Farbenspiele in der Villa Sawallisch

von Redaktion

Quartissimo zeigt Lust am Musizieren

Grassau – „Farbenspiele“, so war das letzte Konzert des ersten Konzerthalbjahres in der Villa Sawallisch überschrieben. Und genau so farbig, kontrastreich war das Programm, das Quartissimo – zwei Geschwisterpaare aus Tirol, Anfang 20 – darboten.

Clara Spieler (Violine), Hannah Alber (Violine), Jonas Aber (Bratsche) und Emil Spieler (Violoncello) leuchteten kammermusikalische Werke dreier Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts aus. Mit beachtlich musikalischer Reife, mit großer Spielfreude und mit außergewöhnlicher Virtuosität. Erwin Schulhoffs „Fünf Stücke für Streichquartett“ sind fünf Tanzsätze, eine wilde Mischung aus Expressionismus, Dada, Neobarock und Jazz. Schon der erste Satz „Alla Valse viennese“ nahm für sich ein und mündete nach einer parodistisch anmutenden Serenata, einer feurigen Czeca und einem unter die Haut gehenden „Tango milonga“ schließlich in eine furios expressive „Alla Tarantella. prestissimo con fuoco.“

Fürs Durchschnaufen blieb dennoch wenig Zeit, denn mit den „vier Stücken für Streichquartett“ op. 81 von Felix Mendelssohn Bartholdy durchleuchtete das Quartett vier Lebensphasen des Komponisten. Vier Sätze, als Kompendium erst 1850 posthum veröffentlicht, vier Sätze, die weder von der Tonart noch zeitlich zusammengehören. Und doch verstand es Quartissimo, das scheinbar Unmögliche zusammenzufügen. Da war das zarte Andante in E-Dur, das Scherzo in a-Moll gestaltete das Streichquartett im dahinhuschenden allegro leggiero, das in ein wildes capriccio in e-Moll mündete. Atemberaubend. Und gleich weiter zu einer sanften, schmelzenden Fuge in Es-Dur, ganz im Stile von Johann Sebastian Bach.

Ein traumwandlerisch sicheres Miteinander bewies Quartissimo auch bei Maurice Ravels Streichquartett in F-Dur. Mit dem Werk hatte sich der 28-jährige Ravel einst für den Prix de Rome beworben. Ein Werk voller Kontraste: Sei es das wilde Pizzicato des zweiten Satzes (Assez vif, très rhytmé), das himmlisch sanfte Ende des Très lent-Satzes oder das feurige Finale, ganz „vif et agité“. Quartissimo lebte die Satzvorgaben aus, wahrte Transparenz und Leichtigkeit und ließ die Klangfarben strahlen. Bei so viel Farbenspiel brauchte es keine Zugabe. Der Nachhall war auch so gewaltig. Elisabeth Kirchner

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