Ergriffen von himmlischen Freuden

von Redaktion

Kent Nagano und das Orchester der KlangVerwaltung brillieren im Spiegelsaal

Herrenchiemsee – „Himmlische Sphären:“ Das Motto des Konzertes im Spiegelsaal geizte nicht mit Worten. Und doch kam man diesen höheren Sphären als Zuhörer mehr als nahe. Unter Kent Nagano wuchs das Orchester der KlangVerwaltung künstlerisch über sich selbst hinaus. Und die Solisten – bei Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) zweitem Klavierkonzert B-Dur, op. 19, war es Naganos Ehefrau Mari Kodama, bei Gustav Mahlers (1860 bis 1911) vierter Symphonie in G-Dur glänzte Sopranistin Elisabeth Breuer – taten das Ihre, um den Weg nach oben zu bahnen.

Schwebende
Eleganz

Bei Beethovens Klavierkonzert überzeugte die eigentümliche Leichtigkeit, die schwebende Eleganz. Wunderbar, wie Orchester und Solistin melodische und tänzerische Akzente setzten. Das Orchester mal kammermusikalisch vornehm, mal kräftig zupackend. Mari Kodama glänzte mit edlem Anschlag, wohl dosiertem Pedaleinsatz und akribischer Detailfreudigkeit. Das „Adagio“ ließ aufhorchen: verträumt und doch kantig, nobel, mit viel Gespür für die zarten, leisen Töne. Ein wahres pp, dessen Spannung sich dann im finalen „Rondo. molto allegro“ mit Lebendigkeit und Frische entlud. Als Zugabe präsentierte die Solistin noch einmal Beethoven. „Für Elise“, allseits bekannt und doch im Spiegelsaal so fein gespielt, dass man meinte, solch musikalische Schönheit noch nie gehört zu haben. Mahlers vierter Symphonie stand nach der Pause auf dem Programm: Von Zeitenwende war im Programmheft zu lesen, von Aufbruch und Neubeginn. Und den ließen – mit wenigen Handbewegungen von Kent Nagano angeleitet – das Orchester und insbesondere die Solistin spürbar werden. In den drei orchestralen Sätzen spielte das Orchester technisch virtuos und dynamisch stupend auf (ein Hoch auf die Schlagwerker und Perkussionisten), behielt sich durchgehend einen warmen und transparenten Klang.

Rebekka Hartmann mimte bravourös im zweiten Satz mit der um einen Ton höher gestimmten Solo-Violine den fiedelnden Tod. Der vierte Satz dann steht für etwas Neues: Die Sopranistin tritt auf und soll wie ein Kind erklären, wie alles gemeint ist. Mahler hat das Gedicht „Das himmlische Leben“ der Volksliedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ von Clemens Brentano und Achim von Arnim entnommen. Das entbehrt nicht einer gewissen Portion Ironie. Aber Elisabeth Breuer kann das. Sie singt vom himmlischen Schlaraffenland, klangschön, beinahe schwebend, ohne Vibrato, selbst im pp versteht man bei ihr jedes Wort. Singt davon, dass „wir tanzen und springen, wir hüpfen und singen…“ und davon, dass die englischen Stimmen die Sinnen ermuntern, „dass Alles für Freuden erwacht.“ Aufbruch und Neubeginn. Wie trefflich sind da die himmlische Freuden besungen, zart und sanft wiegend vom Orchester ummalt, nachdem die Lebendigkeit des Anfangthemas, mal tänzerisch, mal aufbrausend, vergangen ist.

Symphonie in
großer Besetzung

Mahler fordert das große Orchester, Glockenspiel, Pauken, Blech und Holz, Streicher, Harfe – und das Orchester der KlangVerwaltung liefert. Eine Symphonie in großer Besetzung im ehrwürdigen Spiegelsaal? Dem schien es zu gefallen. Man meinte gar, dass er noch intensiver, noch goldener strahlte.

Und das Publikum? Das war ebenfalls von den himmlischen Freuden so ergriffen, dass es einige Sekunden brauchte, bis es wieder zurück auf Erden war und die Aufführenden mit stehenden Ovationen bedachte.

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