlitzohrigem Charme gespielt von Maximilian Brückner) ist weniger Grantler als viel mehr Schlawiner. Auf Erden Taxifahrer und im Nebenberuf als Drogenkurier wurschtelt er sich als in Ungnade gefallener Vater und Ehemann mit langer gelockter Mähne und Lederhose durchs Leben. Auch die weiteren Mitwirkenden auf Erden lesen sich wie das „Who is who“ des bayerischen Films. So geht beispielsweise Michaela May als Wiggerls Schwiegermutter in ihrer Rolle als esoterische Isarkieselstein-Schamanin auf und Sigi Zimmerschied gibt famos den schmierigen, betrügerischen Taxiunternehmer- und Drogenbandenchef. Im Himmel wird österreichisch und/oder hochdeutsch mit nordrhein-westfälischem Einschlag gesprochen und Gott ist Göttin (wunderbar in dieser Rolle Ina Müller) – Wir sind ja in der Neuzeit.

Wiggerl wird also von Göttin zurück auf die Erde geschickt, mit einem Brief an die bayerischen Behörden und der Chance, seine auf Rot stehende Karma-Uhr auf Grün zu drehen. Wiggerl kann im Film durch Wände gehen und ist für die Lebenden unsichtbar, mit Ausnahme seiner Tochter (Momo Beier) und seines Vaters (Heiner Lauterbach), was daran liegen könnte, dass er mit beiden blutsverwandt ist oder dass er beiden im Leben entfremdet war. Achtung Spoiler: Schließlich wird er Schutzengel. Denn auch im Himmel herrscht Fachkräftemangel, hatte ja auch schon eingangs Petrus (Robert Palfrader) gesagt.

Eine Komödie fürwahr, ein augenzwinkerndes Spiel mit den Vorstellungen von Leben und Tod, ein treuherziges Spiel über Reue und Wiedergutmachung, und zugleich ein selbstironischer Blick auf die Münchner Lebensart. Auch wenn der Film im zweiten Teil etwas an Schwung verliert. Die Rollen sind bestens besetzt und Anfang und Ende des Films sind stimmig. Da wird eingangs ein Zitat von Karl Valentin eingeblendet: „Wer am Ende ist, kann von vorne anfangen, denn das Ende ist der Anfang von der anderen Seite“. Und zum Schluss sieht man die göttliche Botschaft in einem goldenen Umschlag die Isar runterfließen und eine Stimme aus dem Off sagt: „Und so wartet die bayerische Staatsregierung noch immer auf die göttlichen Eingebungen.“

Maximilian Brückner:
„Das war recht zach“

Nach dem Film kam Hauptdarsteller Maximilian Brückner auf die Bühne. Drehbuchautorin, Dramaturgin und Regisseurin Claudia Schneider moderierte die Fragen aus dem Publikum. Wie hat er sich auf die Rolle als Geist auf Erden vorbereitet und wie hat er den Dreh erlebt? Barfuß und mit Langhaarperücke durch München war gewöhnungsbedürftig, erzählte Brückner freimütig. Genau wie sein späteres Ich als Geist: „Das war recht zach.“ Man habe ihn komplett ignoriert. Und dass er immer mal mit der Hannah Herzsprung (im Film seine Partnerin) drehen wollte, und dann war es soweit, „aber im Film reden wir eigentlich gar nicht miteinander“.

Beim Surfen im Eisbach musste er sich doubeln lassen: „Das Föhnen der Haare hätte zu lang gedauert.“ Der Himmel wurde im Naturhistorischen Museum in Wien gedreht, verrät er noch. Und dass er ähnlich wie sein Alter ego Wiggerl denkt: „Scheiß da nix, dann feit da nix.“ Er findet, dass es ein schöner, runder Film mit viel bayerischem Humor („den muss man halt verstehen!“) und Tiefgang geworden sei. Die Zuschauer auch, wie der lange Applaus zeigt. Und was hält er von einer zweiten Chance im Leben? „Schee waars scho…“

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