Die Klangfülle der Opern und Rutters berührende Hymne

von Redaktion

Bad Reichenhaller Philharmoniker und Chöre aus Rosenheim musizieren unter Leitung von Felix Spreng

Bad Reichenhall/Rosenheim – „Opera grande“ hieß es beim Sinfoniekonzert der Bad Reichenhaller Philharmoniker zusammen mit dem Chor des Liederkranzes Rohrdorf, dem Kinder- und Jugendchor Apostelkids und Apostelsingers Rosenheim unter der Leitung von Felix Spreng. Er dirigierte das Mammutprogramm von 16 Werken komplett auswendig und hatte außer dem Orchester den rund 60-köpfigen Chor sowie die Kinder jederzeit fest im Blick – und die Musik in sich. Als ehemaliger Stipendiat des Richard-Wagner-Verbands München wusste Spreng an diesem Abend auch einige Mitglieder dieser Gesellschaft im Publikum.

Den feurigen Auftakt machte die Suite Nr. 1 aus „Carmen“ von Georges Bizet, die sofort spanisch-exotisches Flair in den Saal zauberte. Von Bizet stammte auch „Avec la garde montante“, der weltberühmte Kinderchor aus dem ersten Akt der Oper. Hier imitieren Straßenkinder singend die Wachablösung der Soldaten. Die Chorkinder marschierten rhythmisch auf die Bühne und glänzten neben ihrer stimmlichen Präzision mit einer charmanten Choreografie. Aus Bizets „L’Arlésienne Suite Nr. 2“ erklang zudem die „Farandole“ – ein effektvoller, stürmischer Satz, der das Publikum mit seiner orchestralen Wucht mitriss.

Aus Richard Wagners Schaffen war der majestätische „Einzug der Gäste auf der Wartburg“ aus „Tannhäuser“ zu hören, gefolgt von dem strahlenden, hochexplosiven Vorspiel zum dritten Akt von „Lohengrin“.

Die deutsche Romantik war ebenfalls glänzend vertreten: Der beschwingte, volkstümliche „Jägerchor“ aus Carl Maria von Webers „Freischütz“ sorgte für dynamische Kontraste, während der „Abendsegen“ aus Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ – hier wieder innig und berührend vom Kinderchor getragen – für einen intimen Gänsehautmoment sorgte.

Ein Schwerpunkt lag auf dem Schaffen von Giuseppe Verdi. Nach der dramatischen Ouvertüre zur Oper „Nabucco“ folgte der berühmte, sehnsuchtsvolle Gefangenenchor („Va, pensiero“). Daran schlossen sich der rhythmisch packende Zigeunerchor aus „Der Troubadour“, der imposante Triumphmarsch aus „Aida“ und schließlich das mitreißende, lebensfrohe Trinklied („Brindisi“) aus „La Traviata“.

Das hochemotionale „Intermezzo sinfonico“ sowie der von sizilianischer Frühlingsluft erzählende „Orangenchor“ aus Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ beschlossen den Reigen der großen Opern mit ihrer enormen Klangfülle und dem Spagat zwischen mediterraner Idylle und dramatischen Konflikten.

„Nach den großen Szenen der Oper wollen wir mit Demut und Dankbarkeit auf die Welt blicken und auf die Wunder, die uns jeden Tag aufs Neue begegnen“, leitete Felix Spreng zum letzten Programmpunkt von John Rutter „Look at the World“ über. Diese geistliche Hymne mit den strahlenden Kinderstimmen und dem hoffnungsvollen Chorklang setzte den perfekten, harmonischen Schlusspunkt unter einen denkwürdigen und leidenschaftlichen Musikabend. Brigitte Janoschka

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