Ruhpolding – Zwei ungewöhnliche Künstler und ihre Werke bringt die Galerie Kaysser in Ruhpolding, die heuer ihr 20. Jubiläum feiert, in ihrer aktuellen Ausstellung „Natur im Blick“ zusammen: die Malerin Julia Belot aus Wiesbaden und den Fotografen Christian Heumader aus Bad Hindelang im Allgäu. Sie ist noch bis 30. August zu sehen. Einfühlsame Foto-Porträts von Alpbauern aus dem Allgäu stehen dabei Gemälden mit stimmungsreichen Blumen-, Tier- und Menschenporträts gegenüber.
Julia Belot hat Biologie und Kunst in St. Petersburg studiert und später Kommunikationsdesign in Wiesbaden, wo die gebürtige Russin seit Langem lebt. Werke der mehrfach preisgekrönten Künstlerin waren bundesweit in Ausstellungen, aber auch in Italien oder in der Schweiz zu sehen. Regelmäßig war sie zudem in Ruhpolding zu Gast. Der Fotograf Christian Heumader wuchs als Sohn eines Landarztes in Niedersonthofen im Allgäu auf, einem Bauerndorf mit einst 40 Höfen, von denen nurmehr fünf übrig sind. Zeit seines Lebens war der heute 73-Jährige fasziniert von altem Handwerk sowie bäuerlichen Erwerbs- und Lebensformen. Er lebte selbst als Hirte auf der Alp und hatte einen eigenen Bauernhof, bis dieser abbrannte und seinem Leben eine neue Richtung gab.
In der Folge fand er seine Bestimmung als einfühlsamer Fotograf und Dokumentar mit eigenem Verlag, der verschwindende Berufe und Lebensformen seiner Heimat in Schwarzweiß-Fotos mit beeindruckender Tiefe und in Büchern festgehalten hat. Damit schloss sich der Kreis zur Ausbildung als Fotograf an der renommierten Staatslehranstalt für Fotografie in München in seiner Jugend.
Was beeindruckt an der Ausstellung, ist die beinahe körperlich spürbare Unmittelbarkeit, Tiefe und Authentizität der Werke. Auf den ersten flüchtigen Blick verleitet die Hängung der präsentierten Fotografien und der Gemälde im Wechsel dazu, hauptsächlich die formal und inhaltlich bedingten Unterschiede zu sehen. Erst bei längerem Betrachten erschließen sich das reiche Innenleben, die tieferliegenden Botschaften und die sich ergänzenden Dynamiken der Arbeiten.
Julia Belot verbindet die analytisch-genaue Beobachtungsgabe der versierten Botanikerin mit dem Gefühl für poetische Ausdruckskraft. Wissenschaftlich fundierte Naturliebe und ein hochgradiger Naturalismus greifen dabei ineinander mit malerischer Gestaltungslust und dem Gespür für atmosphärische Nuancen. So entstehen Momente voller Lebendigkeit und Positivität. Ein üppig erblühter Busch weißer Heckenrosen etwa zeigt uns die Verschwendungssucht der Natur, während die Andeutung dunkler Gewitterwolken und einige vom kurzen Sturmregen ramponierte Blüten auf die Vergänglichkeit des Augenblicks verweisen.
„Ich mag Menschen, die etwas Unverstelltes haben“, sagt der Fotograf Christian Heumader. Diese Offenheit für den authentischen, ungekünstelten Moment, das passende Licht und die richtige Umgebung spiegeln auch seine meisterhaften Schwarzweiß-Bilder der Alpbauern und -bäuerinnen seiner Allgäuer Heimat wider. Ihre Gesichter werden gleichsam zu Landkarten des gelebten Lebens.
Als Spurensucher und vertrauensvoller Begleiter ist Heumader ganz nah bei den von ihm Abgebildeten und ihrem so entbehrungsreichen wie erfüllten Dasein. Eine starke atmosphärische Aufladung erfahren die Porträts durch die daneben gehängten Ausblicke in Gewitterlandschaften und sommerliche Schnee-Einbrüche oder einen von den Strahlen des Sonnenaufgangs verzauberten Besuch eines „Viehheilers“.
In und mit seinen Bildern bewahrt Heumader damit Menschen-Originale und Dinge, „die zum Teil jahrhundertlang Bestand hatten, vor dem Vergessen in einer Zeit rasanter Veränderungen“, wie er sagt. Die Ausstellung ist samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0170/4204108 geöffnet. Axel Effner