So schön kann denken sein

von Redaktion

Lesung in der Galerie Markt Bruckmühl

Bruckmühl – Im Rahmen der aktuellen Ausstellung in der Galerie Markt Bruckmühl „WOrte“ mit Werken von Flavio Cury, Albert Coers und Günter Nosch fand eine „Poetische Lesung“ mit dem Künstler Günter Nosch und dem Wortkünstler Jochen Glaser statt. Trotz großer Hitze fanden sich zahlreiche interessierte Besucher ein.

Ist nicht Sprache selbst ein poetisches System? Reichen vielleicht schon zwei oder drei Worte, um ein kleines poetisches System zu schaffen? Wie sieht es aus „mit denken – vordenken – nachdenken“ oder etymologisch „glauben, loben, lieben“?

Humorvoll-geistreich brachten Nosch und Glaser Feinheiten rund um Sprache und ihre Bedeutung zu Gehör. Joachim Glaser, mit einem Kollegen kabarettistisch auch als „Geschmacksverstärker“ unterwegs, widmete sich zunächst der von Nosch für die Ausstellung gestalteten Vitrine mit dem Titel „Duden dichten“. Darin enthalten sind Spuren künstlerischer Arbeit wie Deckel von Farbtuben, Farbreste oder wie Nosch selbst sagt „malerische Habseligkeiten von den Tischen meiner Freunde“, die durch erfundene Namen, wie „Malmal“ verklärt oder speziell erklärt werden. Dem Lyriker als „Sprachingenieur“ geht es um Sprache, im Duden geht es um Struktur, weniger um Deutung. Die Struktur der Sprache aber spiegelt die Welt, in der sie entstanden ist. Dies brachte Nosch dann zu seinen Überlegungen „vom Wandern und Wandeln“. „So wie das Wort Wanderlust auf seiner Reise von der Deutschen Romantik in die amerikanische Gegenwart seine Bedeutung gewandelt hat, und sich heute mit Fernweh übersetzen lässt, wandelt sich alles, wenn es seinen Ort wechselt. So auch der Mensch, wenn er sich auf eine Reise oder eine Wanderung begibt.“ Auf philosophische Betrachtungen folgten heitere, an dadaistische Werke erinnernde Gedichte („So Du wo, so wo Du, wo Du so, Du so, wo, wo“). Zudem wurde der Abend ergänzt durch einen Text des deutschen Philosophen Hans-Georg Gadamer (1900 bis 2002), den Nosch aus dessen Buch „Die Aktualität des Schönen“ vortrug.

Zum Abschluss hatten die Künstler dann noch eine Frage an die Anwesenden: „Gehören Sie zu den Leuten, die eine gute Idee, um sie nicht zu vergessen, sofort aufschreiben – und sie dann vergessen? Oder gehören Sie zu den Leuten, die eine Idee im Kopf weiterstricken, fasziniert den Verästelungen Ihres genialen Einfalls folgen, also ohne viel zu denken, Ihren Gedanken nachhängen – und dabei die ursprüngliche Idee vergessen? Vermutlich macht beides kaum einen Unterschied, denn das Wichtigste ist in beiden Fällen die Wiederaufnahme des Gedankens innerhalb eines überschaubaren Zeitraums, denn: Ein jeder Weg, den der Kopf nimmt, kann zum Trampelpfad werden oder versanden.“ Mit temporeich von beiden Akteuren vorgebrachten Sprach-Spielen endete der Abend, der Hirn, Herz und Ohr bestens versorgte. So schön kann Denken sein.

Die Ausstellung „WOrte“ ist in der Galerie Markt Bruckmühl noch bis zum 19. Juli 2026 mittwochs von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

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