Prien – Seit dem 21. Mai sind drei „Starke Frauen“ im Museum Prien zu sehen. Gezeigt werden Bilder von Hermine Tomanek (1923 bis 1995) und Skulpturen von Marianne Lüdicke (1919 bis 2012). Im Obergeschoss wird Sylvia Roubaud anlässlich ihres 85. Geburtstags eine Studioausstellung gewidmet, die Exponate ihrer abstrakten Malerei zeigt.
Die Werke von Hermine Tomanek sind eher unbekannt. Zu Lebzeiten war sie zwar in der jährlichen Ausstellung „Künstlerlandschaft Chiemsee“ zu sehen, allerdings nur mit ihren Druckgrafiken. Die eher zurückhaltende Künstlerin hielt ihre wundervollen Malereien im Hintergrund. Erst nach ihrem Tod und mit der Übergabe des Nachlasses mit 300 Arbeiten an den Markt Prien wurde ihr großes Talent öffentlich. Ausgebildet wurde sie in einer privaten Münchner Malschule, wo sie vor allem ihr Aktzeichen perfektionierte.
Ihre aus den 50er- und 60er-Jahren stammenden Bilder sind für die damalige Zeit modern und zeigen eine heile Welt, die sie so nie erlebt hat. Die stille und introvertierte Frau hatte ein schweres Leben, das sie vielleicht mit ihrer heimeligen Welt „übertünchen“ und für sich mit ihrer Kunst eine Gegenwelt schaffen wollte. So beispielsweise der „Schaufensterbummel“ (Nr. 12) oder die Gemälde aus dem Eichental (Nr. 15) und im Park (31, 32). Dabei setzte sie Farben teils gewagt ein, wie bei „Die Parkbank“ (6), in der sie die Farbe Rot in die Bäume legt. In ihren Stillleben mit Trauben und Fisch (7, 8) experimentiert sie mit Collagen und fügt Zeitungen ins Bild. Faszinierend, wie sie „frech“ farbenfrohe Bilder schafft, wie im beeindruckenden „Am Mühlbach“ (Nr. 23), wie sie „Im Eichental“ (22) Licht durch den Wald durchdringen lässt oder wie sie das „Eichental“ (25) nahezu ausschließlich in Grüntönen malt. Für den Museumsleiter Karl. J. Aß zeigt dieses „künstlerisch perfekte“ Bild ihr großes Talent. Modern mit angedeuteten Personen präsentiert sie „In Stock-Prien“ (21) oder mit Anschnitten die „Akrobaten in Prien“ (47). Ihre Vielseitigkeit entdeckt man im dritten Raum, wo sie in sieben Karikaturen Persönlichkeiten wie die „Dame von Welt“ oder „Intellektuelle“ mit feinem Humor nachzeichnet. Mit subtilem Witz zeigt sie „Die Badenden“ (41).
Im Gegenzug dazu sind die Arbeiten von Marianne Lüdicke bekannt. Auch sie blickte auf ein schweres Leben zurück, doch hatte sie die Standfestigkeit, ihre Meinung offen darzulegen – auch oder gerade als Mitglied der Jury der jährlichen „Künstlerlandschaft Chiemsee“. Die gebürtige Frankfurterin kam über den Mallehrer Wilhelm Georg Maxon in den Chiemgau. Sie gestaltete unter anderem dessen Maxon-Kapelle bei Weisham nahe Bernau mit aus. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt ihrer Arbeiten, auch Objekte, die sie – aus finanziellen Gründen – zunächst aus Zement gefertigt hat.
Im Obergeschoss finden sich 23 Gemälde von Sylvia Roubaud, die sie „Gaps“, als Zwischenräume, tituliert, in kleinen Formaten in Gegenzug zu ihren größeren Arbeiten. Ihr „Afrika“ (2) ist analog den dortigen Temperaturen in Braun- und Gelbtönen gehalten. Wichtig ist der Künstlerin, dass ihre Werke einen „Durchblick“ besitzen, „eine Hoffnung, dass es weitergeht, dass es einen Blick in die Ferne gibt“. Vielleicht spiele dabei ihre Sehnsucht nach der Wärme, nach dem Süden eine Rolle, so Sylvia Roubaud. Die Enkelin des bekannten Schlachtenmalers Franz Roubaud wuchs in dessen Villa in Rimsting-Hochstätt auf. Sie bezeichnet diese Zeit als „paradiesisch“. Weshalb sie dem Chiemgau stets sehr verbunden war und nun in Prien ihr Atelier und ihren Wohnsitz hat. Ihre Liebe gilt auch Italien, dort hat sie ihre Ausbildung – neben dem Kunststudium in München – in Venedig absolviert. „Ich brauche Licht, weshalb auch in meinen Werken immer etwas Helles durchblickt.“ Dies variiert sie, mal blitzt das Licht „hinten“ durch, mal erscheint das Helle im Vordergrund wie bei „Im Gegenlicht“ (1). Ihr Spiel mit den Ebenen und Schichten zeigt sich auch in „Transparenz III und V“ (3, 4), in denen sie die Farbe mit dem Spachtel wieder wegnimmt und die darunterliegende Farbe offenlegt, in unterschiedlicher Intensität, je nach Druck – was sie als Bewegung oder Rhythmus assoziiert.
Während Nr. 3 typisch für diese Serien sei, stelle sie bei Nr. 4 die Helligkeit entgegengesetzt nach vorne. Bei den Nummern 6, 7 und 17 spürt man in den verschiedenen Blautönen die Spiegelungen von Wasser und Licht, letztlich ihre Sehnsucht zum Meer in Farben, die sie darüber hinweg „in den Himmel“ blicken lassen“ – und damit in die Ferne bis in die Unendlichkeit. Einen Einblick in ihre Techniken eröffnet die Künstlerin Interessierten am Samstag, 20. Juni, um 15.30 Uhr. Die Ausstellung läuft noch bis 5. Juli.
Petra Wagner