Ein Sommerabend zwischen Spiel und Gesang

von Redaktion

Zwischenstand: Volkstheater Flintsbach spielt Nestroys Posse „Einen Jux will er sich machen“

Flintsbach – Einige Aufführungen nach der Premiere zeigt sich, wie sicher und rhythmisch geschlossen das Ensemble Nestroys Posse trägt. Die Abende leben von präzisem Timing, feiner Situationskomik und jener Leichtigkeit, mit der die Darsteller die Maskeraden und Zufälle des Stücks entfalten.

Die Verwicklungen zwischen Weinberl, Christoph und dem gestrengen Zangler bleiben frisch und klar geführt; jede Figur erhält ihren Raum, jede Szene ihren eigenen Ton. Gerade die Dialogpassagen zeigen, wie stark das Schauspiel den Abend prägt: Die Figuren wirken nahbar, ihre Sehnsüchte und kleinen Schwächen werden mit feinem Gespür gespielt.

Das Ensemble arbeitet eng zusammen, reagiert aufmerksam und hält die Balance zwischen Komik und Beobachtung, die Nestroy auszeichnet.

Eine besondere Facette dieser Posse sind die Couplets – jene kurzen gesungenen Kommentare, die Nestroy aus der Wiener Theaterkultur übernommen hat. Sie unterbrechen für einen Moment die laufende Szene, weil die Figur aus dem Spiel heraustritt und sich direkt an das Publikum wendet. Gleichzeitig nutzt Nestroy diese kleinen musikalischen Einschübe, um die bürgerliche Enge und die alltäglichen Konventionen seiner Zeit mit einem Augenzwinkern zu kommentieren. Die Couplets schaffen zudem einen unmittelbaren Kontakt zwischen Bühne und Zuschauer, einen kurzen Augenblick, in dem die Aufführung ganz im Hier und Jetzt steht. Und sie geben Einblick in die Gedanken der Figuren – besonders in Weinberls Wunsch, einmal aus dem Alltag auszubrechen und etwas Außergewöhnliches zu erleben. In Flintsbach sind diese Momente sorgfältig eingebettet und wurden vom Publikum mit hörbarer Heiterkeit und Szenenapplaus aufgenommen.

Das Live-Ensemble – Christine Wilhelm und Kathi Kraus an den Klarinetten, Barbara Huber am Cello und Irmi Schmid an der Gitarre – begleitet die Szenen mit einer warmen, kammermusikalischen Farbe. Die Musik bleibt nah am Text, unterstützt die Atmosphäre und verstärkt die Stimmung, ohne den Eindruck zu erwecken, das Stück würde durch die Couplets getragen. Vielmehr entsteht ein ausgewogenes Zusammenspiel von gesprochenem Spiel und musikalischen Momenten, das die Alt-Wiener Theatertradition spürbar macht.

Der Zwischenstand der Aufführungen zeigt: Die Couplets verleihen der Posse eine besondere Note und knüpfen an die Wiener Theaterkultur an – doch das Herz des Abends liegt im Ensemble, in den Figuren und in den präzise gespielten Verwicklungen. Genau diese Balance macht die Flintsbacher Aufführung lebendig und trägt sie durch den Sommer. Volkhard Steffenhagen

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