Kufstein – Schlaghosen, Lederjacken, Hotpants und Roller Skates – bei der begeisternden Premieren-Show des Musicals „Saturday Night Fever“ verwandelte sich die Festungsarena in eine farbenfrohe und quirlige Disco-Szenerie, erfüllt von mitreißenden Hits und Tanz-Performances. Pünktlich vor Beginn der Show hatte ein Gewitterschauer nach einem hochsommerlich heißen Tag in der komfortabel überdachten Arena für wohltuende Abkühlung gesorgt. Das begeisterte Publikum der ausverkauften Premiere ließ sich von einer bunten, prall gefüllten Zeitmaschine unter der Regie von Vanni Viscusi und der musikalischen Leitung von Eva Maria Brugger ins New York der wilden 1970er-Jahre katapultieren.
Erfolgloser Verkäufer
und Disco-King
Die Musical-Version von „Saturday Night Fever“, 1998 im Londoner Palladium uraufgeführt, lässt den Mythos des gleichnamigen Kinofilms von 1977 mit John Travolta in der Hauptrolle, untermalt von den unsterblichen Hits der Bee Gees, hautnah miterleben. Der zeitlose Plot erzählt die Geschichte des jungen Tony Manero aus Brooklyn, der tagsüber für einen Hungerlohn in einem Farbengeschäft arbeitet, dessen große Leidenschaft jedoch dem Tanzen gilt, was er zusammen mit seiner Clique am Wochenende in der Disco „2001 Odyssey“ hemmungslos auslebt. Tony Manero, verkörpert von dem sich während des Abends vor allem gesanglich enorm steigernden italienischen Musical-Darsteller Andrea de Majo, und seine Freunde sind frustriert über den ständig zitierten Mythos des American Dream, der sich in der Realität allzu oft nicht verwirklichen lässt. Gefangen im moralisch bigotten Amerika, was unter anderem den Umgang mit Verhütung und Abtreibung betrifft, suchen Tony und seine Freunde Ablenkung und Selbstverwirklichung in feucht-fröhlichen, erotisch durchsetzten Disco-Partys am Wochenende.
Das exzellent designte und – teils mit komödiantischen Einlagen – im Handumdrehen wandelbare Bühnenbild entführt die Zuschauer zu Beginn mit Sirenen, U-Bahn-Durchsagen und Schienengerumpel mitten in den Alltag in Brooklyn, wo zwischen drögem Alltagsleben und nächtlichem Glamour eine schier unüberwindliche Kluft klafft. Ein im „2001 Odyssey“ ausgelobter Tanzwettbewerb mit Preisgeld wird zum Hoffnungsschimmer für Tony. Als es um die Wahl seiner Tanzpartnerin geht, entscheidet er sich gegen Annette, die Tony ihrerseits sehr liebt, von ihm jedoch für ihre Freizügigkeit verachtet wird, hervorragend verkörpert von Clara Marie Hendel, für deren (auch optischen) Gegenentwurf, die aufstrebende, selbstbewusste Stephanie, überzeugend spröde gespielt von der Wienerin Verena Kollruss.
Zu den Hits der Bee Gees wie „Nights on Broadway“, „If I can’t have you“, „Stayin‘ Alive“, „How deep is your love“ und natürlich dem Titelsong „Night Fever“ strebt die Handlung voller Irrungen und Wirrungen und auch enttäuschter Erwartungen unter euphorischem Mitklatschen und -singen des Publikums auf ihren spektakulären Höhepunkt zu: den lange erwarteten Tanzwettbewerb, für den sich das Ensemble ganz besonders farbenfroh und glitzernd-glamourös in Schale geworfen hat. Tony jedoch erscheint leicht lädiert nach einer körperlichen Auseinandersetzung mit einer puerto-ricanischen Gang, im weißen Satin-Anzug und mit schwarzer Haar-Tolle optisch ganz John Travolta, zum Wettbewerb. Zusammen mit Partnerin Stephanie gelingt es ihm, ins Finale einzuziehen. Als sie jedoch zu den Gewinnern gekürt werden, seinem ursprünglich heiß ersehnten Traum, reagiert Tony erbost – die Entscheidung sei manipuliert und der Sieg hätte einem puerto-ricanischen Paar mit dessen temperamentvoller, akrobatischer Performance zuerkannt werden müssen. Tony rechnet frustriert mit Freunden, Familie und Gesellschaft ab und gerät schließlich sogar mit Stephanie in einen erbitterten Streit, als er die Trophäe an das andere Tanzpaar weiterreicht. Nach der Euphorie des Wettbewerbs kochen nun Frustration und bittere Enttäuschung in Tonys Freundesgruppe hoch, die im verzweifelten Selbstmord des werdenden Vaters wider Willen Bobby C., alias Frederik Stuhllemmer, gipfelt.
Begeistertes
Publikum
Zumindest Tony und Stephanie gelingt es schließlich, sich als Freunde zu versöhnen, was mit einer letzten quietschbunten, entfesselten Disco-Party aller Darsteller gefeiert wird, bei der John Travoltas legendäre Pose natürlich nicht fehlen darf. Die großartige Performance und spürbare Begeisterung des gesamten Ensembles, vor und hinter den Kulissen, sowie des stilecht eingekleideten Orchesters wurden mit großem Applaus belohnt, für den sich das Publikum aus den Sitzen erhob.