„Energie folgt der Aufmerksamkeit“

von Redaktion

Interview Nena verspricht vor Auftritt in Burghausen Rockshow mit viel Gefühl

Burghausen – Ein Name genügt, um die Herzen der Fans guter Popmusik höherschlagen zu lassen: Nena. Geboren wurde die Sängerin als Gabriele Susanne Kerner, doch ihr früher Spitzname wurde zunächst zum Namen ihrer Band und schließlich zum Künstlernamen einer der erfolgreichsten deutschen Popmusikerinnen.

1982 gelang der Band NENA mit „Nur geträumt“ der Durchbruch. Ein Jahr später folgte „99 Luftballons“ – ein Lied, das zum Welterfolg wurde und die Sängerin weit über Deutschland hinaus bekannt machte. Titel wie „Leuchtturm“, „Fragezeichen“ und „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ prägten die deutsche Popmusik der 1980er-Jahre. Nach dem Ende der Band setzte Nena ihre Karriere als Solokünstlerin fort und veröffentlichte 1989 mit „Wunder gescheh’n“ ihr erstes Soloalbum.

Längst kennt man sie aber nicht nur von ihren frühen Erfolgen. Auch spätere Titel wie „Liebe ist“ wurden zu festen Bestandteilen ihrer Konzerte und der Radioprogramme und Streamingdienste. Mit „Alles ist gut“ präsentiert sie einen neuen Hit. Weltweit hat Nena mehr als 25 Millionen Tonträger verkauft.

Am Sonntag (9. August) kommt Nena mit ihrer Band nach Burghausen. Von 19.30 Uhr an wird der Waffenplatz auf der weltlängsten Burg zur Open-Air-Bühne. Das Konzert ist Teil des Burghauser Konzertsommers. Das Publikum erwartet eine Reise durch mehr als vier Jahrzehnte Nena-Musik – von den großen Klassikern bis zu neuen Liedern.

Im Vorfeld des Konzerts spricht Nena mit den OVB-Heimatzeitungen über die besondere Verbindung zu ihrem Publikum, ihre unveränderte Liebe zu „99 Luftballons“, die Kraft positiver Gedanken und darüber, wie lange sie noch auf der Bühne stehen möchte. Für Burghausen kündigt sie eine „knackige Rockshow mit viel Gefühl und Herz“ an.

Sie stehen seit mehr als vier Jahrzehnten auf der Bühne und haben in dieser Zeit mehrere Generationen mit Ihrer Musik begleitet. Was begeistert Sie heute noch genauso am Singen und an Livekonzerten wie zu Beginn Ihrer Karriere? Ist „Ruhestand“ für Sie noch kein Thema?

Ich erlebe jedes Konzert neu und anders als die tausend Male davor. Es würde mich einengen, mich in einer Art Routine zu bewegen und mich auf dem auszuruhen, was bisher war. Und was wären meine Konzerte ohne die vielen wundervollen Menschen, die kommen, um gemeinsam mit uns zu singen und das Leben zu feiern? Ich sage von Herzen DANKE dafür. Gerade in diesen Zeiten ist es aus meiner Sicht so wichtig, die Energie hochzuhalten, indem man sich und anderen eine gute gemeinsame Zeit schenkt.

„99 Luftballons“ wurde vor mehr als 40 Jahren zu einem Welterfolg und gehört bis heute bei jedem Ihrer Konzerte dazu. Menschen aus mehreren Generationen können dieses Lied mitsingen. Macht es Ihnen noch immer Freude, diesen Titel zu singen – und hat sich Ihre persönliche Beziehung zu dem Song im Laufe der Jahre verändert?

Ich liebe dieses Lied, und solange ich auf der Bühne stehe, wird es kein Nena-Konzert ohne die „99 Luftballons“ geben! „99 Luftballons“ ist und war immer eine Friedensbotschaft, die von den Menschen bis heute so verstanden wird. Wir befinden uns in einem großen Wandlungsprozess, und auch Musik kann Brücken bauen.

Bei Ihren Konzerten stehen heute oft Menschen vor der Bühne, die Ihre ersten großen Erfolge als Fans selbst erlebt haben. Inzwischen kommen sie gemeinsam mit ihren Kindern oder sogar Enkelkindern. Was bedeutet es Ihnen, dass Ihre Lieder mehrere Generationen miteinander verbinden?

