Von Carmen bis Corvus Corax

von Redaktion

Die Schlosskonzerte Amerang setzen auf Vielfalt statt Schubladen

Amerang – Ein breites musikalisches Spektrum kennzeichnet die Schlosskonzerte Amerang, die von 27. Juni bis 9. August im intimen Rahmen des RenaissanceArkadenhofs stattfinden. Kaum eine Musikrichtung, die hier nicht vertreten ist: Die Grassauer Blechbläser vereinen Klassisches von Wagner bis Koetsier, die Salzburger Mozartsolisten spielen Kammermusik von Mozart und Beethoven und das Ensemble Clemente lässt den Barock aufleben mit Werken von Bach, Vivaldi und Telemann und Corvus Corax, die „Könige der Spielleute“, entführen mit Dudelsack und Schalmeien ins Mittelalter.

Ganz ohne Instrumente, nämlich a Cappella, fühlen sich die Augsburger Vokalisten Cash-N-Go in Jazz, Soul, Rock, Pop und R&B daheim. Tribute-Shows feiern das musikalische Erbe der Beatles, den psychedelischen Sound von Pink Floyd und den poetischen Folk Rock von Simon & Garfunkel. Das junge Quartett Maxjoseph verbindet Volksmusik mit Jazz, Klassik und Weltmusik. Sebastian Horn (Dreiviertelblut, Bananafishbones), Josef Brustmann (Bairisch Diatonischer Jodelwahnsinn) und Florian Schäfer (Exclusive) präsentieren schließlich eine eigene Gattung, den „Indie-Isar-Dreigesang“. Das Trio Wildes Holz rockt mit Blockflöte, Gitarre und Kontrabass quer durch alle Genres, von Klassik bis Elektro Pop.

Einen Vorgeschmack auf die bevorstehende Opernsaison auf Schloss Amerang geben schon seit 7. Juni Sonntagskonzerte im Pavillon. Vier große Werke markieren die Festspiele heuer: Bizets „Carmen“ (Premiere am 28. Juni), Verdis „Rigoletto“, Rossinis Komische Oper „Il Barbiere di Siviglia“ und – als Familienvorstellung – Mozarts „Zauberflöte“.

In seinem Programm setzt Schlossherr und Veranstalter Ortholf von Crailsheim gerne auf Bewährtes. Viele Künstler sind zum wiederholten Mal mit dabei. Und doch liegt es von Crailsheim am Herzen, neuartige Formate zu integrieren. Im Gespräch erläutert der Baron die Neuerungen der Saison 2026.

In der „Großen Operettengala bei Prinz Orlofsky“ geben Sie einem über lange Zeit verpöntem Genre eine Bühne. Wie kommt das? Und was hat es mit dem Prinzen auf sich?

Die Operette war lange unterschätzt, dabei ist sie musikalisch raffiniert, geistreich und voller Theaterlust. Ingo Kolonerics hatte die schöne Idee, dieses Genre in einer Gala neu zum Leuchten zu bringen – ganz im Sinne jenes legendären Abends in der Met in den 90ern, die den Ball des Prinzen Orlofsky als Rahmen nutzte. Orlofsky ist dafür die Idealfigur: ein Gastgeber aus der „Fledermaus“, bei dem die Masken fallen, die Kunst gefeiert werden darf und bis zum hellen Morgen getanzt wird.

Ein weiteres Novum im Programm ist „Hollywood goes Opera“. Was verbirgt sich hinter diesem Titel?

Hinter dem Titel „Hollywood goes Opera“ verbirgt sich ein bewusstes Crossover, das Ingo Kolonerics für Amerang angestoßen hat. Klassische Oper trifft dabei auf Pop und die große Klangwelt Hollywoods – nicht als Gag, sondern als musikalisch ernst gemeinter Brückenschlag. Unsere Solisten und das Sinfonieorchester zeigen, wie vertraute Film- und Popmelodien im Opernklang eine ganz neue Größe entfalten. Kurz gesagt: Der Titel ist Programm – ein Abend ohne Schubladen, aber mit viel Atmosphäre im Arkadenhof.

Die französische Oper „Carmen“ und der italienische „Barbiere di Siviglia“ spielen beide im spanischen Sevilla. Das ist aber schon die einzige Gemeinsamkeit, oder?

Da muss ich Sie enttäuschen — beziehungsweise, ich tue es mit Vergnügen. Sevilla ist eher der kleinste gemeinsame Nenner.

In Wahrheit stammen beide Stücke aus französischer Feder: Mérimée hat die „Carmen“ als Novelle erfunden, Beaumarchais den „Barbier“ als Komödie.

Zwei Franzosen träumen sich ihr Spanien zusammen, ein Italiener und ein Franzose vertonen es — und wir spielen das Ganze dann in Oberbayern.

Georg Maiers Iberl Bühne ist mit „Bauernschach“ seit langem wieder im Schloss zu erleben. Was schätzen Sie an dieser Münchner Bühne?

An der Iberl Bühne schätze ich, dass sie bayerisches Volkstheater nicht ausstellt wie ein Museumsstück, sondern leben lässt: direkt, gescheit, derb genug, aber nie billig.

Georg Maier hat da eine Handschrift geschaffen, die Raphaela Maier mit viel Herz und Haltung weiterträgt.

Das ist kein Trachtenkitsch, sondern Theater mit Boden unter den Füßen und einem sehr wachen Blick auf die Menschen. Und wenn so eine Bühne in unseren Arkadenhof kommt, dann merkt man: Renaissance und Volkstheater passen in Bayern erstaunlich gut zusammen.

Das ganze Programm der Schlosskonzerte findet sich auf www.schlossamerang.de.

Angela Pillatzki

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