Andächtig, aber ohne Kitsch und Pomp

von Redaktion

Acht junge Hornisten glänzen bei Abschlusskonzert des Meisterkurses am Sachranger Musik-Forum

Sachrang – Der menschlichen Stimme nicht unähnlich klinge das Horn, hat einmal Professor Hannes Hinterholzer, Professor für Horn an der Münchner Hochschule für Musik, bei einem Abschlusskonzert seines Meisterkurses im Rahmen des Sachranger Musik Forums gesagt.

Und genau diesen Farben-, Nuancen- und Dynamik-Reichtum des Horns, 2015 Instrument des Jahres, präsentierten die acht jungen Hornisten Amelie Seiler, Maximilian Schellenberger, Simon Moosrainer, Matthijs Heugen, Paul Pitzek, Sebastian Lambert, Noé Lehmann und Finn Bohn in der Sachranger Kirche St. Michael.

Es sei immer wieder eine Freude, „einmal im Jahr in Sachrang zusammenzukommen und gemeinsam miteinander zu musizieren“, sagte Lokalmatador Maximilian Schellenberger, Hornist beim WDR-Symphonieorchester. Auch seine Horn-Freunde sind allesamt gut untergekommen, allein Finn Bohn ist noch mit dem Masterstudium in Berlin zugange. Zum fünften Mal nun also ein reines Hornkonzert.

Es ist immer wieder schön zu hören und zu beobachten, wie die acht Hornisten für ihr Instrument brennen und mit wie viel Leidenschaft sie miteinander musizieren. Einige Stücke waren eigens für acht Hörner umarrangiert. Mit einer doppelchörigen Canzona von Andrea Gabrieli (1532/33 bis 1585) hieß das Oktett die zahlreichen Zuhörer willkommen, vom reinen, puren Renaissance-Klang wechselte das Oktett nahtlos zu Richard Wagners (1813 bis 1883) „Siegfried“ – eine Fantasie, bei dem die Hörner klanglich teilweise viel gaben und doch immer mit Transparenz und viel Gespür das Nibelungenlied – vom Schmieden des eigenen Schwerts über das den Helden Siegfried unverwundbar machende Bad im Blut des getöteten Drachens bis hin zur Eroberung Brünnhildes – nacherzählten. Eine ganz andere Farbpalette wurde dann bei W.A. Mozarts „Lacrimosa“ aus dem „Requiem“ angemischt: Da brauchte es keine menschliche Stimme, um den Schmerz und die Tränen auszudrücken. Jan Koetsier (1911 bis 2006), hat eigens für acht Hörner „Konzertante Musik“ komponiert, drei Sätze daraus, Allegro, Scherzo und fuga e corale, gab das Oktett zum Besten. Mal legato, mal staccato, mal charmant, mal kantig – mühelos wirkte das Spiel zwischen Naturtönen, gegriffenen Tönen, Stopfventil und rechter Hand bei jedem einzelnen Hornisten. Virtuos im Ansatz, das auch. Und erst recht großartig war das Zusammenmischen der Melange aus Klassik, Jazz und Walzerklängen. Zum Abschluss gab es noch eine „Danza“ von Gioachino Rossini (1792 bis 1868). Ursprünglich für Solostimme und Klavier komponiert, wiegt sich die Melodie im Rhythmus einer neapolitanischen Tarantella. Nun waren es acht Hörner, die den Takt vorgaben: Allegro con brio. Achtstimmige Klangreichtümer, die nach Süditalien entführten, dabei saß man doch in einer barocken Kirche. Echte Erdung kam erst wieder mit der Zugabe auf: „O Täler weit, o Höhen“ (das Eichendorffsche Gedicht vertonte 1843 Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847)). Andächtig, feierlich-kantabel, aber ohne Pomp und Kitsch. Da brauchte es keine Worte, der voll-stimmliche Glanz der acht Hörner verzauberte auch so.

Elisabeth Kirchner

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