Brannenburg – 80 Jahre waren Roland Leistner-Mayer vergönnt, um ein vielgestaltiges Oeuvre zu schaffen, das ihn unter die großen deutschen Komponisten einreiht. Geboren wurde er am 20. Februar 1945 in Graslitz, heute Kraslice, in Böhmen. Nach der Vertreibung wurde die Familie ansässig in Vohburg an der Donau.
Seinen musikalischen Weg musste er sich erkämpfen: Eine Lehre als Zahntechniker und die Bundeswehr waren Bremsen, bis er schließlich an der Musikhochschule München bei Harald Genzmer und Günter Bialas Komposition studieren konnte. Sein 1. Streichquartett war dem Andenken von Leoš Janácek gewidmet. Damit war das große Vorbild für Leistner-Mayer anvisiert. Aber der Jüngere wurde kein Epigone, Janácek wies ihm den Weg zu einer emotionalen Musik, die den Hörer packt, ihm fast etwas wie „Lebenshilfe“ bietet.
Der Dirigent und kenntnisreiche Musikpublizist Christoph Schlüren meint, Leistner-Mayer hinterlasse ein reiches Werk, „das von Dringlichkeit und innerem Ringen, von Humor und Schwermut, von Kapriziosität und Intensität gekennzeichnet ist. Seine 3. Symphonie „Das weiße Requiem“ gehört zu den Hauptwerken der deutschen Musik des ausgehenden 20. Jahrhunderts, seine Kammermusik und Streichorchesterwerke gehören zum Substantiellsten der vergangenen Jahrzehnte in diesem Land.“
Roland Leistner-Mayer ging es um seine Musik. Zurückgezogen lebte er lange Jahre in Brannenburg. Selbstdarstellung oder gar Selbstinszenierung waren ihm fremd, ja zuwider. Dennoch wurde er vielfach geehrt. Seine Werke wurden von namhaften Interpreten aufgeführt, nicht nur seine großartigen Streichquartette sind auf CD nachzuhören. Im vergangenen Jahr wurde seine geniale Suite für Flöte und Klavier op.62 im Rahmen eines Geburtstagkonzerts in Traunstein und Rosenheim durch den südostbayerischen Tonkünstlerverband aufgeführt. Zum 80. Geburtstag widmete dem Komponisten der Bayerische Tonkünstlerverband eine Monographie.
1999 heiratete er die Hackbrettvirtuosin Heidi Ilgenfritz, die ihn anregte, etliche Werke für dieses keineswegs nur der Volksmusik zugehörige Instrument zu schreiben. Zu einer sehr originellen, ja eigentlich schon grimmigen Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens wurden 2011 die „Sieben tapferen Klavierstücke“ op. 140. Es beginnt mit „Damals“, die Frage „Wozu“ bedrängt den Komponisten, doch mit Galgenhumor versucht er seine Ängste wegzuwischen: „Dnalor lacht“ (Das ist „Roland“ rückwärtsgelesen!). Das letzte Stück ist lakonisch überschrieben „Auf dem Brett“. Roland Leistner-Mayer ist nach längerer Krankheit am 17. Juni verstorben. In seiner Musik hat er uns seine Seele hinterlassen.Walther Prokop