Koryphäe seines Fachs

von Redaktion

Ernst Kößlinger in der Villa Maria

Bad Aibling – Wo soll man beginnen bei der Besprechung der Ausstellung? Mit dem umfangreichen grafischen Werk des Künstlers Ernst Kößlinger, der in München als Koryphäe seines Fachs galt, oder doch mit seinen preisgekrönten Plakaten für das Oktoberfest, das Stadtmuseum, die Auer Dult? Oder mit den 40 Sonderbriefmarken der Deutschen Post, für die er zweimal mit der Auszeichnung „die schönste Marke Europas“ prämiert wurde?

Das alles ist zu sehen in der Galerie Villa Maria in Bad Aibling. 31 Grafiken – Radierungen, Holzschnitte und Linolschnitte – hängen an den Wänden und zeichnen Ernst Kößlinger als hervorragenden Handwerker aus, der sein Tun von der Pike auf gelernt hat. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, begann er eine Lehre als Klischeeätzer, die er wegen des Krieges unterbrechen musste, aber nach Kriegsende wieder aufnahm. Schon bald fiel er nicht nur wegen der äußerst sorgfältigen Ausführung seiner Arbeiten auf, sondern auch wegen der Stimmung, die er in seinen Bildern einfing. Das zerstörte München, seine Schlösser Nymphenburg und Blutenburg, später auf Reisen die spanische Treppe in Rom, Notre Dame, New York und Bali. All dies und mehr hielt Kößlinger in Zeichnungen und druckgrafischen Arbeiten fest. Licht und Schatten existieren im Wechsel und nebeneinander, Landschaften werden in grafische Strukturen gegliedert, wie zum Beispiel die bebauten Felder Balis oder ein Herbstweiher in bayerischer Landschaft. Immer ist unwiederbringbare Atmosphäre im Bild präsent, macht den Augenblick zu etwas Besonderem. Auffallend ist eine Traumlandschaft mit dem Titel „Verwilderter Garten“, voll mit grünen Pflanzen, in denen sich weibliche Figuren verbergen. Eine ruht im dichten Gras, die andere schwingt hoch hinaus auf einer Schaukel.

Ernst Kößlinger übte von 1958 bis 1971 eine Lehrtätigkeit an der „Akademie für das Grafische Gewerbe“ aus, von 1971 bis 1990 war er Professor für Grafik-Design an der Fachhochschule München. Er hat seinen 100. Geburtstag, dem diese Ausstellung gewidmet ist, nicht mehr erlebt, er verstarb im Jahr 2020.

Diese Ausstellung ist bis Sonntag, 2. August, zu sehen: Galerie Villa Maria, Rosenheimer Straße 43, Bad Aibling, Telefon 08061/92770. Geöffnet Freitag 16 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

Ute BößWETTER

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