Rätselhafte Titel verschleiern Bildinhalte

von Redaktion

Kunstverein Bad Aibling zeigt bis 21. Juni 46 Werke des Malers Elmar Ludwig

Bad Aibling – Elmar Ludwig, mit dem selbst gewählten Künstlernamen ONOK, gibt all seinen Bildern Titel, denn das häufig verwendete „o.T.“ schätzt er nicht. Seine Titel aber beabsichtigen, dass sie den Bildinhalt mehr verschleiern als erklären.

Warum heißt eine Arbeit, die einen Schwarm Vögel, eine fliegende, unbekleidete Frau und eine Zielscheibe in der Luft zeigt, „Halali“, oder eine merkwürdige Szene mit Frau im knappsten Bikini und vier livrierten Herren mit weißen Handschuhen „tutt‘a posto“, was soviel wie „alles in Ordnung“ bedeutet?

Dazu kommt, dass prächtige Lüster durch den bewölkten Himmel fliegen, wobei sich ein Mann mit roten Hosen an einen der Lüster klammert. Ist das „tutt’a posto“? Ein im Wald vor sich hinrottender Borgward nennt sich „Vanitas“ und erinnert an seine besseren Tage. Ein erwachsener Mann sitzt auf einem Kinderstuhl, auf dem er an schroffen Felsen vorbei durch den bewölkten Himmel fliegt.

Bedroht wird er einerseits von scharfkantigem Gestein, andererseits von einem sich auf ihn senkenden Adler. Die schwarz-weiß karierte Flagge in seiner Hand bringt ihn seinem Ziel nicht näher. „Wehe, wehe“ lautet der Titel des Werkes. Es ist eine surreale Welt, in die uns der Maler entführt, nichts ist begreiflich und doch nicht fremd, so als hätten wir alles in unseren Träumen schon einmal gesehen. Oder kennen wir die Inhalte aus Büchern, so wie die Geschichte vom Knaben Robert aus dem Struwwelpeter, der mit aufgespanntem Schirm einen Schritt ins Leere tut? In einem Bild von Ludwig wird ebendieser Schritt ins Leere getan, allerdings von einer Dame in engem Kleid, und ein unglücklicher Retter scheitert daran, dass der Zeiger der Turmuhr, auf den er steigt, abknickt und den Retter selbst in Gefahr bringt. Immer wieder tauchen unbekleidete Menschen auf, eine überbordende Erotik bestimmt das Konzept von Elmar Ludwig. Das erklärt er mit für seinen Werdegang bestimmender Literatur, zum Beispiel mit dem Werk des Psychologen Wilhelm Reich, das in Ludwigs jungen Jahren gelesen wurde.

Malen kann er auf alle Fälle. Seine Flächen in Acryl auf Leinwand sind makellos, Gesichter und Figuren auch in kleinster Ausführung mit feinem Pinselstrich gut getroffen. Er hat Anfang der Siebzigerjahre eine Ausbildung an der Fachoberschule für Gestaltung absolviert, außerdem noch vier Semester Gebrauchsgrafik studiert. 46 Bilder hängen an den Wänden der Galerie, dazu kommen konkrete Bilder, nur aus Farbe und geometrischen Formen bestehend, die in einer Nische aufgebaut sind. Eine Schaffensperiode, wie Elmar Ludwig erläutert.

Noch erwähnt werden sollte der „Mönch“, eine Reminiszenz an Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer“. Das Werk von Ludwig, in kräftigem Blau gestaltet, zeigt eine kleine Gestalt oben im Bild – ausgestiegen aus dem Alltag. Weit unten erstreckt sich der Strand in bewegten Formen.

Die Ausstellung dauert bis zum 21. Juni, Öffnungszeiten sind Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr, im Kunstverein Bad Aibling, Irlachstraße. 5, Bad Aibling, E-Mail: kontakt@kunstverein-bad-aibling.de.

Ute Bößwetter

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