Theaterereignis mit neuer Besetzung und Happy End

von Redaktion

Die Ritterschauspiele Kiefersfelden starten Anfang August in eine neue Saison

Kiefersfelden – Wenn sich Anfang August die Türen des Theaterhauses öffnen, verwandelt sich das Inntal für einige Wochen in eine Bühne, auf der sich Geschichte, Handwerk und Dorfgemeinschaft zu einem besonderen Theaterereignis verbinden. Seit 1618 werden die Theaterstücke hier aufgeführt, und auch in diesem Jahr bleibt die historische Drehkulissenbühne das Zentrum eines Rituals, das sich dem schnellen Wandel entzieht. Das Ritterdrama „Ubald von Sternenburg oder: Der Rächer am Totensarg“, 1890 erstmals inszeniert und seitdem siebenmal in Kiefersfelden gespielt, kommt 2026 in einer neu bearbeiteten Fassung auf die Bühne. Der ursprünglich vieraktige Text wurde zu einem Dreiteiler verdichtet, der das Publikum rund zwei Stunden lang durch Liebe, Intrigen und moralische Läuterung führt. Spielleiter Wast Bleier hat die Inszenierung in diesem Jahr neu ausgerichtet und die Hauptrollen mit Darstellerinnen und Darstellern besetzt, die in den vergangenen Spielzeiten Nebenrollen übernommen hatten. Das Ensemble umfasst nun 63 Mitwirkende auf der Bühne, unterstützt von rund 40 Helferinnen und Helfern hinter den Kulissen, die für Licht, Kostüme, Musik und die Mechanik der Drehkulissen sorgen. Diese große Theatergemeinschaft trägt die Aufführungen und verleiht dem Stück jene Lebendigkeit, die seit Generationen zum Markenzeichen der Ritterschauspiele gehört. Die Atmosphäre im Theaterhaus entsteht aus der Mischung von handwerklicher Präzision und bewusst gepflegter Einfachheit.

Wenn die Kulissen von Hand gedreht werden, ist das Knarren der Mechanik ebenso Teil des Erlebnisses wie die hochdeutsche Diktion der Darsteller, die dem Stück jene Distanz verleiht, die es vor unfreiwilliger Komik schützt. Der Kasperl – in diesem Jahr als Diener Ciprian – sorgt mit seinen gereimten Liedern und bayerisch-tirolerischen Kommentaren für die volkstümliche Verbindung, die seit jeher Teil des dramaturgischen Konzepts ist. Trotz aller Tradition bleibt das Theater nicht stehen: Die behutsame Kürzung des Stücks, die Neubesetzungen und die stetigen technischen Verbesserungen im Haus zeigen, dass die Ritterschauspiele ein lebendiges Projekt sind. Michael Dünkel, Vorsitzender der Theatergesellschaft, kündigt zudem an, dass es „in diesem Jahr wieder ein Happy End“ geben werde – ein Hinweis, der das Publikum auf eine versöhnliche Schlusswendung hoffen lässt.

Die Ritterschauspiele 2026 verbinden damit erneut Bewahrung und Erneuerung. Sie zeigen, warum Kiefersfelden ein Sonderfall in der bayerischen Theaterlandschaft ist: ein Ort, an dem Tradition nicht museal konserviert, sondern lebendig weitergegeben wird. Gespielt wird an allen Wochenenden zwischen dem 1. und 30. August, der Auftakt findet am Samstag, 1. August, um 17 Uhr statt. Karten sind im Vorverkauf über die Kaiser-Reich-Information erhältlich, telefonisch unter 08033/976545 oder online bei Yes Ticket. Volkhard Steffenhagen

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