Kiefersfelden – Schon in den ersten Takten der Mozart-Sonate B-Dur KV 454 zeigte sich die Grundhaltung dieses Abends: Musik als präzise Kunstform, nicht als emotionales Überangebot. Anna Sophie Dauenhauer und Lukas Maria
Kuen präsentierten im Dynafit-Hauptquartier ein Programm, das sich über Klarheit und Struktur definierte. Beide verfügen über langjährige professionelle Erfahrung – Dauenhauer als Konzertmeisterin und Solistin, Kuen als mehrfach ausgezeichneter Pianist und Kammermusiker.
In Mozarts Sonate überzeugte die Transparenz der Linien. Dauenhauer wählte einen schlanken, fokussierten Ton. Im Andante formte sie die Phrasen mit präziser Artikulation, während Kuen den Klaviersatz bewusst durchsichtig hielt und die harmonischen Wendungen klar herausarbeitete. Die Interpretation wirkte dadurch streng, aber zugleich logisch und frei von romantisierender Weichzeichnung.
Mendelssohns „Lieder ohne Worte“ öffneten einen lyrischen Raum, ohne die analytische Grundhaltung aufzugeben. Das „Andant-espressivo“ erhielt eine ruhige, kontrollierte Linie; im „Adagio non troppo“ zeigte sich Dauenhauers Fähigkeit, Spannung über lange Bögen zu halten. Besonders das „Agitato e con fuoco“ gewann durch rhythmische Präzision an Energie. Kuen strukturierte die harmonischen Schichten mit feinem Pedalgebrauch, wodurch die innere Beweglichkeit der Miniaturen klar hervortrat.
Schumanns „Abendlied“ und „Am Springbrunnen“ bildeten einen bewusst gesetzten Ruhepunkt. Das Duo entschied sich für eine Interpretation ohne Sentimentalität, die die melodische Einfachheit ernst nahm. Die Zurückhaltung verlieh den Stücken eine stille Intensität und setzte einen Kontrast zu den größeren Formen des Abends.
Respighis Violinsonate h-Moll wurde zum interpretatorischen Schwerpunkt. Die Tonart h-Moll entfaltet bei Respighi eine Schwere und innere Glut, die den Zuhörer unmittelbar berührt – nicht durch Pathos, sondern durch jene dunkle, nach innen gerichtete Spannung, die diese Tonart seit der Romantik so expressiv macht. Das „Moderato“ entwickelte sich mit klarer, dramaturgischer Linie; die Steigerungen wirkten zwingend. Im „Andante espressivo“ gelang dem Duo eine Balance zwischen spätromantischer Fülle und struktureller Übersicht. In der Passacaglia überzeugte die ruhige Konsequenz, mit der die Variationen aufgebaut wurden. Dauenhauer ließ den Ton in den Höhen leuchten, während Kuen die komplexe Harmonik mit beeindruckender Klarheit zusammenhielt.
Der Titel des Konzert „Reise nach Italien“ war weniger programmatisches Motto als ästhetischer Rahmen. Die Werke verband eine Haltung: die Suche nach Durchdringung, nach einem Klang, der nicht verführen will, sondern erklärt. Anna Sophie Dauenhauer und Lukas Maria Kuen zeigten Kammermusik als Kunst der Konzentration. Ihr Spiel machte hörbar, wie viel Ausdruck in Reduktion liegen kann – und wie viel Tiefe in der Entscheidung, Musik nicht auszudeuten, sondern freizulegen.