Moor und Moos, Filz und Filzn

von Redaktion

Das -n am Schluss kann im Bairischen die Mehrzahl ausdrücken, aber auch die Einzahl

München – „Für was für Ortsnamen in Tirol interessieren Sie sich denn besonders stark?“, fragt die freundliche Mitarbeiterin am Rückgabe-Schalter der Bayerischen Staatsbibliothek. Sie hatte gerade drei Bücher von Karl Finsterwalder und ein Opus von Peter Anreiter zurückgebucht, die in ihren Titeln deutlich auf „Tiroler Namenkunde“ hinweisen. „I stamm‘ nämlich aus Tirol“, gibt sie zu verstehen.

Der OVB-Autor nennt daraufhin Orts- oder Landschaftsnamen, die das Wortelement „Filz“ oder „Filzen“ haben. Sofort nennt die junge Tirolerin „Unterfilzen“. Sie spricht sogar – im Einklang mit Peter Anreiters wissenschaftlicher Präsentation – die lokale Aussprache dieses Ortes richtig aus: „Unterfuizn“! Aber auf die Frage, ob sie wisse, was Fuizn oder Filzen bedeute, kam nur bedauerndes Kopfschütteln. Ja mei. Empfehlen wir der jungen Bibliothekarin, einen Blick in den „Bairischen Duden“ zu werfen, nämlich in den „Schmeller“ (= Johann Andreas Schmeller, Bayerisches Wörterbuch, Spalte 717): „Die Filzen (Filzn) und der Filz, (b. Oberland) Moos oder Moorgrund, mit Gesträuch, besonders mit sogenannten Filzkoppen, einer Art Legföhre, bewachsen“. Schmeller führt sogar ein Zitat an, das zu unserer Region bestens passt: „Es hält die Kolberfilze, die mit der Aiblinger Elmoserfilze zusammenhängt, gegen 3.000 Tagwerk.“

Der Duden dagegen hat keinen Eintrag mit dem Lemma „Die Filzen (Filzn) und der Filz“. Kein Wort also zum Filz als Moorgrund oder Moos. Selbstverständlich hat der Duden aber den Eintrag „Filz“ und schreibt hierzu: „Der aus Haaren oder Wollfasern zusammengepresste Stoff heißt mittelhochdeutsch vilz, althochdeutsch filz (…). Das westgermanische Wort, aus dem mittellateinisch filtrum „Durchseihgerät aus Filz“ (Filter) entlehnt ist, bedeutet eigentlich „gestampfte Masse“.“

Natürlich stammt unsere weibliche Filze oder Filzn oder Fuizn von dem männlichen Filz oder Fuiz her; aber ihre Bedeutung als Moos und Moorgrund wird halt eben im Duden nicht erwähnt. Bleibt noch die Frage, ob „Filzen“ oder „Filzn“ eine Einzahl oder eine Mehrzahl darstellt.

Vergleichen wir die neuesten Pressemitteilungen miteinander: „Nach dem Moorbrand in den Damberger Filzen“, „Waldbrand beim Damberger Filz“, „Moorbrand in der Damberger Filze“. Wer hat es richtig geschrieben?

Der Damberger Filz ist klar ein Singular; daher kann ebenso klar beantwortet werden: „Moorbrand in der (!) Damberger Filz“ ist richtig, „in den Damberger Filzen“ ist falsch. Es gibt nur eine Damberger Filzen, Filze, Filzn oder Fuizn. Weitere bekannte Beispiele für die bairische Einzahlform wären die Sterntaler Filzn in der Gemeinde Bad Feilnbach und die Kendlmühlfilzn zwischen Grassau, Rottau und Übersee.

Selbstverständlich kann im Bairischen wie im sonstigen Deutschen das n in „Filzen“ die Mehrzahl ausdrücken. Aber im Bairischen auch die Einzahl. Wie das kommt, haben wir schon in diversen Artikeln zu „Wiese und Wiesn“ beschrieben, und tatsächlich am 16. November 2018 auch zu „Filz, Filzn, Fuizn“. Aber es musste halt wieder einmal gesagt beziehungsweise geschrieben werden. Nicht nur wegen der fehlerhaften Filzen-Grammatik in den Medien. Armin Höfer

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