Die Frau in der Lebensmitte

von Redaktion

Die Kabarettistin Eva Karl-Faltermeier gastierte mit ihrem aktuellen Programm „Ding Dong“ im Mühldorfer Haberkasten. Vor gut besuchtem Haus spannte sie einen humorvollen Bogen von den Wechseljahren bis zum ländlichen Alltag. Das Publikum feierte die Oberpfälzerin für ihre persönlichen Anekdoten mit viel Applaus.

Mühldorf – Die Wechseljahre stehen selten im Mittelpunkt eines Kabarettabends. Eva Karl-Faltermeier machte sie im Haberkasten jedoch zum roten Faden ihres aktuellen Programms „Ding Dong“ und zeigte, wie eng diese Lebensphase mit den Erwartungen an Frauen, dem Älterwerden und dem Leben auf dem Land verbunden ist. Dabei verbindet die Oberpfälzer Kabarettistin persönliche Anekdoten mit gesellschaftlichen Beobachtungen und lässt das Publikum immer wieder über Situationen lachen, die vielen vertraut vorkommen dürften.

Dorforiginale
und Spitznamen

Ausgangspunkt ist das Leben einer Frau in der Mitte ihres Lebens. Karl-Faltermeier erzählt von ihrer oberpfälzischen Heimat, von Dorforiginalen und den Spitznamen, die dort oft mehr über einen Menschen verraten als dessen eigentlicher Name. Ob „Windradl-Sepp“ oder „regeneratives Arschloch“ – auf dem Land bleibe ein Spitzname bestehen, genauso wie manche Rollenbilder. Dazu gehört auch die Erinnerung an den älteren Bauern „Odl“ (wie die Gülle), der sie als junges Mädchen auf dem Volksfest unverblümt fragte, wo denn ihre Brüste geblieben seien.

Immer wieder schweift Karl-Faltermeier scheinbar vom Thema ab und landet doch wieder bei ihrem eigentlichen Ausgangspunkt. So entwickelt sich die Warteschlange für die legendäre Viertagesfahrt im Landkreis Regensburg zum Running Gag des Abends. Als alleinerziehende Mutter stellt sie sich selbst an, um einmal ein paar Tage Ruhe vor den Kindern zu haben. Aus der Schlange heraus erzählt sie von Begegnungen im Supermarkt, vom pinken Flirtkorb beim Edeka und davon, dass dieser für Singles auf dem Land beinahe eine bessere Gelegenheit sei als Online-Dating. Tinder funktioniere auf dem Dorf ohnehin nur bedingt: In ihrer Beschreibung würde wahrscheinlich stehen „Frauen über 40 – letzter Markt.“

Zwischen den humorvollen Beobachtungen greift Karl-Faltermeier immer wieder gesellschaftskritische Themen auf. Sie spricht über konservative Rollenbilder, die Bedeutung der Kirche auf dem Land und über Sexualaufklärung von Dr. Sommer. Auch das Gendern bekommt einen Seitenhieb: „In der Oberpfalz geht des ned. Da hoaßt‘s da Mamer (die Mama) und da Ever (die Eva).“

Ohne Hormone
grantig

Den größten Raum nehmen jedoch die Wechseljahre ein. Karl-Faltermeier spricht offen über körperliche Veränderungen, trockene Haut, unerwünschten Haarwuchs, eine Gebärmutterentfernung und die Frage, wie sich Frauen in dieser Lebensphase selbst wahrnehmen. „Mehr Buggl als Busn – was hat man dann no?“, fragt sie und bringt damit viele im Saal zum Lachen. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass über die Wechseljahre noch immer wenig gesprochen wird, obwohl sie für viele Frauen zum Alltag gehören. Auch das Thema Hormonersatztherapie greift sie auf und stellt die unterschiedlichen Erfahrungen von Frauen gegenüber. Immer wieder führt sie ihre Erzählungen zurück in ihre eigene Familie. Mutter, Großmutter und weitere Verwandte liefern ihr zahlreiche Lebensweisheiten – manche ernst gemeint, andere eher skurril. Die Cousine mit dem Spitznamen „Rosa Zeh“, die ohne Hormone vor allem eines sei – grantig –, gehört ebenso dazu wie die traditionsbewusste Frau des Dorfbauern. Die Geschichten zeichnen ein Bild davon, wie unterschiedlich Frauen mit dem Älterwerden umgehen.

Dabei entwickelt Karl-Faltermeier einen Gedanken, der sich durch den gesamten Abend zieht: Nach den oft schwierigen ersten Jahren komme für viele Frauen der „Altweibersommer“. Die Zeit nach den Wechseljahren beschreibt sie als Phase neuer Freiheit und Selbstbestimmung. In Bayern, so ihre These, seien ohnehin häufig die Großmütter die eigentlichen Autoritätspersonen innerhalb der Familie. „Ohne die Oma samma aufgschmissen“, lautet eine ihrer Pointen, mit der sie den Bogen zurück zum Leben auf dem Land schlägt.

Der Abend lebt weniger von einer durchgehenden Geschichte als von vielen kurzen Episoden, Beobachtungen und Rückgriffen. Zwischen Dialekt, Selbstironie und gesellschaftlichen Seitenhieben entsteht so ein Programm, das die Wechseljahre nicht als Tabuthema behandelt, sondern als Lebensabschnitt, über den gesprochen und gelacht werden kann. Das Publikum im gut besuchten Haberkasten quittierte viele der Pointen mit hörbarem Gelächter und langem Applaus.

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