„Im Sommer, da is lustig…“
„Lieder in Corona-Zeiten“, EBES 2021/57 (Notenschrift EBES-Volksmusik).
Aus der Volksmusikpflege Volkslieder, die den Sommer besingen, aus drei Jahrhunderten (Teil 2)
Die Rückmeldungen und Fragen der Leser auf den Beitrag vor 14 Tagen über „Sommerlieder“ waren hochinteressant: Von Hinweisen auf eigene Lieder mit Bezug zum Sommer bis hin zu historischen Balladen reichte der Bogen – und natürlich auch die Fragen nach den ganzen Liedern, von denen jeweils eine Strophe abgedruckt war. Hier folgt nochmals die Adresse, unter der man nicht nur diese Lieder erhalten kann: „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ (Pfarrweg 11, 83052 Bruckmühl, Telefon 08062/8078307, E-Mail: ernst.schusser@heimatpfleger.bayern). Gern kann man auch ein Druck-Exemplar der kostenlosen „Volksmusik-Zeitung“ bestellen – mit vielen Terminen, Liedern, Melodien und Beiträgen zur überlieferten Volksmusik, vor allem im östlichen Oberbayern, also in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Altötting, Mühldorf, Traunstein sowie Stadt und Landkreis Rosenheim.
Vor 14 Tagen haben wir mit dem Lied „I hab scho drei Summa mirs hoamgeh vorgnumma“, das Ulrich Halbreiter (München 1839) in seinen künstlerisch gestalteten Liedblättern veröffentlicht hat, geendet. Gehen wir noch weiter zurück. Seit dem 18. Jahrhundert ist die Ballade „Graf und Nonne“ im ganzen deutschsprachigen Raum verbreitet: Ein edler Herr hat einer nicht begüterten jungen Frau die Ehe versprochen – als er sein Versprechen nicht einhält, bestraft sie ihn und geht ins Kloster. In den alten Liedern ist der Gang ins Kloster eine weitverbreitete Form, sich dem Wortbrüchigen zu entziehen, der vorhatte, vielleicht später zu der Frau zurückzukehren. Die Ballade in der Sammlung von Karl und Grete Horak (1929) beginnt mit:
„Du hast gesagt, du heiratst mich,
gleich wenn der Sommer kommt.
Der Sommer ist gekommen,
du hast mich nicht genommen.“
Beim Balladensingen am Stadtplatz in Mühldorf am Samstag, 18. Juli, von 10 bis 12 Uhr erklingt diese Geschichte in voller Länge. Die letzte Strophe beinhaltet eine Lehre für die Männer:
„So gehts den Junggesellen,
welche trachten
nach Geld und Gut.
Sie hätten gern schöne Weiber,
aber keine wär reich genug.“
Das sommerliche Heiratsversprechen findet sich auch in anderen Liedern, losgelöst von der Ballade. Und immer wird es nicht eingehalten, so wie im Lied „Es flogen 2 Schwalben aus Morgen“, das Dagmar Held in den 1980er-Jahren im Kesseltal aufgezeichnet hat:
„Sagst alleweil: im
Sommer, im Sommer,
da heiratst du mich!
Der Sommer, der ist kommen, du hast mich nicht genommen.“
Auch in der Sammlung vom Kiem Pauli (1882 bis 1960) sind viele Lieder zu finden, die den Bezug zum Sommer oder den Jahreszeiten haben. Ein Leser hat uns auf das Lied vom „Tannabam“ aufmerksam gemacht. Das Lied reicht – nach Kiem Pauli – in den belegbaren Fassungen bis ins Jahr 1590 zurück und ist in vielen Landschaften (beispielsweise in Schlesien, im Odenwald, in Paderborn oder auch in der Schweiz) überliefert. Der Kiem Pauli veröffentlicht es 1934 mit der Anmerkung: „…meine Fassung stammt aus dem Chiemgau“:
„ O Tannabam, o Tannabam,
deine Wurzln san allerweil naß!
Im Winter, da sind
sie mit Schnee bedeckt
und im Sommer
mit Laban und Gras.“
Kehren wir von den über Jahrhunderte zurückverfolgbaren Liedern in die Gegenwart zurück. Das Lied „Im Sommer, da is lustig“ haben wir in unserer Aktion „Lieder in Corona-Zeiten“ für Kinder und Familien 2021 veröffentlicht (siehe Melodie). Da geht es um die Freuden, die das Baden im Sommer bedeutet und was da alles los ist bei der Jugend:
„1. Im Sommer da is lustig,
im Sommer da is sche,
da gehn mir gern zum
BadenimSchwimmbad
oder See.
2. Aus Bretta und aus Tonnen
baun mir a Floß uns zam.
Dann fahrn ma aufm Wasser,
weil mir Piraten san.
3. Und fallst du nei ins Wasser
und nimmst an großen Schluck,
dawischt dabei a Fischal –
na speibst as wieder zruck.
4. Vom Turm, da spring ma oba
mitn Kopfsprung,
wer si traut.
De anda macht an Salto,
wia da de Leit ham gschaut.
5. Und oana, der nimmt Anlauf,
er is scho ganz dahitzt.
An Arschbombn,
de macht er glei,
dass ‘s Wasser
hoch aufspritzt.“
Gern schicken wir Ihnen die vollständigen Lieder. Wir freuen uns auch, wenn Sie uns auf andere Sommerlieder aufmerksam machen. Vielleicht gibt es ja auch einen dritten Teil in 14 Tagen.