Einander zuhören und Verantwortung übernehmen

von Redaktion

Junge Musiker der Levi-Akademie spielen in der Villa Sawallisch

Grassau – Die Levi-Akademie des Staatstheaters am Gärtnerplatz gastierte in der Villa Sawallisch mit einem abwechslungsreichen Kammermusikprogramm mit unterschiedlichsten Instrumentenkombinationen. Moderator und Trompeter an der Bayerischen Staatsoper, Frank Bloedhorn, hob dabei die Besonderheit dieser Besetzungen hervor: Ohne Dirigenten seien die Musiker besonders gefordert, einander achtsam zuzuhören und gemeinsam Verantwortung für das musikalische Ergebnis zu übernehmen.

„Kammermusik ist eine Liebeserklärung, eine Diskussion oder ein ausgetragener Konflikt“, sagte er. In der Orchester-Akademie gehe es vor allem darum, eine musikalische Persönlichkeit zu entwickeln und Teil eines gemeinsamen Klanges zu werden. Auf Posaune und Tuba beeindruckten Manuel Doppel Valenzuela und David Hofbauer mit Werner Kirchners (1940 bis 2001) „König-Hirsch-Duetten“. Kontrapunktisch oder melodiös zweistimmig, zurückhaltend oder laut, mit ineinander verschachtelten Tönen und verfremdeten Fanfaren, die an Carl Maria von Webers „Freischütz“ denken ließen, führte das letzte Duett zu harmonischem Spiel zurück. Mit „Animé et très décidé“ aus Claude Debussys (1862 bis 1918) einzigem Streichquartett bescherten Marta Rando, Harry Egerton, Hannah Elisabeth Schablas und Paula Madden den zahlreichen Zuhörern impressionistische Klangfarben in einer Komposition voller „Licht und einer neuen Atmosphäre, in der man Farben hören kann“, so Frank Bloedhorn. Wie von Debussy vorgegeben, spielten die vier Musiker den Satz „belebt und sehr entschieden“.

„Die Tuba ist nicht unbedingt das Instrument, das man mit einer Amsel verbindet“, befand der Moderator, bevor David Hofbauer „Blackbird“ von Paul McCartney (*1942) aus dem Jahr 1968 anstimmte. Bloedhorn ging auf die politische Botschaft dieses Liedes ein. „Blackbird“, das für die afrikanische Frau steht, die unter Diskriminierung leidet, solle fliegen lernen. „Fliegen beginnt nicht immer oben, manchmal beginnt es erst ganz unten“, stellte er einen Bezug zur Tuba her. Die Harfe besitze Magisches und Überirdisches, so der Moderator. Dies zeigte Johanna Dorothea Görißen mit der „Sonatine pour harpe“ von Marcel Tournier (1879 bis 1951) in den drei Sätzen Allègrement, Calme et expressif und Fièvreusement. Mit orchestralem Klang, aufgelösten Akkorden oder Glissandi zeigte die Harfenistin hochvirtuos alle Klangmöglichkeiten der Harfe.

Ein Duett mit Klarinette und Fagott spielten Charlotte Dohr und Sören Geiger mit den sechs Sätzen in „Contrastes III“ von Eugène Bossa (1905 bis 1991) und erstaunten mit dieser Klangkombination mit virtuosen Partien und den enthaltenen Fugati. Ein augenzwinkernder, unerwarteter Schluss bewegte die Zuhörer zu einem Zwischenapplaus.

Ein Quartett aus vier Geigen – Gyuri Park, Marta Rando, Peter Son Goetz und Harry Egerton – begeisterte danach mit dem „Carnival of Venice“ von Charles Dancla (1817 bis 1907). „Eine einfache Melodie setzt immer neue Masken auf“, beschrieb der Moderator mit lyrischen Worten, was die vier Musiker aus dem Volkslied „Mein Hut, der hat drei Ecken“ musikalisch zauberten.

Auf der Trompete solo glänzte sodann Linus Stickdorn bei der Etüde Nr. 6 „Du Style“ von Théo Charlier (1868 bis 1944). Diese Komposition ist eine Charakterstudie, die der Trompeter zu einem farbenreichen Selbstporträt gestaltete, so Bloedhorn. Den fulminanten Schluss ließen Harry Egerton, Marta Rando, Hannah Elisabeth Schablas, Paula Madden und Aaron Petrick als Streichquintett erklingen. Mit „Chicilin de Bachin und Fuga y Misterio“ von Astor Piazzolla (1921 bis 1992) erzählten sie musikalisch in einer sozialkritischen Instrumental-Ballade die Geschichte eines kleinen Straßenjungen und verbanden danach die Kompositionsform der barocken Fuge mit der Melancholie des argentinischen Tangos.

Für die virtuosen Darbietungen spendete das Publikum lang anhaltenden Applaus. Bloedhorn dankte den Mitwirkenden sowie allen Unterstützern und freute sich über die Neugier des Publikums auf selten gespielte Werke. Besonders dankte er Ulrike Klees für die mentale Unterstützung und Jürgen Key für die Einstudierung. Brigitte Janoschka

Orchesterpraxis für den Nachwuchs

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