Zwischen großer Popmusik und völliger Stille

von Redaktion

Michael Patrick Kelly begeistert mehr als 5.000 Besucher im Schlosspark Tüßling – Sympathischer Gastgeber auf der großen Bühne

Tüßling – Eine Minute lang war nichts zu hören. Kein Ruf aus dem Publikum, kein Gespräch, kein Klatschen – nur vollkommene Stille im Schlosspark Tüßling. Mehr als 5.000 Menschen hatten sich dort zum Konzert von Michael Patrick Kelly versammelt.

Als der Sänger seine aus Kriegsschrott gegossene Friedensglocke anschlug und darum bat, der Opfer von Krieg und Gewalt zu gedenken, machten sie alle mit. Dieser Augenblick gehörte zu den stärksten Momenten eines Abends, der weit mehr bot als eine routiniert abgespielte Folge erfolgreicher Popsongs.

Michael Patrick Kelly hat eine Mission. Er will für den Frieden werben, Menschen zusammenbringen und daran erinnern, dass hinter den täglichen Nachrichten immer menschliche Schicksale stehen. Er sprach darüber ausführlich – gelegentlich so ausführlich, dass der Abend beinahe aus der Balance zu geraten drohte. Viel mehr hätte es tatsächlich nicht sein dürfen. Noch ein längerer Appell, noch eine weitere symbolische Handlung, und aus dem Konzert hätte eine Art musikalische Predigt werden können.

Doch Kelly fand immer wieder rechtzeitig zurück zur Musik. Und vor allem nahm man ihm ab, dass die Friedensbotschaft kein aufgesetzter Teil einer perfekt kalkulierten Show ist. Dieses Anliegen liegt ihm offensichtlich am Herzen. Die Reaktion des Publikums während der Schweigeminute zeigte, dass er die Menschen damit erreichte.

Dabei wäre es schade gewesen, wenn die Botschaften die Musik überdeckt hätten. Denn Michael Patrick Kelly ist vor allem ein sehr guter Singer-Songwriter. Seine Popmusik ist eingängig, ohne flach zu wirken. Sie besitzt eine handgemachte Qualität, greift Folk- und Rockelemente auf und verzichtet auf ein Übermaß an technischen Spielereien. Die Lichteffekte waren eindrucksvoll und sorgfältig gesetzt, drängten sich aber nie vor die Musik.

Kelly konnte sich dabei auf eine erstklassige Band verlassen. Sie verlieh den kraftvollen Nummern den nötigen Druck, ließ den ruhigeren Liedern aber ebenso viel Raum. Nichts klang überladen oder künstlich aufgeblasen. Hier spielten Musiker, die den Songs dienten und nicht versuchten, sich durch unnötige Soli in den Vordergrund zu schieben.

Über zwei Stunden stand Kelly ohne Pause auf der Bühne. Ermüdungserscheinungen waren ihm nicht anzumerken. Im Gegenteil: Das Konzert gewann im Laufe des Abends noch an Kraft. Seine unverwechselbare Stimme blieb bis zum Ende präsent und ausdrucksstark. Sie erinnert natürlich an die Jahre mit der Kelly Family, ist aber längst die Stimme eines eigenständigen Künstlers geworden. Sie besitzt etwas Raues und Ungekünsteltes – und vermittelt gerade deshalb den Eindruck von Ehrlichkeit.

Besonders deutlich wurde das bei „The Day My Daddy Died“. In diesem Lied setzt sich Kelly mit dem Tod seines Vaters auseinander. Er verschweigt dabei nicht, dass das Verhältnis zwischen beiden keineswegs immer einfach war. Doch ebenso spürbar ist die Liebe zu diesem Vater und der Schmerz über seinen Verlust.

Natürlich könnte man solche sehr persönlichen Lieder auch als ein bewusst eingesetztes Mittel betrachten, um das Publikum emotional an einen Künstler zu binden. An diesem Abend entstand dieser Eindruck jedoch nicht. Kelly sang nicht, als würde er eine eingeübte Wirkung abrufen. Er vermittelte glaubhaft, dass diese Geschichte noch immer zu ihm gehört. Das Publikum hörte nicht nur zu, sondern fühlte mit.

Ohnehin besteht zwischen Kelly und seinen Fans eine bemerkenswerte Verbindung. Viele von ihnen stehen seit Jahren bedingungslos hinter ihm. Er bedankt sich dafür nicht mit einstudierten Floskeln. Er ging zu den Menschen, schüttelte Hände, sprach mit einzelnen Besuchern und suchte immer wieder den direkten Kontakt. Das wirkte weder anbiedernd noch verkaufsstrategisch, sondern freundlich und selbstverständlich.

Kelly erscheint trotz seines großen Erfolgs bodenständig und frei von jeder Arroganz. Vielleicht liegt ein Teil dieser Haltung in seiner ungewöhnlichen musikalischen Herkunft. Er wuchs in einer Familie auf, die mit einem Doppeldeckerbus durch Europa zog, auf Straßen, Marktplätzen und vor Einkaufszentren sang und anschließend mit einem umgedrehten Tamburin Spenden sammelte.

Einige Lieder aus der Zeit der Kelly Family durften deshalb auch in Tüßling nicht fehlen. Lange wollten sich die einzelnen Familienmitglieder von diesem übermächtigen Kapitel ihrer Geschichte lösen. Doch für Michael Patrick Kelly bleibt es seine musikalische Heimat. Die alten Songs wirkten nicht wie eine Pflichtübung für nostalgische Fans. Sie gehörten ganz selbstverständlich zu einem Programm, das zugleich deutlich machte, wie erfolgreich Kelly seinen eigenen Weg gegangen ist.

Der Schlosspark bot für diesen Abend einen nahezu idealen Rahmen. Die große Bühne ermöglichte eine professionelle Show, während die Kulisse des Schlosses dem Konzert dennoch eine besondere Atmosphäre verlieh. Kelly füllte diesen Raum nicht allein mit Licht und Lautstärke, sondern vor allem mit Persönlichkeit.

Am Ende blieb der Eindruck eines Künstlers, der viel sagen möchte und manchmal aufpassen muss, seine Musik dabei nicht mit Botschaften zu überfrachten. In Tüßling gelang ihm dieser Balanceakt. Seine Friedensmission war unüberhörbar, aber sie wirkte aufrichtig. Und seine Musik war stark genug, um auch ganz ohne Botschaft zu bestehen.

Michael Patrick Kelly ist ein hervorragender Singer-Songwriter, ein glaubwürdiger Musiker und ein sympathischer Gastgeber auf der großen Bühne. Dort ist er vollkommen zu Recht zu Hause. Gerd Kreibich

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