Mal deftig, mal delikat

von Redaktion

Premiere von Mozarts „Zauberflöte“ auf Gut Immling

Halfing – Wenn man in diesem Sommer 30 Jahre Oper auf Gut Immling feiert, darf ein Werk natürlich nicht fehlen: Mozarts „Zauberflöte“. Jener Dauerbrenner, mit dem das Festival 1997 seinen Anfang nahm. Damals noch mit Intendant Ludwig Baumann selbst als Papageno. Seine einstige Paraderolle hat er zwar schon länger abgegeben, um erfolgreich in den Regiestuhl zu wechseln. Doch es spricht für Baumann, dass seine Inszenierung eben nicht nur auf die kinderfreundlichen Späße des munteren Vogelfängers vertraut, sondern auch den übrigen Figuren die nötige Aufmerksamkeit schenkt.

Der Prinz in der
fliegenden Untertasse

Die Immlinger Jubiläums-„Zauberflöte“ ist eine futuristische Angelegenheit, bei der Prinz Tamino zu Beginn als Astronaut in einer fliegenden Untertasse hereinschwebt und gleich nach der Landung sein erstes Abenteuer zu bestehen hat. Als sein eigener Ausstatter arbeitet Baumann dabei immer wieder geschickt mit Projektionen, für die Video-Designer Maximilian Ulrich ein ähnlich farbenfrohes Feuerwerk entfesselt wie Kostümbildnerin Lilli Hartmann. So wie es sich für Mozarts Märchen gehört.

Einiges geboten wird hier aber nicht nur fürs Auge, sondern auch fürs Ohr. Allen voran die exzellent gesungene Pamina von Stefanie Knorr. Ihr jugendlich frischer Sopran verfügt über eine breite Farbpalette, die den heiteren Tonfall ihres Duetts mit Papageno genauso glaubwürdig abbildet wie die Trauer in der großen g-Moll-Arie „Ach, ich fühl’s“. Knorr lässt hier tief in die Seele der jungen Prinzessin blicken und sorgt so für die nötige Fallhöhe, ehe sie sich gemeinsam mit ihrem Tamino mutig in die finale Prüfung stürzt. Mit Egor Martynenko hat sie dabei einen ebenbürtigen Partner zur Seite, wobei er gerne auch darstellerisch noch mehr aus sich herausgehen dürfte.

Etwas kurzatmig kommen im direkten Vergleich die gefürchteten Spitzentöne der Königin der Nacht. Was bei Sui Värynen allerdings auch den extremen Temperaturen am Premierentag geschuldet sein mochte. Zeigte das Thermometer bei der Ankunft auf dem Immlinger Hügel doch stattliche 37 Grad in der Sonne. Weshalb das Publikum vor der „Feuer- und Wasserprobe“ des jungen Paares wohl selten so mitgeschwitzt haben dürfte.

Ja, und was ist nun mit Papageno? Keine Angst! Der ist bei Sebastian Seitz in besten Händen. Und natürlich auch hier wieder ein absoluter Publikumsliebling, dem Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock einige Freiheiten gönnt.

Die seit 2002 in Immling aktive musikalische Leiterin bleibt erneut einem historisch informierten Mozart-Ideal verpflichtet. Mal deftig, mal delikat. So wie es wohl auch dem großen Wolfgang Amadeus gefallen hätte.

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