Rosenheim – Die Domspatzen in Rosenheim! Da fragt jemand, gibt’s die noch? Und wie, kann man da nur kontern. 2025 war das große Jubiläum (über tausend Jahre). Das wurde unter anderem mit einer CD dokumentiert, die den aktuellen Leistungsstand des Chors glanzvoll unterstreicht. Aber was heißt „Chor“? Es gibt deren drei, und seit Neuestem auch noch einen Mädchenchor, von dem bald eine eigene CD erscheinen wird.
Ein Viertel der gesamten Domspatzenschar, also 60 Buben und junge Männer, füllten den Altarraum der Christkönigkirche. Im Kirchenschiff hätten gut und gerne noch mehr Zuhörer Platz gefunden. Die Veranstaltung präsentierte sich als „Singfonie“, als ein Mitsing-Konzert, das „die schönsten Volkslieder und Melodien“ versprach. Der junge Chorleiter Max Rädlinger, selbst ursprünglich aktiver Domspatz, moderierte mit Witz, guter Laune und gewinnendem Lächeln. In entspannt souveräner Leitung führte er seine Sänger durch dick und dünn: Das Programm hatte es in sich! Kurzweilig und abwechslungsreich forderte es den Sängern ein gehöriges Maß an Können wie an motorischer Disziplin ab.
Begleitet wurde der Chor ganz dezent und geschmeidig von Klavier (Luise Künzl) und Schlagzeug (Levin Atzenbeck).
Wenn Maestro Rädlinger sich ans Publikum wandte, um den Einsatz zum Mitsingen zu geben, tönte es beachtlich kräftig und sicher aus dem Pulk der ansonsten zuhörenden Laien. Ein ansprechend und übersichtlich gestaltetes „Mitsing-Heft“ stand zur Verfügung. Freilich, die jungen, ehrgeizigen Profis waren selbstverständlich nicht zu toppen!
Das Programm mied großräumig triviale oder seichte Liedliteratur. Echte Gefühle waren durchaus akzeptiert und diese wurden ohne Zucker oder Sentiment innig und voller Wärme vorgetragen: „Am Brunnen vor dem Tore“ etwa, oder „Kein schöner Land“ in einem Chorsatz des Domkapellmeisters Christian Heiß. Einer der Höhepunkte, als nur Bässe und Tenöre die Heinesche „Loreley“ in der Vertonung des Romantikers Friedrich Silcher ohne Schwulst und verstaubtem Pathos schlicht und doch ausdrucksvoll interpretierten.
Der alte Ohrwurm „Wer hat die Kokosnuss geklaut“ wurde grotesk überspitzt zu einer aberwitzigen Performance. Ein Souvenir aus der Donaustadt durfte nicht fehlen: „Zu Regensburg auf der Kirchturmspitz“! Da gab’s immer wieder Refrains, in welche die nach lustigem Einsingen „aufgewärmten“ Zuhörer aktiv und lustvoll einsteigen konnten. Tatsächlich: „Froh zu sein bedarf es wenig“!
Das Finale begann mit einem wirbelnden Medley kurzer Lieder und Kanons vom „Frère Jacques“ bis zum „drunken sailor“. Zur seelischen Beruhigung wurden zum Abschluss die „Sternlein“ und der „gute Mond“ besungen, bevor man sich gemeinsam „Guten Abend, gute Nacht“ wünschte.
Man sagt, der Geist weht wo er will. Bei den Regensburgern scheint er sehr intensiv zu blasen. Man spürt beglückt diesen frischen Wind. Und so wünschen wir den Domspatzen und ihren Chorleitern weiterhin eine inspirierende Brise! Walther Prokop