Rosenheim – Trotz der Hitze und attraktiver zeitgleicher Kulturveranstaltungen zog die Eröffnung der neuen Ausstellung „I will be alright tomorrow“ von Peter Piek beim Kunstverein Rosenheim in der Klepperstraße zahlreiche Interessierte an. Nach der Begrüßung durch den Dritten Vorsitzenden des Kunstvereins und Moderator Max Erbacher betonte Dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht den Charakter der Kultur als tragendes Fundament der Stadtgesellschaft, sie schaffe den Raum für Hoffnung und Veränderung. Die künstlerische Einordnung übernahm Dr. Ulrich Schäfert, Leiter des Fachbereichs Kunstpastoral des Erzbistums München und Freising und studierter Theologe und Kunsthistoriker.
„Was ist oben,
was ist unten ?“
„Was ist oben, was ist unten ?“ stellte er als eindringliche Frage in das Zentrum seiner Rede und ging auf den Künstler Peter Piek und seine Sozialisation in der DDR ein. Piek wuchs in Chemnitz auf, dem früheren Karl-Marx-Stadt. Durch den Wechsel vom Sozialismus zum Kapitalismus habe sich für viele der Generation von Piek die Frage gestellt, „wem gehört eigentlich was?“.
Viele seien im neuen „System“ unzufrieden und fühlten sich benachteiligt, was Peter Piek in seinem multimedialen Gesamtwerk hinterfrage. Sein Motto laute „The world is mine, but I share it“, daher habe Piek auch ein Website-Projekt zum Mitmachen ins Leben gerufen, das unter dem Titel „One world, one painting“ steht. Ihm geht es um den Raum als Gesamtkunstwerk, um ein Gesamt aus Farben, Formen und Klängen, denn Piek schreibt auch Songs und komponiert. Die künstlerischen Wurzeln von Piek lägen bei der „Brücke“ und beim „Blauen Reiter“, bei Karl Schmidt-Rottluff und Jawlensky, sowie bei den Synästhesien von Kandinski, so Schäfert. Er machte Werbung für das Konzert von Peter Piek in der Ausstellung am Samstag, 1. August. Hier verbinde sich das künstlerische Konzept von Malerei und Klängen zu einem Gesamtkunstwerk.
Beim Rundgang durch die Ausstellung fallen zunächst die vertikalen, raumgreifenden und im Raum hängenden Großformate auf. Sie zeigen Augen und andere Motive, in kräftigen Farben, einzelne weisen Textzeilen aus den Songs von Piek auf. Große textile Bahnen, ergänzend rundliche Gemälde – Piek sprengt starre Formen der klassischen Malerei und schafft dadurch eine fantastisch anmutende Parallelwelt mit knallbunten Impressionen.
Die hervorragende Technik von Piek, der in Leipzig Malerei und Grafik studiert hat, zeigt sich besonders in kleinformatigen Arbeiten mit Hinterglasmalerei. Seine Werke wurden schon als „malend gestalteter Garten“ bezeichnet. Ein Blatt mit einem Kunst-Quiz lädt dazu ein, sich mit den Kunstwerken näher zu befassen und genauer hinzuschauen – eine gute Idee, es gibt auch etwas zu gewinnen.