Eine leidenschaftliche Liebe

von Redaktion

Texte und Musik von Clara und Robert Schumann und Johannes Brahms bei den Tiroler Festspielen

Erl – „Da ist einmal einer, der kommt wie eigens von Gott gesandt“ schreibt Clara Schumann im Oktober 1853 in ihr Tagebuch. Gemeint ist der junge Johannes Brahms, der als noch völlig unbekannter Komponist bei den Schumanns in Düsseldorf zu Besuch war und ihnen seine Musik am Klavier vorspielte. Robert Schumann war von Brahms´ musikalischem Talent begeistert. Zwischen seiner Frau und Brahms entwickelte sich eine langjährige Liebesbeziehung.

Unter dem Titel „Ménage à trois – Clara, Robert und Johannes“ fand im gut besuchten Festspielhaus von Erl eine hochkarätige Lesung mit Musik statt, die einfühlsam die Beziehung zwischen den Dreien beleuchtete. Die berühmte Wagnerinterpretin Waltraud Meier las Auszüge aus Briefen und Tagebüchern. Bariton Samuel Hasselhorn sang im Wechsel zu den Texten jeweils passende Lieder der drei Komponisten. Klangschön begleitet wurde er von dem Münchner Liedpianisten Joseph Breinl.

Samuel Hasselhorn eröffnete den Abend mit Robert Schumanns Lied „Widmung“. Den Text von Friedrich Rückert interpretierte er feinfühlig mit schlanker, ausdrucksvoller Stimme, das folgende Lied „Liebeszauber“ von Clara Schumann mit Inbrunst und Leidenschaft. Waltraud Meier las die einzelnen Passagen klar artikuliert und oft mit leicht melancholischem Timbre.

Emphatisch schreibt Robert Schumann über Brahms: „Man kann nichts wünschen, als dass ihn der Himmel gesund erhalte.“ In der „Neuen Zeitschrift für Musik“ preist er sein Genie mit überschwänglichen Worten. Brahms seinerseits ist von Schumanns Eloge tief bewegt: „Ihre Liebe und Güte hat mich gehoben und begeistert.“

Als Waltraud Meier die Tagebuchpassage von Clara über den gesundheitlichen Verfall von Robert vorlas, trat im Saal hörbare Stille ein. Verzweifelt und ohnmächtig beobachtet sie seinen Verfall: Geräusche klingen ihm wie Musik, mal umschweben ihn Engel, mal verfolgen ihn in der Fantasie Tiger und Hyänen und er schreit vor Schmerzen: „Ich litt mit ihm Folterqualen.“ Traurig und innig sang Samuel Hasselhorn Robert Schumanns „Der Himmel hat eine Träne geweint“ nach einem Text von Rückert und „Feldeinsamkeit“ von Johannes Brahms.

Zwischen Johannes Brahms und Clara Schumann entwickelt sich zunächst eine tiefe Freundschaft. Mit seiner Musik will Brahms dem kranken Robert Erheiterung verschaffen. An Brahms schreibt Clara, er habe ihr durch seine zarte Aufmerksamkeit eine innige Freude bereitet, Brahms seinerseits genießt das Zusammensein und Musizieren mit Clara.

Mit ergreifendem Ausdruck und stimmigen Körpereinsatz sang Samuel Hasselhorn Heinrich Heines berühmte „Loreley“ in der Vertonung von Clara Schumann. Brahms ist in Clara verliebt, ist glücklich über das Bild, das sie im geschickt hat und schreibt: „Was haben Sie mir angetan? Können Sie den Zauber nicht wieder von mir nehmen?“ Täglich wartet Brahms auf Claras Briefe, spricht sie mit „Meine geliebte Clara“ an. Und nachdem die „viel zu schöne, hohe Frau“ endlich das „Du“ erlaubt, schreibt er bald: „Deine Briefe sind mir wie Küsse.“

Schumanns Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide. In ihr Tagebuch schreibt Clara: „Mein Tag war ausgefüllt mit Tränen.“ Robert spreche immer viel mit den Geistern, wie ihr scheine. Als er gestorben ist, dankt sie Gott, dass er endlich von allen Qualen befreit ist: „Meine Liebe hat er mit sich genommen.“

40 Jahre später schreibt Brahms anlässlich des Todes von Clara Schumann an ihre Tochter Marie einen Kondolenzbrief und schickt ihr komponierte Gesänge, die er als Todesopfer für die geliebte Mutter bezeichnet. Nach Brahms´ düsterem Lied „O Tod, wie bitter bist Du“ bedankte sich das Publikum bei allen drei Interpreten für den bewegenden Abend mit lang anhaltendem Beifall.

Georg Füchtner

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