Alternde Katze beschwört glorreiche Zeiten und hofft auf verheißungsvolles Morgen

von Redaktion

Bunter Liederstrauß aus Musicals und Pop – Gesangverein Ellmosen und gemischter Chor präsentieren sich bei „Neue Wege“ in Hochform

Bad Aibling/Ellmosen – Konrad Liebscher, hauptamtlicher Kirchenmusiker in Bad Aibling, verzichtete beim Sommerkonzert mit dem Gesangverein Ellmosen nicht nur auf geistliche, ja selbst nur weltliche Musik, sondern gestaltete mit Fingerspitzengefühl und Lust und Liebe eine poppige Mischung unter dem Motto „Neue Wege“. Die Schutzpatronin der Kirchenmusik, Santa Caecilia, gab offenbar nicht nur ihre Erlaubnis, sondern sogar ihren Segen.

Der Saal in Ellmosen war voll, und das erwartungsvolle Publikum auf ebenso Unterhaltsames wie Pfiffiges und Witziges mit Niveau eingestellt. „Neue Wege“ – das heißt auch, dass zur altgewohnten Männerchor-Riege Frauenstimmen mit ins Boot geholt wurden. Aku-stisch sicher ein Gewinn und ein verheißungsvoller Anfang, denn noch dominierten die Herren, die in großer Zahl für einen ebenso weichen wie schlagkräftigen Klang sorgten. Konrad Liebscher, der vom Klavier aus virtuos begleitete, hatte seine Sänger gut im Griff; die vielen rhythmischen Finessen wurden mit Präzision, aber auch mit Sinn für Komik zelebriert. Scheinbar unvermutete Einsätze waren kein Problem.

Vorsitzender Alois Hundhammer führte mit Charme und Humor durchs Programm, wobei etliche bekannte Stücke von den Zuhörern schon mit freudigem „Ahh!“ quittiert wurden. Der bunte Melodien-Strauß wurde sorgsam aus Klassikern der vergangenen 50 Jahre gebunden: „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens brachte die Hörer schier in Urlaubsstimmung. Und „Mein Ding!“ vom anderen Udo (der diesmal nicht den „Sonderzug“ nahm) war nicht ohne schelmische Selbstironie. Udo Jürgens forderte daraufhin: „Aber bitte mit Sahne“.

Nun weitete sich das Programm ins Europäische: Abba gab „Thank you for the music“ zum Besten. Der skurrile britische Humor fand in Monty Python einen beredten Anwalt. Man verstand zwar nicht den englischen Text, aber die Musik war „beredt“ genug! Da konnte man nur mit Milk & Honey wohlig seufzen „Halleluja“!

Nach etlichem Englisch führte Bill Ramseys „Die Zuckerpuppe“ die deutschen Lieder an, und Reinhard Mey entführte uns hoch hinauf bis über die Wolken, während die Kölner Gruppe „Höhner“ behauptete „Wir halten die Welt an“.

Rührend dann, als die Herren in die Rolle der alternden Katze schlüpften und in „Memory“ von Webber alte glorreiche Zeiten beschworen und auf ein vielleicht verheißungsvolles Morgen hofften.

Und dann ging’s noch bunt durch die Welt von Film und Musical: Frohgemut zog die „Biene Maja“ ihre Pirouetten und Elton Johns „König der Löwen“ kam kurz zu Wort mit „Hakuna matata“ und schließlich bekamen die Damen des Chors rote Rosen. „Vielen Dank für die Blumen“ von Udo Jürgens bildete den offiziellen Abschluss des Abends.

Zu bewundern die stimmliche Standfestigkeit des Chors: Ohne Ermüdungserscheinung über eine Stunde zu singen, dazu gehört eine gute Portion Stimmbildung – und Begeisterung! Man hofft natürlich auf eine weitere Expansion des „gemischten“ Anteils: Die Damen hatten jedenfalls ihre Bewährungsprobe glänzend bestanden. Und der nimmermüde Konrad Liebscher ließ es sich nicht nehmen, als weitere Zugabe eine aberwitzig verjazzte „Elise“ frei nach Beethoven beizusteuern, die dem Maestro ein Maximum an akrobatischer Klaviertechnik abverlangte. Walther Prokop

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