Turbulenzen mit Witz und Charme

von Redaktion

Premiere von Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ in Maxlrain

Maxlrain – Eine flotte und stimmige Inszenierung ist der Opernbühne Maxlrain mit Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ gelungen. Unter der musikalischen Leitung von Chariklia Apostolu und der Regie von Andreas Wiedermann durfte das Premierenpublikum in der leider nicht ganz voll besetzten Reithalle einen hochkarätigen bunten Sängerreigen erleben.

Schwungvoll
und geschmeidig

Schwungvoll und geschmeidig spielte das Orchester die Ouvertüre, zu der bereits pantomimisch einzelne Personen auf die Bühne traten. Gut besetzt war Matthias Bein als jugendlich-stürmischer Figaro, der mit seiner Angebeteten Vorbereitungen zu seiner Hochzeit trifft und das Schlafzimmer ausmisst. Seine Arie „Will mein Herr Graf den Tanz mit mir wagen?“ intonierte er mit mutigem Selbstbewusstsein.

Keck und charmant sang Saskia Maas mit klangschönem Sopran als umworbene Susanna, die sich den Zudringlichkeiten des Grafen Almaviva erwehren muss. Stimmlich betörte Page Cherubino (Zsófia Mózer), den der Graf entlassen will, weil er ihn mit Barbarina (Sophie Schneider) überrascht hat. Cherubino, der öfter die Verkleidung wechseln musste, sah im Kampfanzug als Leutnant mit Gewehr allzu martialisch aus. Wunderschön klang seine Arie „Ich weiß nicht, was ich bin, was ich tue“, für die er Szenenapplaus erhielt. Cherubinos Geständnis seiner Leidenschaft zu den Frauen mit der Arie „Sagt, holde Frauen“ ergriff die Hörer.

Brett Pruunsild spielte überzeugend den stattlichen Grafen Almaviva. Sein mächtiger Bariton kam modulationsreich zur Geltung, als er wütend aus seinem Versteck kommt und den Pagen verhört, ihn zum Offizier befördert und dann höhnisch verabschiedet. Witzig war der Auftritt von Musikmeister Basilio (Virgil Hartinger) in elegantem Anzug mit Zylinder, der für den Grafen bei Susanna wirbt und durch große physische und stimmliche Beweglichkeit beeindruckte.

Gräfin Almaviva (Karolina Plicková) bannte das Publikum nicht nur mit ihrem starken, glockenreinen Sopran, sondern auch durch ihre Entschlossenheit, den Grafen zu beschämen. Für die Arie „Wohin fliegen die schönen Stunden?“, in der sie die Untreue ihres Gatten beklagt, bekam sie extra Applaus. Als sich herausstellt, dass Bartolo und Marcellina (stimmlich ansprechend Mario Klein und Christa Ratzenböck) Figaros Eltern sind, wird sein Eheversprechen an Marcellina hinfällig. Nach wilden Verwechslungen und Turbulenzen, Liebeserklärungen und Ohrfeigen für die Falschen verzeiht die Gräfin schließlich ihrem leichtfertigen Mann. Susannas und Figaros Hochzeit steht nichts mehr im Weg.

Mit Herzblut sang der Chor der Landbevölkerung und der Bediensteten. Geschickt arrangiert für die vielen Szenenwechsel war das angenehm nüchterne, transparente Bühnenbild mit Blick hinter die offenen oder geschlossenen Türen. So konnte das Publikum gut verfolgen, wer gerade lauschte und wer sich versteckte.

Akkubohrer
als Pistole

Der Einsatz von Laptop und Handy bildete zur eher altmodischen Kostümierung allerdings einen gewissen Kontrast. Lustig war mancher Effekt, etwa, als der Graf zur Bedrohung einen Akkubohrer wie eine Pistole einsetzt. Leider wurden die Texte der Arien als Untertitel nur fragmentarisch aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt.

Eine beeindruckende Schlussszene mit farbig flackerndem Licht beendete einen kurzweiligen Premierenabend, für den alle Beteiligten lang anhaltenden Applaus erhielten. Ein Besuch von „Die Hochzeit des Figaro“ in Maxlrain lohnt sich.

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