Feldkirchen-Westerham – In der Pfingst-Ausgabe des Mangfall-Boten ließ ein Artikel aufhorchen, der einen namenkundlichen Vorgang beschrieb, wie er nicht selten auch in dieser Ortsnamen-Serie immer wieder einmal thematisiert worden ist: die gezielte Umbenennung eines Orts- oder Flurnamens.
Was war passiert? In der Gemeinde Feldkirchen-Westerham wurde kürzlich ein neues Gewerbegebiet ausgewiesen. Es liegt, so hieß es im betreffenden Artikel, „am westlichen Ortsausgang von Großhöhenrain, ist rund 3.000 Quadratmeter groß und kann von der Kreisstraße aus Richtung Laus gut angefahren werden“. Aber: Es blieb ein Problem übrig: Es „musste ein Name für die Erschließungsstraße gefunden werden“. Gesagt, getan. Die Verwaltung hatte sich auf die Bezeichnung „Estermannfeld“ geeinigt. Begründung: Dieser Flurname konnte dem dort vorliegenden Kataster entnommen werden.
Kein Problem mehr? Doch, schon, und zwar aus zwei Gründen: Der Vorbesitzer der Fläche des neuen „Gewerbegebiets Höhenrain“ hieß Osterhuber, also nicht etwa „Esterhuber“. Zum andern wäre der Name „Estermannfeld“ beziehungsweise „Estermannfeldstraße“ arg lang geraten. So entschied der neu gewählte Gemeinderat aus praktischen – Länge des Namens – und aus pietätvollen Gründen – Name des Vorbesitzers –, die Bezeichnung „Osterfeld“ beziehungsweise „Osterfeldstraße“ zu wählen. Vom Standpunkt der Ortsnamenforschung: Ein Eigentor oder ein perfekter Schachzug? Auf Letzteres könnte ein Vergleich mit dem Namen der Ortschaft Esterndorf in der Gemeinde Holzolling, Landkreis Miesbach hinweisen.
Wie es im Codex Falkensteinensis, dem einzig erhaltenen Besitzübergabebuch einer weltlichen Herrschaft, nämlich der Grafschaft von Neuburg-Falkenstein, unter Kapitel 153 beschrieben worden ist, durfte Graf Siboto IV. von Neuburg-Falkenstein nach längerem Streit mit dem Erzbischof Konrad III. von Salzburg seinen Besitz in Esterndorf behalten. Und jetzt kommt beziehungsweise käme die sprachliche Rechtfertigung für den Feldkirchner-Westerhamer Gemeinderat, „Ester“ in „Oster“ umzubenennen: Esterndorf hieß im 12. Jahrhundert Osterndorf! Daneben aber auch „Osterendorf“, „Ostindorf“, „Ostirndorf“.
Das i in Ostirndorf war verantwortlich für die Umlautung des O zum E. Resultat: „Das östlich gelegene Dorf“. War dann, um zu unserem Ausgangspunkt zurückzukehren, das Estermannfeld das Feld eines Mannes, der östlich von Ort XY wohnte? Wohl kaum. Denn: Die Himmelsrichtung Osten ist im Ester-mann-feld sprachlich eher nicht nachzuweisen. Viel wahrscheinlicher sind hierzu die Erläuterungen, die wir dem Ortsnamenforscher Professor Karl Finsterwalder, einem gebürtigen Rosenheimer und Forscher an der Universität Innsbruck, verdanken. Finsterwalder bringt sowohl für den Namen Esterhammer als auch für den Namen Estermann ein Tor, genannt Ester, ins Spiel.
Dieses habe „Eztor“geheißen und sei das „Tor vom Saatfelde zur Trate“ gewesen. Die Trate, so Finsterwalder, sei die „Brache; dem Vieh zum Betreten, zur Weide überlassener Teil der Dorfflur“ gewesen. Der Esterer oder Estermann war der Hüter des „Eztors“ oder auch „Esbansthors“, gekürzt „Eschthors“.
Mehr Informationen hierzu in der nächsten Folge – nicht nur zum Nutzen des Gemeinderats Feldkirchen- Westerham. höa