Bruckmühl – Volkslieder aus dem Burgenland haben seit den 1950er-Jahren in Oberbayern eine neue Heimat gefunden – eine musikalische Liedverwandtschaft, der Eva Bruckner und Ernst Schusser am Mittwoch, 17. Juni um 19 Uhr mit einem Sing- und Informationsabend im Büro des Fördervereins Volksmusik Oberbayern in Bruckmühl, Pfarrweg 11, nachgehen. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 08062/ 8078307 oder per E-Mail an ernst.schusser@heimatpfleger.bayern.
Der Hintergrund reicht weit zurück: Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg und seinen Greueln waren in der oberbayerischen Volksliedpflege viele neue Lieder gefragt. Der Missbrauch der Volkslieder durch die nationalsozialistische Kulturpolitik hatte auch Prof. Dr. Kurt Huber in München dazu gebracht, sich von offiziellen Vorgaben abzuwenden – eine Haltung, die ihn den Studenten der Weißen Rose näherbrachte, mit denen er 1943 gefangen genommen, verurteilt und hingerichtet wurde.
Die vergleichende Volksliedforschung hatte bereits früh begonnen: 1899 erschien in Wien die Zeitschrift „Das Deutsche Volkslied“, 1914 wurde in Freiburg das Deutsche Volksliedarchiv gegründet.
Ab den 1950er-Jahren richteten Volksliedpfleger wie Kurt Becher vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege und Wastl Fanderl ihren Blick auf Sammlungen aus dem Burgenland, die ihnen Karl und Grete Horak näherbrachten. Die beiden Wiener Forscher hatten dort bereits in den 1920er-Jahren Lieder aufgezeichnet. Eine entscheidende Rolle spielte dabei auch die von Kiem Pauli nach Vorbildern aus dem niederösterreichischen Schneeberggebiet eingeführte dreistimmige Singweise der Volksliedgruppe.
Auf Basis einer burgenländischen Schnaderhüpflweise – vorgesungen 1930 von Frau Domschitz in Mattersburg/Burgenland – gestaltete Wastl Fanderl eines seiner bekanntesten Lieder für Männergesang, das spätestens in den 1980er-Jahren allgemein bekannt wurde. Die Originalweise lautet: „Hintn bei der Stadltür / sitzt an alter Muskatier, / spielt auf seiner Baßgeign auf, / hat kan Soatn drauf. / D‘ Frau macht a trutzigs Gsicht, / wann’s Mensch a Heferl bricht, / is das an Eselslärm / weg’n so an Scherm!“
Auch das Totenwacht-Lied „Jetzt muß ich aus mein Haus“ fand seit den 1950er- Jahren eine neue Heimat in Oberbayern und erklingt heute bei Beerdigungen und im Trauergottesdienst. Karl Horak veröffentlichte 1972 im Jahrbuch des österreichischen Volksliedwerkes vielstrophige Wallfahrtslieder aus der Gemeinde Pamhagen im burgenländischen Seewinkel, darunter ein Morgenlied zu Jesu: „Im Namen Jesus / will ich aufstehen, / im Namen Jesu / fang ich an zu gehen. / Gelobt sei Jesu Christ, / der in mein Herzen ist, / gelobt sei Jesu in Ewigkeit.“
Kurt Becher führte dieses Volkslied bei Volksmusikwochen in ganz Bayern neu ein; seit 1980 wurde es bei den Fortbildungstagen „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch“ im Bildungswerk Rosenheim verbreitet. Weitere heute in Oberbayern gesungene Volkslieder mit Bezügen zum Burgenland sind unter anderem „Der güldene Rosenkranz“, der bereits Mitte des 17. Jahrhunderts von Pater Werlin in Kloster Seeon aufgezeichnet wurde, sowie das Wildschützenlied „Das Jagen, das ist ja mein Leben“, das Franz von Kobell im 19. Jahrhundert durch das Weglassen einiger Strophen zu einem „braven“ Jägerlied umgestaltete.
Weitere Veranstaltungen im Überblick: Am Montag, 15. Juni, finden in der Volksmusikausstellung in Bergen/Chiemgau (Tourist-Info) eine Führung um 18 Uhr sowie eine Filmvorführung um 19 Uhr zum Thema „Baierisches Bilder- und Notenbüchl aufgeschlagen von Wastl Fanderl“ statt. Ebenfalls am Mittwoch, 17. Juni, lädt Angelika Weber um 19.30 Uhr zum Singen und Musizieren ins Trachtenheim Feldkirchen-Westerham ein. Am Donnerstag, 18. Juni folgen in Bergen/Chiemgau erneut eine Führung um 18 Uhr sowie offenes Singen mit dem Singkreis Bergen um 19 Uhr. Am Sonntag, 21. Juni findet ab 6 Uhr das „Maxlrainer Morgentanzl“ mit der Aichacher Bauernmusi im Bräustüberl in Maxlrain bei Bad Aibling statt. Am Montag, 22. Juni ist Margit Schwarz ab 19 Uhr zu Gast im Büro des Fördervereins Volksmusik in Bruckmühl, Pfarrweg 11 (Anmeldung unter 08062/8078307). Den Abschluss bildet am Mittwoch, 24. Juni das „Singen am See“ der Kreisvolksmusikpflege Rosenheim mit Eva Bruckner und Ernst Schusser um 19 Uhr bei Schloss Hartmannsberg bei Hemhof (Markt Bad Endorf) – bei jedem Wetter. Ernst Schusser