Stampfende Rhythmen, ruhige Flächen

von Redaktion

Überwältigender Auftakt zum Tanzsommer 2026 im Theater Wasserburg

Wasserburg – Es gibt Abende, die den eigenen Horizont erweitern. Der Auftakt des Tanzsommers 2026 im Theater Wasserburg war gerade für einen wenig erfahrenen Besucher des Tanztheaters ein überwältigender Solcher. Die zweite Auflage des Festivals der Fördergemeinschaft Tanzkunst zeigte die Vielfalt und das beachtliche Niveau zeitgenössischen Tanzes in unserer Region. Langer Applaus von einem Publikum aller Generationen belegten die Begeisterung.

Uta Ziegler und Roberta Ragonese präsentierten einen Abend mit klarer dramaturgischer Handschrift: Die einzelnen Beiträge wirkten aufeinander abgestimmt und inhaltlich miteinander verwoben. Sie kreisten um Fragen nach Selbstbild, Gemeinschaft und dem Blick der anderen und entwickelten diese Themen aus unterschiedlichen Perspektiven weiter.

Starker Eindruck,
enorme Wirkung

Den stärksten Eindruck hinterließ der Auftakt. „Inside“ der #mkmdanceCREW unter Leitung von Maximilian Adekunle Neumayer entwickelte enorme Wirkung. Die Tänzerinnen und Tänzer formten mit beeindruckender Präzision immer neue Konstellationen: Gruppen verdichteten sich, lösten sich auf, Einzelne traten hervor und fanden ins Kollektiv zurück.

Synchronität und Individualität bedingten und kontrastierten einander. Spiegel machten das zentrale Motiv sichtbar: Selbstbild und Fremdbild begegneten sich unmittelbar.

Fließende, beinahe schwerelose Passagen gingen in kantige, kraftvolle Bewegungen über, stampfende Rhythmen wechselten mit ruhigen Klangflächen und elektronischen Sequenzen. Technisch war die Performance außerordentlich präzise. Das Ensemble erreichte bemerkenswerte Geschlossenheit und ließ gleichwohl einzelne Persönlichkeiten sichtbar bleiben.

Der zweite Programmblock gehörte den Jungen Choreografinnen. Das Hip-Hop-Duo Leilani Arnold und Mailien Sommer überzeugte mit Dynamik, exakter Abstimmung und überraschenden Richtungswechseln. Aus fast spielerischen Bewegungen entstanden kraftvolle, raumgreifende Sequenzen.

In „Choice“ entwickelten Luca Anna Bröder, Rosalia Korzenszky und Laura Nadler aus einem schlichten Stuhl eine Studie über Entscheidungen, Möglichkeiten und Veränderung. Das Requisit wurde dabei zum Ausgangspunkt wechselnder Konstellationen, in denen sich auch Freundschaft und gegenseitiges Stärken spiegelten.

Den emotionalsten Akzent setzte Mayumi Hanusch mit dem Solo „Reflection“. Es begann in Stille und zeichnete den Weg vom inneren Satz „Ich bin nicht gut genug“ über Selbstzweifel und inneren Kampf hin zu Selbstannahme und dem Gedanken „Ich bin genug“. Als Gegenspieler fungierte ein als Spiegel angedeuteter Türrahmen, den die Tänzerin platzierte und der zugleich sie zu platzieren schien.

Darin liegt eine besondere Qualität des ContemporaryTanz: Er erzählt mitnichten zwingend eine eindeutige Handlung, sondern überlässt dem Zuschauer die eigene Geschichte. Dergleichen ist keine Schwäche, sondern erzeugt ebenso viele Deutungen, wie Menschen im Zuschauerraum sitzen.

Mit „Im Moment“, konzipiert von Melanie Feller und Stefanie Scheidler, fand der Abend einen zunächst ruhigen, später zunehmend kraftvollen Abschluss. Harmonische Bewegungsbögen trafen auf beinahe mechanische Abläufe, Gruppen formierten sich zu lebenden Skulpturen. Immer wieder schien die Gruppe Einzelne voranzutreiben oder zu bedrängen, bis diese aus dem Kollektiv ausbrachen und nach eigener Bewegung, Individualität und Selbstverwirklichung suchten.

Stühle, ein beweglicher Scheinwerfer und ein Tuch prägten einzelne Szenen. Das Spiel aus Licht und Schatten veränderte die Wahrnehmung von Körper und Raum. Manche Sequenzen besaßen eine solche Eleganz, dass man ihnen füglich länger hätte folgen mögen.

Nik Mayr verantwortete Technik und Licht mit feinem Gespür. Kräftige Farben unterstrichen Energie und Dynamik, nuancierte Lichtstimmungen schufen Intimität und Nachdenklichkeit.

Sehr ruhige Klangflächen wechselten mit rhythmischen und elektronischen Passagen; das Licht rahmte Musik und Choreografie immer wieder neu.

Außergewöhnlich
starkes Festival

Das Festivalmotto „Wenn Bewegung zur Sprache wird und Tanz Geschichten erzählt“ erwies sich als treffend. Die Geschichten entstanden auf der Bühne und vollendeten sich in den Köpfen des Publikums.

Mit seiner zweiten Ausgabe hat der Tanzsommer den Charakter eines außergewöhnlich starken Festivals gewonnen. Künstlerische Qualität, präzise technische Arbeit und starke Ensembles zeigten, welches Niveau die freie Tanzszene der Region erreicht hat.

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