Rosenheim – Herzschlangen aus Beton und Fensterzeichnungen begrüßten die Gäste bei der Ausstellungseröffnung in den Stadtwerken am Mühlbachbogen. Es sind Werke des aktuellen Kulturpreisträgers des Landkreises Rosenheim, Christian Heß. In einer Kooperation der Stadtwerke und der Städtischen Galerie kommen regelmäßig in dem Verwaltungsgebäude regionale Künstler zum Zug, beim Besuch kann man einen Blick von der Dachterrasse auf Rosenheim werfen.
Heß ist gelernter Holzbildhauer und hat an der Akademie der Bildenden Künste in München Schwerpunkt Bildhauerei studiert. Während der Landesgartenschau in Rosenheim zeigte er eine spektakuläre Performance und überquerte den Inn gekleidet im Frack als Wasserwanderer in einer schwimmenden Holztrommel. In den Stadtwerken ist sein „Zeichenwagerl“ zu sehen, welches er auf anderen Aktionen eingesetzt hatte, als Unterbau für Zeichnungen vor Ort und im Rahmen von Wanderungen.
Im Kunstgespräch mit Galerieleiterin Monika Hauser ging es dann auch um die Deutung des Ausstellungstitels. „Horizont“ sei eine Würdigung seiner Wohnumgebung in Ullerting, von der aus er den Panoramablick in die Berge genießen könne. Und „Wege“ seien bestimmend für seine Arbeit: „Wie lege ich diese Wege zurück, schnell oder langsam“, aber gerne und oft in Bewegung. Die in den Zeichnungen sehr filigran aneinandergereihten Kästchen hätten sich im Studium als „Systemzeichnungen“ entwickelt. Anders als bei einer reinen Linie zwängen die Kästchen beim Zeichnen zu einer bewussten Langsamkeit. Die Tuschefarbe „Rot“ sorge für einen guten Kontrast und sei nicht so hart wie Schwarz. Mal seien die Linien geplant, mal entwickelten sie sich einfach aus dem kreativen Prozess heraus.
Hauser wies darauf hin, dass ja auch die im Treppenhaus ausgestellten Skulpturen schlangenförmig seien und kam auf das Material zu sprechen. Heß erklärte, er habe im Studium mit Keramik begonnen, was jedoch ein schwieriges und auch teureres Material sei. Beton sei einfach widerstandsfähig auch für Präsentationen im Freien und noch einigermaßen günstig im Vergleich – auch und vor allem Künstler müssen eben aufs Geld schauen. Derzeit arbeitet Heß an einer Skulptur für „Kunst an der Isar“ in Landshut, eine Skulptur stehe bereits halb fertig bei ihm im Garten.
Auch ein „umbauter Raum“, also Leerräume in einer Plastik gehörten zum Kunstwerk dazu, so Hauser und Heß in Übereinstimmung. Wer also in die Räume findet, kann sich die verschlungenen Wege „Von Ullerting nach Rosenheim“ als Tuschzeichnung auf Bütten ansehen, oder findet Gefallen an der dreiteiligen Skulptur „Hochries, Heuberg, Wendelstein“ – die Werke kann man erwerben!
Die Ausstellung ist „halböffentlich“: am 25. Juni ab 17 Uhr und am 22. Juli auch ab 17 Uhr gibt es weitere Termine in Anwesenheit des Künstlers. Man kann auch am Mühlbachbogen 5 zu den Büroöffnungszeiten bei „Marketing“ klingeln und wird dann zur Besichtigung eingelassen. Andreas Friedrich