Ja, ich sehe oft Menschen aus drei Generationen in meinen Konzerten. Da stehen auch immer wieder wundervolle Kinder in den ersten Reihen, die alle Texte mitsingen, egal aus welcher Zeit.

Das sind fließende Übergänge, die dazu führen, dass man durch verschiedene Zeiten hindurch verbunden bleibt. Was für ein Geschenk!

Sie bringen nicht nur Ihre bekannten Klassiker mit auf Tour, sondern arbeiten weiterhin an neuer Musik. Wie wichtig ist es Ihnen, nicht allein für die großen Erfolge der Vergangenheit Applaus zu bekommen, sondern sich auch musikalisch immer wieder neu auszudrücken?

Mein erstes Soloalbum habe ich 1989 veröffentlicht, mit einem Song, der inzwischen auch längst ein bekannter Nena-Klassiker ist: „Wunder geschehen“. Ich habe ja nie aufgehört, Musik zu machen und Songs zu schreiben, von denen manche gekommen sind, um zu bleiben: „Liebe ist“, „In meinem Leben“ – Lieder, die bis heute in jedes Nena-Konzert gehören. Auch meine „alten“ Weggefährten wie die „Luftballons“, „Nur geträumt“, „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ und so weiter sind immer dabei. Ich liebe meine Lieder aus dieser Zeit genauso wie alles, was danach kam. Und auf meiner Setliste bleibt natürlich auch immer noch genügend Platz für unbekanntere und ganz neue Nena-Lieder wie „Alles ist gut“. Es geht einfach immer weiter.

Ihr neuer Titel heißt „Alles ist gut“. Ist dieser Satz für Sie eher eine Feststellung, eine Hoffnung oder vielleicht auch eine Haltung zum Leben?

Für mich ist es immer sinnvoller, meine Gedanken auf das Positive und Schöne auszurichten, als mich im Negativen zu verlieren. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Mein neues Lied „Alles ist gut“ ist in einer für uns alle sehr besonderen Zeit entstanden. Viel Düsteres versucht, unsere Aufmerksamkeit einzunehmen, doch mein Gefühl der Zuversicht ist unverwüstlich. In meinem neuen Song wird weder verleugnet noch angeprangert. Ich bin einfach überzeugt: Wir können die Welt verändern, wenn wir bereit sind, bei uns selbst anzufangen. Eine von vielen Möglichkeiten wäre: Vertraue dir und deinem eigenen Lebensweg. Lass dir von niemandem deine Zuversicht nehmen, vor allem nicht jetzt in diesen herausfordernden Zeiten.

Sie sind weiterhin mit großer Energie unterwegs und spielen auch 2026 zahlreiche Konzerte. Denken Sie manchmal darüber nach, wie lange Sie noch auf der Bühne stehen möchten – oder ist für Sie allein entscheidend, dass die Freude an der Musik und die Verbindung zum Publikum erhalten bleiben?

Vorstellen kann ich mir vieles, aber warum sollte ich darüber nachdenken, was ich tue, wenn ich 70 oder 80 bin? Das macht keinen Sinn für mich. Ich werde so lange Konzerte spielen, solange es mir und meinem Körper Freude macht. Und ich freue mich schon sehr auf das Konzert in Burghausen mit euch! Freut euch auf eine knackige Rockshow mit viel Gefühl und Herz. Wir reisen gemeinsam durch über 45 Jahre Nena-Musik.

Sie treten in Burghausen nicht in einer klassischen Konzerthalle, sondern unter freiem Himmel auf dem Waffenplatz der weltlängsten Burg auf. Welche Rolle spielen für Sie die Atmosphäre und der besondere Charakter eines solchen Konzertortes?

Bei einem Open-Air-Festival ist der Himmel über uns, und es gibt Weite rechts und links neben uns. Das ist ein ganz anderes Gefühl als in einer geschlossenen Halle. Im Hochsommer draußen zu spielen, hat etwas Wunderschönes. Gemeinsam mit dem Publikum in die Abenddämmerung zu tanzen, ist einfach unbeschreiblich – das möchte ich gemeinsam mit dem Publikum gerne auch in Burghausen erleben.

Gerd Kreibich

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