Wärme und Vertrautheit einer Heimkehr

von Redaktion

Standing Ovations für „Viva Marie“ im Theaterzelt Riedering

Riedering – Schon bevor das erste Wort gesprochen war, war klar, dass dieser Abend ein besonderer werden würde.

Als das Licht im Theaterzelt Riedering erlosch und wenig später Elfriede Ringsgwandl zur Begrüßung auf die Bühne trat, schenkte das Publikum tosenden Applaus. Minutenlang feierte es die Autorin, Regisseurin und Theaterleiterin, die gemeinsam mit ihrem Mann Erwin seit über zwei Jahrzehnten ein kulturelles Kleinod geschaffen hat, das weit über die Landkreisgrenzen hinausstrahlt. Das Theaterzelt, mehrfach ausgezeichnet und 2024 mit dem Kulturpreis des Landkreises Rosenheim geehrt, ist längst mehr als eine Spielstätte – es ist ein Ort gelebter Theaterleidenschaft.

Fortsetzung
des Erfolgsstücks

Sichtlich bewegt begrüßte Elfriede Ringsgwandl unter den Ehrengästen unter anderem Riederings Bürgermeister Christoph Vodermaier, die stellvertretende Landrätin Marianne Loferer, Marisa Steegmüller von der Flötzinger Brauerei, Angelika Miedl von der Bäckerei Miedl sowie Irmgard Mayr und ihr Team von „Irmis Hoamat“. Die Worte des Bürgermeisters erwiesen sich im Verlauf des Abends als treffende Beschreibung dessen, was das Publikum erwartete: „Hier wird nicht Theater gespielt, sondern Theater gelebt.“ Genau das ist die Stärke von Viva Marie.

Szene trifft
mitten ins Herz

Die Fortsetzung des Erfolgsstücks Marie, das seit seiner Premiere mehr als 130-mal ausverkauft gespielt wurde, kann zwar unabhängig vom ersten Teil gesehen werden, entfaltet aber dennoch die Wärme und Vertrautheit einer Heimkehr.

Bereits die erste Szene trifft mitten ins Herz und es wird still im Publikum. Mancher Zuschauer greift zum Taschentuch. Diese berührende Eröffnung gibt den Ton des Abends vor: Viva Marie setzt nicht auf vordergründige Effekte, sondern auf Gefühle, die nachhallen.

Und dennoch mangelt es dem Stück nicht an theatralischer Raffinesse. Immer wieder überrascht die Inszenierung mit verblüffenden Übergängen und liebevoll ausgearbeiteten Details. Vorhänge öffnen sich und geben neue Spielorte frei, Figuren tauchen scheinbar aus dem Nichts auf und verschwinden wieder.

Wenn der Gauner Charly (Hardy Hädicke) während einer Szene plötzlich an anderer Stelle der Bühne erscheint, wirkt das fast filmisch. Besonders gelungen ist der nahezu unmerkliche Übergang vom Kind zur erwachsenen Marie – ein poetischer Moment, der das Publikum staunen lässt.

Zu den Zuschauerlieblingen zählen einmal mehr die Straßenmusikanten Beppo (Josef Staber) und Johann (Hans Ittlinger). Sichtlich gealtert und mittlerweile etwas schwerhörig, sorgen sie mit fein dosierter Situationskomik für zahlreiche Lacher. Gerade ihre authentische Körpersprache und das präzise Zusammenspiel machen die beiden Figuren so glaubwürdig und liebenswert.

Überhaupt sind es die vielen Details, die den Abend tragen. Nichts wirkt zufällig, jede Szene scheint sorgfältig komponiert. Auch die tierischen Figuren sind mit viel Liebe zum Detail gezeichnet. Neben der längst beliebten und bekannten Katze (Leni Ittlinger) der Straßenmusikanten überzeugt auch der neu hinzugekommene Kater (Lorenz Stecher), dessen geschmeidige Bewegungen und präzise Körpersprache der Rolle eine bemerkenswerte Authentizität verleihen.

Leichtigkeit
und Rhythmus

Musik, Gesang und Tanz sind erneut weit mehr als schmückendes Beiwerk. Die Choreografien von Maximilian Neumayer verleihen dem Stück Leichtigkeit und Rhythmus. Die authentischen Kostüme unterstützen die Erzählung und schaffen eine glaubwürdige, märchenhafte Welt.

Beeindruckend ist auch die Leistung der vielen Kinder auf der Bühne. Sie spielen mit einer Natürlichkeit und Freude, die ansteckend wirkt und dem Stück eine besondere Frische verleiht.

Im Zentrum des Abends stehen jedoch Maria Imania und Sebastian Huber.

Maria Imania, die das Publikum seit Jahren aus zahlreichen Produktionen des Theaterzelts kennt und die die Titelfigur bereits in Marie geprägt hat, gelingt erneut eine bemerkenswerte Darstellung. Ihre Marie besitzt eine berührende Verletzlichkeit und zugleich eine stille Stärke. Imania spielt die Figur nicht, sie lebt sie. Mit feinem Gespür für Zwischentöne führt sie ihre Marie durch Schmerz, Hoffnung und Glück und gibt der Figur eine große emotionale Wahrhaftigkeit.

Sebastian Huber als John Abalone bildet dazu den ruhenden Gegenpol. Mit großer Bühnenpräsenz und bemerkenswerter Wärme verleiht er seiner Figur Tiefe und Glaubwürdigkeit. Sein Spiel ist zurückgenommen, nie auf Effekt angelegt, und gerade deshalb so eindringlich. Die Szenen zwischen ihm und Maria Imania gehören zu den stärksten Momenten des Abends.

Überhaupt liegt die besondere Qualität von Viva Marie darin, dass das Stück seine Zuschauer emotional erreicht. Man fühlt mit den Figuren, leidet mit ihnen, freut sich mit ihnen und wird förmlich in ihre Geschichte hineingezogen. Die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum scheinen sich zeitweise aufzulösen.

Natürlich erzählt das Stück von Herkunft, Liebe und Schicksal. Vor allem aber erzählt es von Menschlichkeit – einem Wert, der sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk von Elfriede und Erwin Ringsgwandl zieht.

Applaus und
Standing Ovations

Nach dem Schlussbild hielt es kaum jemanden mehr auf den Sitzen. Minutenlanger, tosender Applaus und Standing Ovations waren der verdiente Lohn für einen Premierenabend, der eindrucksvoll bewies, weshalb das Theaterzelt Riedering seit Jahrzehnten eine Ausnahmeerscheinung in der bayerischen Theaterlandschaft ist.

Und auch musikalisch denkt das Theaterzelt Riedering diesmal über die Bühne hinaus. Für die Produktion wurde eigens der Song „Avanti Marie“ komponiert – ein Pop-Schlager, der nicht nur als Titelsong des Stücks funktioniert, sondern als eigenständiger Titel bereits auf den Streamingplattformen veröffentlicht wurde.

Mediterranes
Flair

Mit seiner eingängigen Melodie, seinem mediterranen Flair und einem Refrain, der schon nach dem ersten Hören zum Mitsingen einlädt, vermittelt das Lied ein unbeschwertes Sommer- und Dolce-Vita-Gefühl.

Man darf gespannt sein, ob „Avanti Marie“ künftig nicht nur im Theaterzelt, sondern auch andernorts noch häufiger zu hören sein wird.

Der Abend endete mit einer rauschenden Premierenfeier, und was bleibt: Viva Marie ist weit mehr als eine Fortsetzung. Es ist eine Liebeserklärung an das Menschsein.

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