Wenn das Recht zum Unrecht wird

von Redaktion

Faszinierendes Ein-Personen-Stück des Metropoltheaters bei den 20. Theatertagen

Wasserburg – Das Münchner Metropoltheater zeigte mit „Michael Kohlhaas“ im Rahmen der Wasserburger Theatertage ein mitreißendes Kammerspiel über Gerechtigkeit, Machtmissbrauch und Selbstjustiz. Die Theateradaption bot ein Dramenstück auf allerhöchstem Niveau: konfliktreich, starke Figuren und eine Sprache, die auf der Bühne lebendig wurde.

Fanatischer Kampf
um Gerechtigkeit

Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ aus dem Jahr 1810 erzählt die fatale Geschichte eines angesehenen Pferdehändlers im 16. Jahrhundert. Durch erlittenes Unrecht wird der redliche Kaufmann Kohlhaas zum fanatischen Kämpfer für die Gerechtigkeit. Auf dem Weg nach Sachsen wird er an der Grenze zum Gebiet des Junkers Wenzel von Tronka aufgehalten. Dieser verlangt unrechtmäßig einen Passierschein und behält als Pfand zwei Pferde von Kohlhaas ein. Als Kohlhaas später zurückkehrt, findet er die Tiere völlig verwahrlost und geschunden vor. Auch sein Knecht wurde misshandelt.

Kohlhaas versucht zunächst, auf legalem Weg Gerechtigkeit zu erhalten. Der Junker aber hat mächtige Verbindungen und Kohlhaas‘ Beschwerden werden von den Gerichten abgewiesen. Als dessen Frau Lisbeth sich beim Kurfürsten für ihn einsetzen will, wird sie gewaltsam abgewiesen und verstirbt später an den Folgen. Der Tod der Frau und die verweigerte Gerechtigkeit treiben Kohlhaas zur Verzweiflung. Er schart Anhänger um sich und beginnt einen Rachefeldzug gegen den Junker. Städte werden geplündert und niedergebrannt. Aus dem Opfer von staatlicher Willkür wird ein gefürchteter Rebell.

Schließlich wird der Reformator Martin Luther zum Vermittler zwischen Kohlhaas und der Obrigkeit. Kohlhaas wird ein faires Gerichtsverfahren zugesichert. Er legt die Waffen nieder und sein Fall wird neu verhandelt. Von Tronka wird bestraft. Kohlhaas erhält die Pferde in gesundem Zustand zurück und wird entschädigt. Wegen des Aufstandes aber ergeht sein Todesurteil, das Kohlhaas akzeptiert, weil sein Kampf um die Gerechtigkeit letztlich doch erfolgreich war.

Jochen Schölch inszenierte das mitreißende Drama um ein Verständnis von Gerechtigkeit, das zu einer überwertigen und alles beherrschenden Idee eskalierte und Beteiligte wie Unbeteiligte mit in den Abgrund riss. In Marc-Philipp Kochendörfer hatte der Intendant des Münchner Metropoltheaters auch einen exzellenten Darsteller gefunden, der die Bühnenfassung des von-Kleist-Dramas als Protagonist und Erzähler in Person lebensnah und spannend umsetzte. Eben noch war Kochendörfer als Michael Kohlhaas mit dem Blut seiner Opfer besudelt. Wenige Sekunden später wiederum gelang ihm der Wechsel vom überhitzten Fanatiker zum nüchternen Chronisten der Ereignisse ebenso faszinierend wie glaubhaft.

Einfallsreiche
Inszenierung

Auch sonst glänzte die Inszenierung mit einer Fülle kreativer Ideen. Martin Luther als Vermittler wurde überlebensgroß auf einer sonst schwarzen Leinwand eingespielt. Kohlhaas’ Gefolgsleute und die Mannen des Junkers Wenzel von Tronka standen sich als Spielzeug-Ritterfiguren gegenüber. Der Ausdruck „weniger ist oft mehr“ traf bei der Umsetzung als Monodrama auch auf das Bühnenbild vollends zu. Einfachheit und Reduktion führten zu einem großartigen Ergebnis, das vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

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