Kunst, die unterhält und Räume öffnet

von Redaktion

Große Ausstellung des Wasserburger AK68 setzt Zeichen

Wasserburg – Die Große Kunstausstellung der Wasserburger Künstlergemeinschaft beweist in diesem Jahr erneut, warum sie zu den wichtigsten Ausstellungsformaten für zeitgenössische Kunst in der Region zählt. Was im Jahr 1968 mit der Gründung des Arbeitskreises 68 als Jahresausstellung im Rathaussaal begann, hat sich heute zu einem vielfältigen Kunstparcours durch die ganze Altstadt entwickelt. Kunst wird damit auch dort erlebbar, wo sie nicht unbedingt erwartet wird.

Riesige Steine
aus Beton

Die Jury hat unter einer Vielzahl von Einreichungen 224 Arbeiten von 107 national und international tätigen Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt. Bereits im öffentlichen Raum setzt die Ausstellung auffallende Zeichen. Einige Mitglieder des AK 68 haben riesige „Lego-Steine“ aus Beton künstlerisch bearbeitet. Diese wurden an prominenten Plätzen im Stadtgebiet positioniert. Einer wäre noch zu haben; alle anderen wurden bereits von ortsansässigen Firmen erworben. Der Verkaufserlös wiederum kommt dem Umbau des Ganserhauses mit seiner Galerie zugute.

Begehbare
Außenskulptur

Die begehbare Außenskulptur „Studiolo Carousell“ von Eric Göngrich lädt zum Start des Ausstellungsbesuches im Rathaus ein. Die Installation des Berliner Künstlers besteht aus Holz- und Aluminium-Elementen. Sie versteht sich als offene Intervention, in der die Nutzung und Veränderung urbaner Räume sichtbar wird.

Insgesamt 100 Kunstwerke sind im Rathaus vertreten. Von der Münchener Keramikkünstlerin Tanja Antonini stammt die Porzellanfigur „the usual madness“ (Der ganz normale Wahnsinn). Die skurril-figürliche Skulptur zeigt eine Ansammlung grotesker Hybrid-Wesen, die aus einem ufoähnlichen Plateau entspringen. Ideenreichtum, Humor und handwerkliche Perfektion zeichnen diese Arbeit aus. Im Triptychon „International Sedation Green“ von Harald Michel verlieren einige, höchst umstrittene Figuren und Influencer der Zeitgeschichte ihre Bedeutung. Das Sammelsurium mit Bezos, Putin, Trump, Zuckerberg und Co. wurde in den drei Bildern einfach von einem Maler übermalt, damit ruhiggestellt und in den Orkus der Bedeutungslosigkeit geschickt. Ach, wenn es doch nur so einfach wäre.

Insgesamt warten das Foyer und die beiden Rathaussäle mit einem breiten Spektrum an künstlerischen Ideen auf. Gegenständliche und abstrakte Malerei harmonieren nebeneinander, eine stimmige Auswahl an Fotokunst und Plastiken ist ebenso gegeben.

In den Räumen der ehemaligen Polizeiinspektion setzt sich die Vielfalt interessanter, zeitgenössischer Positionen mit 99 Arbeiten, darunter die der Jury, unvermindert fort. Beachtung verdienen auch die im Museum Wasserburg vorgestellten Arbeiten. Zehn Künstlerinnen und ein Künstler haben vom Museum für islamische Kunst in Berlin ein Fragment des kaukasischen Drachenteppichs erhalten. Daraus wurde ein gemeinsames Kunstprojekt entwickelt, das kulturelle Beziehungen sichtbar machen soll. Ein markanter Beitrag dazu ist das Gemälde „Drachenmann“ des Münchner Künstlers Fred Krueger.

Ebenso sehenswert sind die Ausstellungen in den zwei Kirchendenkmälern. In St. Achatz zeigen Francesca Manfredi aus Perugia und Francesco Petrones aus Rom in der Sonderausstellung „Passagi“ (Pforten) mit ihren Arbeiten die Übergänge im Leben, die durchschritten werden müssen: Ankommen und Eintritt, Abschied und Weggehen. Die Kirche Heiliggeist-Spital beherbergt die Klang- und Videoinstallation „noise in a soundgarden“ von Bettina Gorn, die auf mehreren Bildschirmen übertragen wird.

Orte prägen
Wahrnehmung

Die Große Kunstausstellung 2026 überzeugt insgesamt mit hoher künstlerischer Qualität in einem aufwendigen, ja gelungenen und auch unterhaltsamen Ausstellungskonzept. Die diversen Orte prägen die Wahrnehmung der Werke und verleihen jeder Station einen eigenen Charakter. Gerade diese Verbindung von historischer Architektur und zeitgenössischer Kunst macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus. So entsteht kein klassischer Museumsrundgang, sondern vielmehr eine spannende Entdeckungsreise zur Kunst durch die Wasserburger Altstadt.

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