Rosenheim – Für alle Jahreszeiten gibt es im Bereich der Volkslieder viele Beispiele, die das Frühjahr, den Herbst oder den Winter besingen, jeweils mit Eigenschaften, die diesen Zeitabschnitten im Jahreslauf zugedacht sind – oft klischeehaft, oft aus eigener Erfahrung oder erlebnisbezogen.
Der Sommer kommt in vielen Volksliedern vor – ob überliefert oder neugestaltet. Es geht um kurze Gstanzl oder lange Balladen, um Liebe und Arbeit, Vergleich mit anderen Jahreszeiten, Schullieder oder erotische Texte, Urlaubsfreuden und (leere) Versprechungen. Früher im „Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern“ und heute beim „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ wird Eva Bruckner, „Fachfrau für Liedsuchen“, vielfach angefragt nach bestimmten Liedern. In dieser und der nächsten Ausgabe in 14 Tagen machen wir einen Gang durch die Vielfalt der „Sommerlieder“. Wer die hier in Auszügen zitierten Lieder ganz haben will, kann sich beim „Förderverein Volksmusik Oberbayern“, Pfarrweg 11, 83052 Bruckmühl, 08062/8078307, ernst. schusser@heimatpfleger.bayern, melden.
„Im Sommer, da is lustig,
im Sommer, da is schee,
da könn ma mitanander
an See zum Baden geh.“
So oder ähnlich klingen einige Schnaderhüpfl oder Liedstrophen, die den Urlaub, die Ferien oder die Freizeitgestaltung im Sommer ansprechen – bei Kindern oder Erwachsenen. Die kernigen Leute in Gegenden, in denen es auch im Sommer kalt und unwirtlich sein kann, haben einen besonderen Stolz:
„Und vom Wald san mas aussa,
drum san mas so frisch,
ja weil ja Winter wia Summa a Schneeberl drinn is.“
Eine typische Arbeit im Sommer in der Landwirtschaft ist das Mähen, früher das Handmähen mit der Sense. Der Wetzstein ist beim Mähen mit der Sense auch heute noch Grundlage einer guten „Schneid“, die die Arbeit erleichtert. Er wird in vielen Liedern besungen, manchmal auch etwas mehrdeutig:
„Znachst hab a ma an Wetzstoa vom Pinzga umma, dass i ar amal a Schneid hob an ganzn Summa.
Der Kiem Pauli (1882-1960) hat diese Strophe in den 1920er-Jahren bei Frau Kammerlander in Ruhpolding aufgeschrieben. Der Kammerlander Sepp hat folgende Fortführung gewusst:
„An ganzn Summa
werd danglt und gmaht
und am Samstanacht s
Deandl im Bett zuawadraht.“
Das Mähen war eine zentrale bäuerliche Sommerarbeit, die viele Mitarbeiter erforderte, sollte eine ganze große Wiese zum Heumachen gemäht werden. Oft war Arbeitsbeginn dafür schon vor dem ersten Sonnenstrahl. Dass die Sense eine gute „Schneid“ hatte, das verlangte gekonntes Dengeln und Wetzen. Dichterisch andeutend wird es auch in einem Gstanzl beschrieben, das der Kiem Pauli 1931 von „Pölt, Benediktbeuern“ aufgezeichnet hat:
„Den heurigen Summa,
da häts mas bald draht,
ho a oanzigsmal denglt
und do allwei gmaht.“
Zum Schluss von unserem ersten Teil Sommerlieder ein Blick zurück ins Jahr 1839. Da bringt der in Freising geborene und in München lebende Künstler und Gesangsliebhaber Ulrich Halbreiter (1812 bis 1877) unter der neuen Gattungsbezeichnung „Gebirgslieder“ für die Gesänge des bayerischen Alpenvolkes eine künstlerisch gestaltete Liedblattreihe heraus mit dem Titel „Sammlung auserlesener Gebirgslieder herausgegeben und Seiner Hoheit Herrn Herzog Maximilian in Bayern in tiefster Erfurcht gewiedmet …“. Darin findet sich mit dem Titel „Wiedersehn“ folgendes Lied:
„I hab scho drei Summa
mirs Hoamgeh vorgnomma.
I hab scho drei Summa
mei Dianal net gsehn.“
Bis heute ist dieses sehnsuchtsvolle Liebeslied mit gleicher Melodie in Oberbayern bekannt, vor allem in der gekürzten Fassung von Wastl Fanderl. Volkslieder leben in vielen Varianten und in unterschiedlichem Gebrauch, oft immer aufs Neue. Das ist nur ein kleiner Teil der überlieferten und neugestalteten Volkslieder mit Bezug zum Sommer. Natürlich sind Lieder in erster Linie zum Singen da. Bei unseren angekündigten Singterminen in den nächsten Wochen lassen wir einige davon gemeinsam erklingen. Wir freuen uns auf Sie. Ernst Schusser