Die Sopranistin Marlies Petersen ist beim Auftaktkonzert zu hören. Foto re
Joolz Gale dirigiert das Eröffnungskonzert am 24. Juli. Foto vans
Aschau – Die Zeiten sind herausfordernd. Was für Jahrzehnte als Regel und Ordnung allseits anerkannt war, wird teils offen infrage gestellt. In dieser Situation ist Kunst ein Anker, und das gilt gerade für die Musik. Sie kann mitfühlen und Trost spenden, zur Reflexion und inneren Einkehr anregen, die Perspektive weiten und Auswege aufzeigen. Genau das möchte das diesjährige „Festivo“. Es ist diesmal eine ausgesprochen romantische Ausgabe: die bislang romantischste überhaupt.
Sinn und
Sinnlichkeit
Nachdenklich und tief, ohne aber den Zeigefinger zu erheben: Das ist heuer „Festivo“. Vom 24. Juli bis zum 17. Oktober geben sich beim Aschauer Kammermusik-Festival gleichzeitig Sinn und Sinnlichkeit die Hand. Denn bei „Festivo“ ist beides kein Widerspruch, sondern eine feste Einheit. In den insgesamt sieben Konzerten wird die Musik als sinnstiftendes und sinnliches Erlebnis hochgelebt, und daran wird nicht gerüttelt.
Schon allein die Eröffnung am Freitag, 24. Juli, gibt sich betont romantisch und setzt neue Akzente. In den vergangenen Jahren wurde in der Regel auf Barock-Musik in historischer Aufführungspraxis gesetzt. Diesmal gibt es Hochromanik. Die große Sopranistin Marlies Petersen, bekannt als allseits gefeierte Sänger-Darstellerin der Opernwelt, gibt Lieder von Johannes Brahms, Richard Wagner, Richard Strauss und Alban Berg zum Besten: eine veritable Sensation. Als Uraufführung interpretiert das Freigeist-Ensemble bei der Eröffnung zudem eine eigene Kammerfassung der Sinfonie Nr. 6 von Anton Bruckner.
Zwei hochkarätige Kammerabende führen in den schmucken Preysingsaal des Bilderbuch-Schlosses Hohen- aschau. Dort erklingen die Streichquintette von Franz Schubert und Bruckner sowie das Streichsextett von Erich Wolfgang Korngold (Mittwoch, 12., und Samstag, 15. August). Von der weiträumigen Sommerterrasse lässt sich ein spektakuläres Chiemgauer Alpen-Panorama genießen. Für Getränke ist gesorgt. Das „Suise Piano Trio“ koppelt wiederum Johannes Brahms und Beethoven mit Frank Martin (Samstag, 19. September). Mit Dejan Lazic am Klavier interpretiert „Festivo“-Leiter und Bratschist Johannes Erkes bei Schattdecor in Thansau bei Rohrdorf hingegen Werke von Bach und Igor Strawinsky sowie die Bratschensonate von Dmitri Schostakowitsch (Samstag, 5. August).
Auch der im vorigen Jahr offiziell eingeweihte Originalflügel des Jahrhundert-Pianisten Arturo Benedetti Michelangeli wird wieder bespielt. Beim großen „Festivo“-Finale am Samstag, 17. Oktober, im schicken Atrium-Konzertsaal von Schattdecor bei Rohrdorf präsentiert sich der in Rosenheim aufgewachsene Herbert Schuch mit Werken von Joseph Haydn, Chopin und Claude Debussy. Und natürlich darf die kultige „Oper im Taschenbuchformat“ bei „Festivo“ nicht fehlen.
In der Festhalle Hohenaschau gibt es diesmal eine Neuauflage von Mozarts „Entführung aus dem Serail“.
Es inszeniert Giulio Alvise Caselli, und als „Maestro Concertatore“ führt Johannes Erkes durch den Abend. Das alles ist unterhaltsam und niederschwellig, ein Erlebnis für die ganze Familie (1. August). Denn Festivo ist und bleibt ein Ort der Begegnung. Hier kommen Menschen zusammen, die die Liebe zur Musik eint.