Orgelspiel voller Aufruhr und Ruhe

von Redaktion

Mit 14 Jahren ist Juliane Maier die bislang jüngste Organistin beim Kolbermoorer Orgelmittwoch

Kolbermoor – Sonst sitzen auf der Orgelbank der Pfarrkirche Wiederkunft Christi immer gestandene Orgelprofessoren und Organisten europäischer Kathedralen. Diesmal saß beim monatlichen Orgelmittwoch eine 14-jährige Schülerin des Ignaz-Günther-Gymnasiums, bereits Jungstudentin in München und oftmalige Gewinnerin beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Juliane Maier heißt sie, wohnt in Bad Aibling und ist die Tochter der Organistin Maori Kune-Maier und des Akkordeonprofessors Hans Maier.

Da können sich Erwachsene eine Scheibe abschneiden: Redegewandt, wohlformulierend und anschaulich stellte sie die Werke vor: Bachs Präludium und Fuge c-Moll BWV 546 beginne „wie ein Paukenschlag“, das Fugenthema sei „wie ein Staffellauf“, die Pastorale op. 59/2 von Max Reger sei „wie eine einsame Sommerwiese“, Olivier Messiaen sei ein Synästhetiker und habe Vogelgezwitscher eingebaut in „Le vent de l‘Esprit“ aus der „Messe de la Pentecôte“ und Felix Mendelssohn Bartholdy habe „die Orgel wieder aus dem Dornröschenschlaf nach Bach geweckt.“ Geschickt hatte sie das Programm zeitlich terminiert und inhaltlich konzipiert: als Abfolge von Aufruhr und Ruhe.

Und so aufgeweckt, so jugendlich voranstürmend und munter-frisch spielte Juliane Maier auch, dabei so selbstverständlich virtuos und sicher, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Das hochexplosive Pathos in Bachs Präludium mit Akkordschlägen, Seufzermotivik, Triolenbewegung und chromatischem Gang wurde unter ihren Händen zu einem logisch folgerichtigen Sog mit machtvollen Orgelpunkten, die Fuge kam mit Schwung, als sei die Organistin selber feurig mitgerissen von solch musikalisch-mathematischer Konsequenz.

Den Schweller benützte Juliane Maier in Regers „Pastorale“ eifrig, um die „einsame Sommerwiese“ dynamisch zu beleben, der jugendliche Schwung vermied die Gefahr, sich in der pastoralen Idyllik zu verlieren. In Messiaens „Le vent de l’Esprit“ tobte und brauste der Sturm des Heiligen Geistes aufs Heftigste, der Lerchen-Chor zwitscherte, die Organistin kniete sich genüsslich hinein in die hellgrell-dissonanten Klänge – und die enormen technischen Schwierigkeiten dieser Partitur ohne Taktangaben schienen ihr überhaupt keine zu sein.

Im Andante der Orgelsonate von Mendelssohn Bartholdy ließ Juliane Maier das wie ein Pizzicato wirkende Basspedal ganz samtzart hüpfen und betonte so den Scherzo-Charakter, mit feurigem Ungestüm zeichnete sie darauf im Allegro maestoso wirkungsvoll die leicht pathetische melodische Gestik nach.

Mehrfacher Zwischenapplaus belohnte die junge Organistin, den nicht enden wollenden Schlussapplaus belohnte sie mit einer kurzen Choralbearbeitung von Ernst Pepping, in gotischer Strenge vorgetragen, und bedankte sich artig mit anmutigen Verbeugungen.

Rainer W. Janka

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