Großkarolinenfeld – Die Karolinenkirche Großkarolinenfeld hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Ort für zeitgenössische Kunst in der Region entwickelt. Nach ihrer umfassenden Sanierung dient sie heute nicht nur als Gotteshaus, sondern auch als Kultur- und Ausstellungsraum.
Doch warum öffnet sich die Kirche für zeitgenössische Kunst? Pfarrer Dr. Richard Graupner, Kunstbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Kirche für München und Oberbayern klärt auf: Über dem Eingangsportal des Ägyptischen Museums in München stehe der Satz „Jede Kunst war zeitgenössische Kunst“. Das, was man heute mit Kunst in Kirchen verbinde, sei leider sehr stark auf die Vergangenheit gerichtet. „Die Kirchen haben aber schon immer mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern zusammengearbeitet. Die guten Arbeiten sind geblieben und wirken jetzt ganz selbstverständlich. Zu Beginn haben sie oft auch irritiert und Widerstand hervorgerufen“, so Graupner. Kunst und Kirche setzten sich je auf eigene Weise mit den existenziellen Fragen des Menschen und der Zeit auseinander. Kunst verdichte, bringe auf den Punkt, hinterfrage, könne Sichtweisen verändern – eine Predigt versucht dasselbe mit anderen Mitteln.
„Goldregen später“ ist die aktuelle Kunstausstellung in der Karolinenkirche. Sie widmet sich dem Thema Gleichheit und den Lebens- und Arbeitsbedingungen von Künstlerinnen. Dabei verweist die Ausstellung darauf, dass viele Künstlerinnen aufgrund von Familie, Beruf und Care-Arbeit erst später die Möglichkeit haben, ihre künstlerische Laufbahn professionell zu verfolgen. Präsentiert werden Werke von Patricia Lincke, Ulrike Prusseit und Gabi Weinkauf. Die drei Künstlerinnen zeigen Malerei, Collagen, Objekte, Installationen und Videokunst.
„Wenn ich davon erzähle, dass wir eine Ausstellung haben von drei Künstlerinnen, die sich mit der Anerkennung von Frauen in der Kunstwelt und überhaupt in der Gesellschaft auseinandersetzen, kommt meist wenig Begeisterung auf“, erklärte Graupner. Aber wer die Arbeiten vor Ort sieht, ganz besonders den „Goldregen“, der von der Decke schwebt und nach dem die Ausstellung benannt ist, ist oft begeistert.
Besonders schön sind für den Pfarrer die Führungen mit Schülern. Die sind ganz offen und haben große Lust zu erforschen, was die Kunstwerke bedeuten könnten. Das beste Beispiel war ein Poetry Workshop vor Kurzem. Graupner: „Es ist mir ein großes Anliegen, dass Schüler in der Kirche eine Bühne bekommen, auf der sie ihre Meinung frei äußern können und ihnen zugehört wird. Das ist für mich auf einer Linie mit der Glaubensfreiheit, ohne die wir Evangelische nicht hier wären“. So stiftet der Förderverein Karolinenkirche für jede Kulturveranstaltung zehn Karten an Schüler, die von den Lehrern ausgewählt werden können.
Begleitend zur Ausstellung finden zahlreiche Veranstaltungen statt, darunter Künstlerinnengespräche, Konzerte und Führungen. Als Nächstes steht heute, Donnerstag, um 19.30 Uhr ein Jazzkonzert mit Stefanie Boltz an: „Female – Music made by Women. A journey through Centuries“.
Es folgt am Mittwoch, 15. Juli, um 19 Uhr ein Podiumsgespräch mit dem Titel „Wie kann Gleichstellung gelingen“. Teilnehmerinnen sind Katrin Alte (Bürgermeisterin von Anzing und Mitinitiatorin von „Bavaria ruft“), Dr. Tanja Keller (seit 2026 Präsidentin der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern) und Landkreis-Kulturreferentin Anke Hellmann. Die Moderation übernimmt Dr. Margit Huber, Vorsitzende Gedok München. An diesem Abend sollen anhand von Beispielen Wege gezeigt werden, wie Gleichstellung gelingen kann. Dabei sollen Frauen aus der Region auch die Möglichkeit haben, sich zu vernetzen. Werner Stache