Rosenheim – Anlässlich des 100. Todestages von Rainer Maria Rilke las der Sprechtrainer Martin Pfisterer auf Einladung der Goethe-Gesellschaft Rosenheim im Künstlerhof am Ludwigsplatz die kurze Erzählung „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke.“ Sie entstand unter dem Titel „Der Cornet“ im Jahre 1899 innerhalb einer Nacht und hatte während des Ersten Weltkrieges Kultstatus. Zudem trug Pfisterer noch Gedichte und Briefe von Rilke vor. Pfisterer sprach die Soldatenballade in oft in gehetztem, stakkatoartigem Tempo mit dramatischem Gestus. Rilkes lyrisch-impressionistische Prosa vermittelt in starken Bildern die Gefühle von Jugend und Lebenshunger, Liebe und Tod eines jungen Soldaten, der 1663 in Ungarn gegen die eingefallenen Türken kämpft.
Anschließend las Pfisterer das berühmte Gedicht „Der Panther“ und in etwas zu schnellem Tempo die erste Duineser Elegie. Bewegend war Rilkes Brief an einen jungen Dichter, der sich hilfesuchend an Rilke gewandt hatte und von dem er persönliche Ratschläge erhält. Ein Kunstwerk, so Rilke, ist gut, wenn es aus Notwendigkeit entstand. Wichtig sei die Wendung des Dichters nach innen. Die Kindheit etwa sei ein Schatzhaus der Erinnerung, aus dem ein Dichter schöpfen könne.
Nach dem Gedicht „Das Karussell“ präsentierte Pfisterer eindringlich und berührend noch einen Brief Rilkes an dessen Schwager Westhoff, der sich in einer tiefen Lebenskrise befindet. Jeder, tröstet Rilke den Unglücklichen, habe allein in sich selbst seine ganze Weite und Welt. Die Liebe sei kein Spiel, kein Vergnügen, sie zu lernen etwas Schweres. Sie benötige Ruhe, Geduld und Sammlung: „Die Liebe kann nichts anderes als Arbeit sein.“ fü