Blue Note, Birdland, Le Pirate

von Redaktion

Samerberger Jazz-Ensemble spielt in „Allstar-Besetzung“ legendäre Alben nach

Rosenheim – Rund um den legendären New Yorker Jazzclub Birdland drehen sich viele Anekdoten, manche um den legendären Ansager des Clubs: Pee Wee Marquette. Dieser knapp 1,20 Meter große Zeremonienmeister mit seinen maßgeschneiderte Anzügen und riesigen Zigarren hatte ein ganz eigenes Geschäftsmodell entwickelt: Er verlangte von den Musikern Geld, um ihre Namen auf der Bühne richtig auszusprechen. Je nachdem gab es dann enthusiastische Ansagen oder sprachliche Verstümmelungen.

Edle Besetzung rund
um Drummer Michael Keul

Dem sonst so sanftmütigen Count Basie reichte es irgendwann so sehr, dass er Marquette kurzerhand im Club hochhob und ihn auf einem Zigarettenautomaten absetzte, wo der kleine Ansager wütend zappelnd festsaß.

Ganz so wild ging es beim inzwischen 92. Konzert der edel besetzten „Samerberger“ rund um Drummer Michael Keul im restlos ausverkauften „Le Pirate“ nicht zu. Dafür spielte die „Allstar-Band“ ein Themenkonzert und nahm sich hierfür die legendären Aufnahmen von Art Blakey vor, der 1954 im Birdland Könner aus dem „Blue Note“ – Label um sich versammelt hatte für Liveaufnahmen. Die Mitschnitte aus dem Jahr 1954 gelten heute als Meilensteine der Jazzgeschichte und markieren einen entscheidenden Moment in der Entwicklung des modernen Jazz. Die „hiesige“ Besetzung konnte sich sehen und hören lassen. Am Piano gastierte „Mr Bebop“ Claus Raible, am Saxofon Florian Trübsbach und am Bass Rafal de Souza aus Brasilia. Last but not least Claus Reichstaller an Trompete und Flügelhorn – er leitet das Jazzinstitut der Münchner Hochschule und zählt zu den führenden Trompetern in Deutschland.

Von Beginn an faszinierte der Sound des Quintetts die Gäste im kleinen Club. Von Beginn an gesunde Power mit Soli der Bläser, dann eine Rhythmusrunde und erneut die bebop-typischen Bläser. Reichstaller brillierte in der zarten Ballade „Once in a while“ mit feinen Phrasierungen am Flügelhorn, ein schöner Kontrast zum turbulenten Eingangsstück. Die Nummer „Quicksilver“ bot dann alles, was Bebop ausmacht: Rasantes Tempo, Bläser im Wechsel und einem sensationellen Übergang von Raibles fliegendem Tastenzauber hin zu Keuls dynamischen Drums – große Klasse und mit Extraapplaus gewürdigt.

Bei den „Samerbergern“ gibt es immer Jazz-Historie und Quizfragen, Reichstaller kündigte gar eine Abschlussprüfung für die Gäste an.

Die Alben von Art Blakey bergen so einige Klassiker wie auch das Stück „Night in Tunisia“ von Dizzy Gillespie – brodelnde Atmosphäre und ein mitreißendes Solo von Saxofonist Trübsbach prägten das Geschehen, ebenso wie die „Confirmation“ von Charlie Parker mit einer langen Bass-Passage von de Souza.

Ende mit einer
Bluesnummer

Nach über zweieinhalb Stunden reiner Spielzeit voller Energie und Enthusiasmus, Anekdoten und guter Stimmung im „Jazzwohnzimmer“ beendete das Quintett ein denkwürdiges Themenkonzert mit einer Bluesnummer. Kleiner Ausblick: Pianist Claus Raible wirkt beim Jazzfestival des „Pirate“ mit, diesmal hoffentlich wieder Open-Air gleich gegenüber des Clubs in der Fußgängerzone.

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