Übersee – Drei Tage voller Reggae-Vibes und heißem Karibik-Flair prägten den Chiemsee Reggae Summer, bei dem 10.000 Besucher die Kraft des friedvollen Miteinanders feierten. Extravagante Shows und mitreißende Stars, coole Vibes zwischen Reggae, Dancehall, Hip-Hop und House sowie friedliche Besucher in positiver Feierstimmung und erfrischende Wasserspiele an der Tiroler Achen: Bei Rekordtemperaturen von bis zu 36 Grad und Karibikflair wurde die Neuauflage des Chiemsee Reggae Summer (CRS) in Übersee am Chiemsee zur Gute-Laune-Rakete des Festivalsommers. Auch die Einsatzkräfte und Rettungsorganisationen zogen eine positive Bilanz.
Von bayerischem Offbeat
bis zu tropischer Deko
Drei Tage lang boten knapp 30 Acts auf der Hauptbühne und auf der Zeltbühne im Wechsel den 10.000 Besuchern rasante Shows und Tanzfieber bis Mitternacht. Wer danach noch Energie hatte, konnte bei der Open-Air-Party am Biergartengelände oder in dem künstlerisch zu einer hypnotischen Dschungelhöhle umfunktionierten Almstadl bei Dub, House und Techno weiterfeiern.
Großformatige Bilder von Karibikstränden und tropischen Wäldern sowie internationale Food-Stände und Shops rund um das Festivalgelände sowie das Bühnendesign mit Reggae-Legenden stimmten die Besucher bereits zum Auftakt auf das Festivalmotto „Love, Peace und Happiness“ ein. Mit Bradley’s H, Mista Wicked & Riddim Disasta und The Real McCoy zeigten gleich drei regionale Formationen aus Übersee, Rosenheim und dem Berchtesgadener Land, dass auch die Oberbayern das Publikum mit Offbeat, Ska, Dub, Reggae und knackigen Bläsersätzen im Handumdrehen zum Kochen bringen können. Mista Wicked & Riddim Disasta haben sich übrigens nach der Trennung 2014 extra für den CRS wieder zusammengefunden.
Internationale Stars
begeistern die Massen
Über sechs Jahrzehnte ist Burning Spear als Legende des Reggae, Anti-Rassismus-Aktivist und Kultur-Botschafter unterwegs. Neben zwei Grammys wurde er auch vom jamaikanischen Staat für seine musikalischen Verdienste ausgezeichnet. Trotz seiner 81 Jahre wirkt seine musikalische Botschaft des Ur-Reggae immer noch sehr vital, wozu auch eine Reihe junger dynamischer Nachwuchsmusiker mit Verve beitragen. Mit Klassikern und neuen Stücken hatten sie das Publikum schnell im Griff. Bei einem Rhythmen-Ritt durch die deutsche Hip-Hop-Geschichte rissen derweil die beiden Altmeister Afrob & Ferris MC das Publikum in ihren temporeichen Battles gewürzt mit Witz und Selbstironie mit.
Mit viel Glitzer, rotierenden Hüften und Sexappeal satt brachte schließlich Spice, Jamaikas erfolgreichste Dancehall-Queen, das Publikum zum Beben. Sie definierte das Geschlechterverhältnis mal eben um, wenn sie auf der Bühne Instagram-wirksam die Männer von ihren akrobatischen Amazonen „durcharbeiten“ ließ, um anschließend mit den Damen aus dem Publikum zu ihrem Hit „Volcano“ einen getanzten Hexensabbat auf der Bühne zu veranstalten. Urkunde inklusive.
Dass er nicht umsonst einer der einfluss- und erfolgreichsten Rapper der deutschen Hip-Hop- und Poplandschaft ist, der die Massen mit positiven Botschaften zu begeistern weiß, bewies Headliner Marteria aus Rostock. Der ehemalige Fußballer und Schauspieler, der auch als Model gearbeitet hat, erwies sich mit spektakulärer Bühnenschau, clubtauglichen Hymnen und autobiografisch-sozialkritischen Texten voller Witz als Meister der großen Bilder und Emotionen.
Bereits seit 2018 ist die Reggae-Musik aus Jamaika in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden, da sie das internationale Bewusstsein in Fragen sozialer Gerechtigkeit, des Widerstands und der Menschlichkeit fördert. Dass sich mit dieser Botschaft in kraftvollem und pumpendem Roots-Reggae die Herzen der Zuhörer erreichen lassen, zeigte Altmeister Anthony B am zweiten Tag in seinem kraftvollen Auftritt. Der in Köln geborene Patrice wiederum wusste das Publikum – in seinem fünften Auftritt beim CRS – mit seiner höchst tanzbaren Mischung aus Reggae, Soul, Folk und Urban Sounds zu begeistern. Zum Abschluss drehte Power-DJ Mr. Vegas noch mal deutlich am Temperaturregler. In einer powergeladenen Live-Show lud er das Publikum zu sich auf die Bühne und entfesselte dort die Tanzleidenschaft voll karibischer Lebensfreude.
Dass sich bayerische und karibische Musikbegeisterung perfekt ergänzen, zeigten am dritten Festivaltag unter anderem Auftritte der Blaskapelle Übersee-Feldwies, von Ky-Mani Marley, dem Sohn von Reggae-Ikone Bob Marley, und der Dub Invaders.
Friedliches Miteinander
und positive Bilanz
Nicht nur die Bühnenshows heizten an den drei Tagen den Zuschauern mächtig ein. Und so war es kein Wunder, dass die nahegelegenen Kiesbänke der Tiroler Achen tagsüber zur Ersatz-Partyzone wurden, an denen Spritzgeräte, alternative Beats sowie innovative Wasserspiele und -events im kommunikativen Miteinander ausprobiert wurden.
Festival-Organisator Martin Altmann zeigte sich begeistert, dass das Festivalmotto „Back to the roots“ mit weniger Zuschauern und ausgereiftem All-Inclusive-Service sowie bargeldlosem Bezahlen gut bei den Besuchern angekommen ist. Die Festival-Stimmung eines „verantwortlichen, grünen und friedlichen Miteinanders“ beim Publikum von 18 bis 80 Jahren führten zu weniger Müllbergen im und um das Gelände, dem Ausbleiben von Gewalt-, Drogen- und Alkoholexzessen und einem geordneten, verständnisvollen Miteinander.
Ähnliches berichtete auch Gerrit Gottwald, Einsatzleiter der Polizei. „Wir hatten durch eine Straßensperrung zwischen Bergen und Staudach-Egerndach bei der Anreise ein paar harte Nüsse beim Verkehr zu knacken“, berichtet er.
Ansonsten sei das Einsatzgeschehen auch durch das betont kooperative Verhalten der Polizei „sehr unauffällig“ gewesen. Trotz Teillegalisierung von Cannabis habe es beim Drogenkonsum „keine Ausreißer“ gegeben.
Hohe Temperaturen
fordern die Retter
Mit bis zu 40 Einsatzkräften pro Schicht „haben wir uns gemeinsam mit anderen Rettungsorganisationen angesichts der hohen Temperaturen auf ein möglicherweise höheres Notfall-Aufkommen vorbereitet“, berichtete Helmut Frank, Einsatzleiter des BRK-Kreisverbandes Traunstein. Rund 150 Einsätze seien bis Sonntag zu verzeichnen gewesen, vom Sonnenbrand über Durchfall bis zum Herzinfarkt, erzählt er. Auffallend sei die „größtenteils verantwortungsvolle Selbstvorsorge“ der Gäste gewesen ebenso wie das ausgereifte Sicherheitskonzept des Veranstalters.