Zwischen Trauer und Freude in Galicien

von Redaktion

„So klingt das Leben“ von Regisseur Daniel Sánchez Arévalo eröffnet am 7. Juli Musikfilmtage Oberaudorf

Oberaudorf – Mit dem spanischen Spielfilm „So klingt das Leben“ eröffnen die Musikfilmtage in Oberaudorf ihr diesjähriges Programm. Eine passende Wahl: Regisseur Daniel Sánchez Arévalo erzählt eine Geschichte, in der Musik nicht bloß Begleitung ist, sondern zum Motor für Heilung, Gemeinschaft und Neuanfang wird. Zu sehen ist der Eröffnungsfilm am Dienstag, 7. Juli, im Kursaal Oberaudorf.

Zwei Jahre nach einem verheerenden Schiffsunglück lebt das galicische Fischerdorf A Guarda noch immer im Schatten des Verlustes. Viele Familien haben Angehörige verloren, die Wunden sind nicht verheilt. Als die Dorfgemeinschaft beschließt, ihr traditionelles Musikensemble wiederzubeleben und an einem regionalen Wettbewerb, der „Rondalla“, teilzunehmen, gibt es Turbulenzen, denn es gibt neue Untersuchungen zum Unglück.

Schließlich übernimmt die Gaita-Künstlerin (Gaita = nordspanischer Dudelsack) Andrea die Leitung – eine Aufgabe, die sie zunächst eher aus Pflichtgefühl als aus Überzeugung annimmt. Schritt für Schritt wird aus den Proben jedoch mehr als musikalische Vorbereitung: Sie werden zu einem gemeinsamen Prozess des Erinnerns und Loslassens.

Was den Film besonders auszeichnet, ist seine Balance zwischen Melancholie und Lebensfreude. Sánchez Arévalo vermeidet sentimentale Übertreibungen und vertraut stattdessen auf die Kraft seiner Figuren. Die Dorfbewohner wirken nie wie bloße Stellvertreter einer Botschaft, sondern wie Menschen aus Fleisch und Blut, die mit Schuldgefühlen, Hoffnung und unerfüllten Erwartungen ringen. Besonders die junge Judith Fernández verleiht Andrea eine stille Entschlossenheit, die den Film trägt.

Musikalisch setzt der Film auf eine gelungene Mischung aus traditionellen Klängen und modernen Arrangements – Vorbild war eine Rondalla, die AC/DC uminterpretierte. Die großen Spielmannszüge mit und ohne Tracht und Diskussionen um Tradition und „frischen Wind“ in der Musik sind lebendig und werden viele Musikfans ansprechen. Die Musiknummern entstehen organisch aus der Handlung heraus und wirken dabei nie aufgesetzt, einige Aufnahmen sind authentisch und auf einem großen Festival in Vigo aufgenommen.

„So klingt das Leben“ besticht durch die Dynamik des gemeinsamen Musizierens und durch kluge Charakterzeichnungen. Die Küstenlandschaften Galiciens liefern dazu eine atmosphärisch dichte Kulisse. Kamera und Musik arbeiten Hand in Hand und verleihen dem Film eine warme, oft poetische Bildsprache, ohne die Härte des Verlusts auszublenden. Natürlich bleibt manches vorhersehbar. Einige Konflikte lösen sich etwas zu harmonisch auf, die Dramaturgie folgt gelegentlich bekannten Mustern des Feelgood-Kinos. Doch gerade weil der Film seine Figuren ernst nimmt und nicht in Kitsch abrutscht, verzeiht man ihm diese Schwächen gern. Ganz interessant ist, dass das Original in Standardspanisch gedreht wurden, die Regionalsprache Galicisch kommt nicht vor, vermutlich hatte man den gesamtspanischen Markt im Blick und wollte nicht von Beginn an untertiteln. Als Vorbild diente die berühmte Rondalla Gran Sol aus dem Raum Vigo.

Deren Leiter Daniel Burgos beriet die Produktion, und viele aktive Rondalla- Mitglieder wirkten als Statisten oder Musiker mit. Für die Musikfilmtage Oberaudorf ist „So klingt das Leben“ ein gelungener Auftakt. Der Film zeigt, wie Musik Menschen zusammenführen kann, ohne dabei die Realität ihrer Verletzungen zu verdrängen. Er berührt, macht Mut und verlässt die Leinwand mit einem Nachhall, der weit über die letzte Szene hinausreicht.

Andreas Friedrich

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