Das Wohnzimmer als Schlachtfeld

von Redaktion

Theaterlust München spielt „Der Gott des Gemetzels“ bei Wasserburger Theatertagen

Wasserburg – Die Theaterlust München setzte mit dem Kammerspiel „Der Gott des Gemetzels“ den Schlusspunkt bei den 20. Theatertagen. Das Siegerstück vom vergangenen Jahr zog noch einmal alle Register, was eine völlig überdrehte und zugleich tiefgründige Tragikomödie auszeichnet.

Ort der Handlung des Theaterstücks von Yasmina Reza ist das Wohnzimmer von Micha und Veronika Rey. Sie treffen sich dort mit Alex und Annette Huber, um einen Streit zwischen ihren Söhnen friedlich zu klären. Maximilian hat Benni, dem Sohn von Micha und Veronika, im Streit mit einem Stock zwei Zähne ausgeschlagen. Benni hatte sich geweigert, Maximilian in seine „Bande“ aufzunehmen.

Gesellschaftliche
Konventionen gesprengt

Was zunächst als betont achtsames und sachliches Gespräch zwischen zwei Paaren beginnt, entwickelt sich jedoch Schritt für Schritt zu einem heftigen Konflikt, der alle gesellschaftlichen Konventionen sprengt. Im Verlauf der Inszenierung verlieren die Figuren ihre bürgerliche Fassade. Vorwürfe, persönliche Kränkungen und lange unterdrückte Konflikte kommen ans Licht. Die Bündnisse zwischen den Personen wechseln ständig: Mal halten die Ehepartner zusammen, dann verbünden sie sich mit dem jeweils anderen Paar. Durch Alkohol, aufgestaute Aggressionen und gegenseitige Beleidigungen eskaliert die Situation immer weiter. Am Ende wird klar: Die Erwachsenen handeln noch weniger vernünftig als ihre Kinder.

Die Inszenierung von Johannes Rieder ist übrigens die einzige, von der französischen Autorin Yasmina Reza autorisierte Mundartfassung und noch dazu auf Bairisch. Die Handlung lebte dann auch von scharfzüngigen Dialogen im Dialekt, schwarzem Humor und einer Spannungskurve, deren dramatische Höhepunkte kaum zu überbieten waren. Das Bühnenbild begnügte sich mit der Atmosphäre eines Wohnzimmers: stylisch modern mit Ledercouch und Büchertisch. Schließlich ist man ist ja kunstaffin und Teil des Bildungsbürgertums. Mehr war auch nicht nötig. Alles andere hätte von den energiegeladenen Dialogen nur abgelenkt.

Ina Meling und Sebastian Edtbauer spielten die Reys, Cornelia von Fürstenberg und Matthias Ransberger die Hubers. Beide Paare waren anfangs stets darauf bedacht, jeweils den besten Eindruck beim Gegenüber zu hinterlassen. Doch es war abzusehen, dass es nicht so bleiben wird. Schließlich hatten sich die Konflikte auch in den Paarbeziehungen selbst schon über viele Jahre aufgestaut.

Am Ende muss
die Kulisse dran glauben

Aus verbalen Aggressionen wurden Handgreiflichkeiten. Veronika watschte den Gatten mit einem Buch. Annette wiederum versenkt das Handy ihres dauertelefonierenden Mannes in einer riesigen Blumenvase. Schließlich eskalierte der friedlich angedachte Versöhnungsabend komplett, bis auch die Bühnenkulisse zerstört war. Nur gut, dass keine Waffen im Spiel waren, sonst hätte man sich vielleicht noch gegenseitig umgebracht.

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