Bad Aibling – Man sollte meinen, dass an solch einem heißen Sommertag die Menschen woanders zu finden sind als in einer Galerie. Nein, es war voll bis auf den letzten Platz in der Villa Maria, als sich die beiden Referenten am vergangenen Sonntag zu einem „Bildfindungs-Gespräch“ zusammenfanden. Und die Zuhörer waren voll Interesse mit dabei, als Gerhard Schebler, ehemaliger Assistent von Professor Horst Sauerbruch, und Dr. Bernd Vigener, Psychiater, ihr Gespräch begannen. Die Ausstellung „Das Fest“ geht nach viel Beachtung durch die Besucher zu Ende. Feste waren für Horst Sauerbruch sehr wichtig, sie fanden regelmäßig nach guter Vorbereitung in den Räumen der Akademie statt. Aber wenn das Fest dann seinen Lauf nahm, zog sich der Initiator zurück, wusste Schebler zu berichten. Bernd Vigener kam auf die Rahmen der Bilder zu sprechen. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Bilder korrekt gerahmt, erst durch einen Rahmen erhält ein Bild seine endgültige Form, sind beide mit dem Maler einer Meinung. Sauerbruch tat sogar noch einen weiteren Schritt, er bemalte die Rahmen als Fortsetzung seines Bildes mit. Schebler wusste in Ergänzung dazu: Sauerbruch spielte mit den Rahmen, ja sogar die Rahmen historischer Ikonen bemalte er.
Beide Referenten konstatierten, dass Sauerbruchs Bilder eine enge Nähe zur Musik haben. Das erörterten sie am Beispiel eines sehr großen Hinterglasbildes, auf dem ausdrucksstarke Elemente, einer Partitur ähnelnd, gesetzt sind. Noch einen weiteren Umstand erwähnten beide: Sauerbruch war jedes Ding zum Bemalen willkommen. Gebrauchte Gegenstände liebte er, ob Arbeitshandschuhe, „Würstlteller“, Putzlappen oder eine Suppenkelle, vielen Gebrauchsgegenständen hauchte er durch Bemalung ein neues Leben ein und verlieh ihnen auf diese Weise ein Weiterbestehen. Er holte deren Geschichten mit ins Bild. Und Schebler erinnerte sich, dass Professor Sauerbruch gerne mit besonders dicker Feder eines Füllhalters schrieb. So war es ein Leichtes, das Geschriebene kaum merkbar in eine Zeichnung übergehen zu lassen. Malen war für Sauerbruch körperliche Arbeit mit allen Sinnen. Die Präsentation „Das Fest“ war die fünfte Ausstellung von Sauerbruch in der Villa Maria. Drei davon fanden zu seinen Lebzeiten statt, zwei nach seinem Tod am 16. Oktober 2021, kurz nach seinem 80. Geburtstag. Seine Witwe ist zu allen Präsentationen anwesend und ist froh und dankbar, dass die Arbeiten ihres Mannes so wertgeschätzt werden. bö