„Stürmische Zeiten“ im Feuerwehrhaus

von Redaktion

Vielseitige Mitgliederausstellung im Kunstverein Bad Aibling

Bad Aibling – Unter den 45 Exponaten der Ausstellung „Stürmische Zeiten“ berührt die kleine, eher unauffällige Schwarz-Weiß-Fotografie von Hildegard Manzke nachhaltig. Es ist ein Frauenantlitz, das auf den ersten Blick tränenüberströmt wirkt. Bei genauem Hinsehen ist es wohl eher eine beschlagene, mit Regen benetzte Fensterscheibe, hinter der das Frauengesicht unscharf zu sehen ist. Aber die Dramatik ist die Gleiche. Die Arbeit trägt den Titel „Die Seherin“ und lässt ahnen, welche Tragödie diese mit dem Sehen begabte Frau auf uns zukommen sieht.

Der beschränkte
Blick auf die Welt

Christine Schönmetzler schafft mit ihrer Installation einer Stehlampe, die mit Blätterpapier umhüllt ist, die Aussage, dass uns das ständige Benutzen des Handys wie ein Schutzwall umgibt. Denn von Handy einschließlich KI erfahren wir nur die Dinge, die wir erkunden wollen. Wir können alles andere „aussperren“. Das führt zu einer beschränkten Sicht auf die Welt, in der das Bedrohliche nicht unbedingt sichtbar ist. Ein Ausschnitt in dem Blätterpapier zeigt die wesentlichen Elemente: die starr fokussierten Augen, das Handy und die Hand, die es hält.

Rupert Dorrer spricht in seinem altmeisterlich gemalten Bild die politische Situation direkt an: die Dollarnote ist zerrissen, das Vertrauen verschwunden, das Wort „Frieden“ steht auf dem Kopf. Bernadette Möllmann hat mit erstmals von ihr verwendeten Tinten die Kraft des Wassers überzeugend dargestellt. Und die jungen Bäume von Gunnar Matysiak neigen sich im Sturm. Wie immer sind Matysiaks Naturgestalten mit Bleistiftstrich feinst und genau gezeichnet.

Ingeborg Benninghoven hat aus Metall zwei dürre menschliche Figuren im Stil von Giacometti geschaffen, die gegen einen Sturm anrudern, nahezu hilflos im Wind treibend.

Jürgen Gössl sieht die stürmischen Zeiten in Gestalt einer schwarzen Wolke aufziehen, die sich über dem Dach eines Hauses ausbreitet, ein wahrhaft bedrohliches Szenario, das gerade wegen seiner naturgetreuen Malweise beängstigend wirkt. Und weil es sofort die Erinnerung an einige Unwetterkatastrophen der vergangenen Jahre heraufbeschwört.

Da ist doch die kleine Bronzefigur von Willi Zimmer tröstlich, ein Mann, der sich mit einem – noch geschlossenen – Regenschirm gegen kommendes Unwetter wappnet. Er scheint zu sagen, dass mit einer Portion Gleichmut und einer vernünftigen Vorsorge manche Katastrophe in Schach zu halten ist. In Annette Dobersteins Werk, mit Asche, Acryl und Papier gestaltet, geht Gefahr von einer violetten Wolke aus. Eine Frauengestalt wendet sich dieser Gefahr zu, um sich ihr zu stellen und sie zu überwinden.

Facettenreich und mit viel gestalterischem Können aufbereitet ist diese Präsentation und lässt Spielraum für Gedanken und Gespräche. Dazu kommen durchgehend gelungene Kurztexte, die vom jeweiligen Künstler selber verfasst wurden.

Bis 2. August

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