Seine Stimme wird nie versiegen

von Redaktion

Pianist, Komponist und Weltbürger Abdullah Ibrahim in Aschau beigesetzt

Aschau – Auf dem Friedhof von Aschau ruht er nun, der südafrikanische Pianist, Komponist und Weltbürger Abdullah Ibrahim. Nach muslimischem Ritus bestattet, umgeben von Familie und Freunden. Ein Zeichen für Toleranz, Liebe und Frieden, Werte, die ihm wichtig waren, betonte seine Lebenspartnerin, Dr. Marina Umari, bei der Beerdigung. Am 9. Oktober 1934 als Adolph Johannes Brand geboren, wuchs er im berüchtigten Ghetto „District Six“ auf. Brands Mutter leitete als Pianistin einen Kirchenchor und führte ihn zunächst in das klassische Piano-Repertoire ein.

Anteil an der
musikalischen Erziehung

Aber auch seine Großmutter hatte entscheidenden Anteil an seiner musikalischen Erziehung, ihr widmete er sein Konzert anlässlich seines 90. Geburtstages. Da war es nur folgerichtig, dass ein fünfköpfiges Ensemble aus einem Notenheft seiner Großmutter zu seiner Beerdigung „Let the lower lights be burning“ und „O love, that will not let me go“ sang. Abdullah Ibrahim, der anfangs unter dem Künstlernamen Dollar Brand auftrat und sich nach seinem Hinwenden zum Islam ab den späten 1960er- Jahren Abdullah Ibrahim nannte, war auf allen Kontinenten unterwegs und war doch auch in Aschau im Chiemgau zu Hause. „We are living in the pre-Alps,“ erinnerte Marina Umari bei der Beerdigung.

Musik, das war sein Leben. In seine Kompositionen ließ er seine Begegnungen und sein Leben einfließen. Angefangen von seinen ersten musikalischen Live-Erfahrungen in der einheimischen African Methodist Episcopal Church, über Bebop und Cape-Jazz hin zum Modern Jazz mit verschiedenen traditionellen oder popkulturellen afrikanischen Spielarten, mit dem Abdullah Ibrahim den Geist und Klang Südafrikas in alle Welt trug. 1974 schuf er mit „Mannenberg“ eine der großen Anti-Apartheid-Hymnen, benannt nach einer 1966 gegründeten Siedlung, in die Südafrikas Apartheidbehörden viele People of Color zwangsumsiedelten. 1994, bei der Amtseinführung von Mandela als erster schwarzer Präsident, spielte Ibrahim das inzwischen ikonische Lied noch einmal live für ihn. Eine umfangreiche Diskografie hat er veröffentlicht, er trat solistisch, aber auch mit namhaften Jazzmusikern auf.

Auch abseits
der großen Bühnen

Weltweit, wie im März beim Cape Town International Jazz Festival, und zuletzt an Ostern in Stuttgart, aber eben auch abseits der großen Bühnen trat er auf. Jeweils rund um den 9. Oktober, seinen Geburtstag, lud er in den Stadl beim Hirzinger in Söllhuben ein, um dort auf seinem geliebten Fazioli-Flügel sein Publikum zu verzaubern. Im Mai letzten Jahres trat er bei einem Benefizkonzert im Schlossinternat Neubeuern zugunsten des Ambulanten Kinderhospiz München/Zentrum Südostbayern Rosenheim auf, im September letzen Jahres spielte er in der Aschauer Priental-Halle die Aschau gewidmete Komposition „Aschau Blue,“ sämtliche Einnahmen kamen dem Seniorenheim Priental zugute. Vielfach wurde Abdullah Ibrahim ausgezeichnet, unter anderem mit der Ehrendoktorwürde der Universität Kapstadt, dem Order for Meritorious Service in Silber, den Order of Ikhamanga in Silber, der German Jazz Trophy und dem NEA Jazz Master Award USA, und doch gab er sich stets bescheiden.

Grußbotschaften
zahlreicher Weggefährten

In einem Interview mit der Reporterin sagte er einmal, dass er Ehrungen als Dank und Anerkennung für seine Freunde, Förderer und Unterstützer werte. Die Preise seien ihnen gewidmet. Abdullah Ibrahim hinterlässt ein außergewöhnliches musikalisches Erbe, das Grenzen, Kulturen und Generationen überwand. Auch die ehemalige südafrikanische Botschafterin in München und ihre Nachfolgerin würdigten bei der Beerdigung mit warmen Worten den Weltbürger.

Ebenso hatten zahlreiche Weggefährten Grußbotschaften geschickt, die während der Zeremonie verlesen wurden. Sein Ableben markiert das Ende eines außergewöhnlichen Lebens, und doch wird seine Stimme nicht versiegen. Sein Erbe wird weiter inspirieren und weltweit nachhallen.

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